Innere Sicherheit

Ein Mullah aus dem Irak belastet den Freiburger Terrorverdächtigen Dasbar W. schwer

Daniel Laufer

Von Daniel Laufer

Sa, 25. August 2018 um 05:00 Uhr

Südwest

Ein irakischer Geistlicher behauptet, der Terrorverdächtige Dasbar W. aus Freiburg habe versucht, ihn für die Terrormiliz IS zu rekrutieren. Nach BZ-Informationen könnten W.s IS-Kontakte intensiver gewesen sein als bislang bekannt.

Seit acht Monaten sitzt Dasbar W. im Gefängnis in Untersuchungshaft. Er steht unter dringendem Tatverdacht, einen Anschlag auf den Karlsruher Weihnachtsmarkt geplant zu haben. Die Bundesanwaltschaft hat den gebürtigen Freiburger außerdem angeklagt, Mitglied der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) zu sein. Der Badischen Zeitung liegen Informationen vor, nach denen sein Kontakt zum IS intensiver gewesen sein könnte als bislang angenommen.

"Der Islamische Staat spricht viel über dich", habe Dasbar W. zu dem irakischen Mullah Ismael S. bei der Kontaktaufnahme gesagt. Der gebürtige Freiburger soll versucht haben, ihn im Namen des IS zu rekrutieren. S. erzählt das in einem Video, das der Sicherheitsrat der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak in diesem Monat veröffentlicht hat. Auch im kurdischen Fernsehen wurde es ausgestrahlt.

Ein IS-Mitglied mit dem Kampfnamen Abu Aisha

Die Behörden haben den Mullah Anfang Juli festgenommen – wegen seiner angeblichen Kontakte zum IS. Nach eigenen Angaben ist S. auch Drahtzieher eines Terroranschlags Ende Juli gewesen: Drei bewaffnete junge Männer hatten den Sitz der Regionalregierung Erbil gestürmt. Sie nahmen Geiseln und verschanzten sich im Gebäude. Mehrere Sicherheitskräfte wurden verletzt, ein Mitarbeiter der Behörde und die Angreifer starben. Die Aufzeichnung des Sicherheitsrats zeigt, wie der Mullah aussagt. Die Umstände sind unklar. "Ich habe Zweifel daran, dass das Geständnis des Predigers auf rechtsstaatliche Art und Weise zusammengekommen ist", so W.s Verteidiger Marc Jüdt.



Es geht in dem rund 24-minütigen Video unter anderem um Dasbar W., der oft in die Moschee von Ismael S. gekommen sein soll, auch nachdem er für einige Zeit in Deutschland gewesen sei. Der heute 29-jährige deutsche Staatsbürger habe ihn aufgefordert, ein IS-Mitglied mit dem Kampfnamen Abu Aisha zu kontaktieren. "Abu Aisha hat mir gesagt, ich solle nochmal meinen Treueschwur leisten. Ich sei für den IS eine wichtige Person", sagt S.. Schon 2014 habe er der Terrororganisation die Treue geschworen.

Gibt es einen Zusammenhang mit IS-Angriffen?

Bei einem späteren Treffen sollen Dasbar W. und Abu Aisha den Mullah dann angewiesen haben, ihnen zu helfen. "Sie wollten, dass ich Informationen über die Region Kurdistan weitergebe." S. sagt, es sei ihnen vor allem um die Gegend um Kirkuk gegangen. Die Stadt war in diesem Zeitraum unter der Kontrolle der Kurden, wurde aber immer wieder vom IS angegriffen.

Unbekannt ist, ob es dabei einen Zusammenhang gibt mit dem Treffen mit dem Mullah, der für den IS später auch Waffen und Geld beschafft sowie eine Schläferzelle betrieben haben soll. Er behauptet: "Ich habe Dasbar die Informationen über die Peschmerga gegeben, die ich gesammelt hatte. Ich weiß nicht, wie er sie weitergegeben hat."

Was wissen die deutschen Ermittler von dem Mullah?

In diesem Monat hat die Bundesanwaltschaft Dasbar W. angeklagt, sich dem IS als Mitglied angeschlossen zu haben. Die Vorwürfe beruhen im Wesentlichen auf Protokollen von Internet-Chats, die W. geführt haben soll, und den Aussagen eines V-Manns des Landeskriminalamts Baden-Württemberg. Ismael S. bleibt in der Anklageschrift unerwähnt. Die Bundesanwaltschaft will auch nicht bestätigen, dass deutsche Ermittler überhaupt von dem Mullah wissen.

Nicht nur im Irak soll Dasbar W. im Umfeld von Islamisten aufgefallen sein. Im Juni 2014 sprachen die Salafisten Pierre Vogel und Sven Lau auf dem Freiburger Kartoffelmarkt. Lau wurde inzwischen wegen der Unterstützung einer Terrororganisation verurteilt. Bei der Veranstaltung war Dasbar W. als Ordner tätig, wie aus seinem Umfeld zu vernehmen ist.

Im Juli 2016 soll W. in Hildesheim ein mehrtägiges Seminar bei Abu Walaa besucht haben. Der salafistische Prediger gilt als einer der führenden Köpfe der Terrororganisation in Deutschland. Auch er wurde inzwischen festgenommen und angeklagt – wegen seiner mutmaßlichen Mitgliedschaft beim IS.

Was hat Dasbar W. im Irak getan?

Wenig scheint bekannt über die Zeit, die W. im Irak verbracht hat. Im Juni 2015 reiste er nach Erbil, angeblich, um seine Eltern zu besuchen. Im März 2016 kehrte er zurück. Der Bundesnachrichtendienst glaubt, W. habe in diesem Zeitraum Kontakt zu IS-Mitgliedern gesucht. Das geht aus Dokumenten hervor, die der Badischen Zeitung vorliegen. Im Juli 2017 ging er erneut in den Irak. Spätestens jetzt habe sich W. dem IS angeschlossen, vermuten deutsche Ermittler.

Wenige Tage nach seiner Ankunft in Erbil nahmen kurdische Sicherheitskräfte den Freiburger fest. Er soll unerlaubterweise das Gebäude des kurdischen Ministerpräsidenten fotografiert haben. Wie W. dem V-Mann in Deutschland später mitgeteilt haben soll, habe er in dieser Zeit im Auftrag eines irakischen Generals für den IS spioniert. Im Oktober 2016 ließen ihn die Kurden aus unbekannten Gründen frei.

Er habe wohl etwas gestanden, heißt es aus seinem Umfeld. Was genau, ist allerdings unbekannt.

Mehr zum Thema