Wohnungsnot

Erstsemester im Südwesten finden nur schwer eine Bude

dpa

Von dpa

Fr, 07. September 2018 um 09:08 Uhr

Südwest

Manchmal muss die Couch von Freunden oder das Hostel herhalten: Für Erstsemester, die zu Studienbeginn keine Wohnung finden, ist das oft die einzige Möglichkeit.

Erstsemester müssen sich zum Studienbeginn oft auf eine wochenlange Suche nach einer Bleibe einstellen. In Freiburg stellt das Studierendenwerk daher Notunterkünfte zur Verfügung. "Erfahrungsgemäß entspannt sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt bereits wenige Monate nach Beginn des Wintersemesters", sagte Sprecherin Franziska Kuhn.

Einen Schlafplatz zur Überbrückung bietet auch das Studierendenwerk Stuttgart. Wohnungssuchende können temporär in sogenannten Boarding Houses unterkommen. "Voll ausgestattete Zimmer oder Apartments können für einen Zeitraum von einem bis zu sechs Monaten gemietet werden", erklärte Sprecherin Anita Bauer. Jährlich bewerben sich demnach bis zu 400 Studenten - es gibt aber nur Platz für rund ein Drittel davon.

Auch Jugendherbergen rechnen wieder mit mehr Gästen zu Semesterstart. "Die Auslastung in Freiburg im Oktober 2017 betrug 87 Prozent, durchschnittlich sind es sonst 58 Prozent", sagte die Sprecherin vom Deutschen Jugendherbergswerk in Baden-Württemberg, Pia Schmitz.

In Stuttgart und Ludwigsburg warten nach Angaben des Studierendenwerks derzeit 3965 junge Leute auf ein Wohnheimzimmer. Auch hier sind die Plätze Mangelware, rund die Hälfte der Anwärter geht leer aus. In Göppingen und Esslingen sei die Lage entspannter. Hier stehe niemand auf der Warteliste.

Auch die Preise steigen weiter: "Bis zu 400 Euro müssen Studierende in Tübingen derzeit für ein Zimmer bezahlen, je nach Größe und Wohngemeinschaft", sagte Marita Benz vom Studierendenwerk. "Das sind sechs bis acht Euro mehr als im letzten Jahr."
Das Tiny House macht Karriere – wenn die Bürokratie es nicht bremst. Mehr dazu

Studenten schauen sich auch nach alternativen Wohnformen, wie etwa mobilen Unterkünften, um. Nach Angaben von Brendan Thome, Mitgründer vom Stuttgarter Start-up Tech Tiny House, ist das Interesse an den Minihäusern - Tiny Houses - groß. Immer mehr Eltern wollten ihren Kindern ein rollendes Zuhause fürs Studium finanzieren. "Wenn man fünf, sechs Jahre studiert, rechnet sich das auf jeden Fall. Das Tiny House hält auch noch über das Studium hinaus", sagte Thome.

Auch generationenübergreifende Mietverhältnisse stehen Hoch im Kurs: Dabei unterstützen Studenten Senioren im Alltag und wohnen im Gegenzug für wenig Geld bei den Rentnern. "Die Unterstützung richtet sich nach den Bedürfnissen der älteren Menschen", erklärte Stefan Spatz vom Projekt "Wohnen mit Hilfe" in Stuttgart. "Denkbar sind Hilfen im Haushalt, Gartenarbeit, Einkaufen, Tierpflege, oder Spaziergänge."

Seit 2015 habe es mehr als hundert Anfragen gegeben. "Das Interesse von jungen Leuten ist sehr groß. Gesucht werden vor allem weitere ältere Menschen, die freien Wohnraum haben und am Kontakt zur jüngeren Generation interessiert sind."