Prozessauftakt

Prozess in Karlsruhe gegen "Kunden" im Staufener Missbrauchsfall beginnt

dpa/BZ

Von dpa & BZ-Redaktion

Di, 12. Juni 2018

Karlsruhe

Der Fall des schwer missbrauchten und an andere Männer verkauften Neunjährigen aus Staufen beschäftigt auch das Landgericht Karlsruhe. Parallel zum Prozess in Freiburg gegen die beiden Hauptverdächtigen hat dort am Montag die Verhandlung gegen einen 44 Jahre alten Elektriker aus Schleswig-Holstein begonnen.

Er soll den 39 Jahre alten Christian L., den Partner der Mutter des Jungen, im Darknet gefragt haben, ob er das Kind sexuell missbrauchen und danach töten dürfe.

Laut der Anklage habe L. das abgelehnt. Daraufhin soll der einschlägig vorbestrafte Mann aus Schleswig-Holstein gefragt haben, ob man alternativ nicht ein anderes Kind gemeinsam entführen könne, um es sexuell zu missbrauchen und anschließend zu töten. "Der Angeklagte war zur Tötung fest entschlossen", sagte die Staatsanwältin zum Prozessauftakt. Sie hat ihn wegen Sich-bereit-Erklärens zum Mord, zum sexuellen Missbrauch von Kindern und zur Vergewaltigung sowie wegen Besitzes kinder- und jugendpornografischer Schriften angeklagt. Da er schon zweimal verurteilt worden sei und seinen kindlichen Opfern schweren Schaden zugefügt habe, zieht sie eine Sicherungsverwahrung in Betracht.

Die Mutter des Neunjährigen und ihr Partner sollen den Jungen jahrelang missbraucht und über das Darknet Pädosexuellen angeboten haben (siehe Text oben). Weil der Verdächtige aus Schleswig-Holstein die Festnahme der beiden Hauptverdächtigen im September 2017 nicht mitbekam, tappte er beim erneuten Kontaktversuch im Darknet im vergangenen Herbst in eine Falle der Polizei: Ein verdeckter Ermittler gab sich als der Lebensgefährte der Mutter aus. Unter dessen Decknamen lockte er den 44-Jährigen nach Karlsruhe. Beim Treffen in einem Schnellrestaurant im Hauptbahnhof hatte er 500 Euro und die Utensilien für die geplante Vergewaltigung des Jungen dabei: zwei Paar Handschellen, fünf Zentimeter breites Panzer-Klebeband zum Knebeln sowie einen Liter Gleitgel.

Seine Anwältin kündigte zu Prozessbeginn an, dass ihr Mandant zur Sache aussagen wolle. Weil er dabei auch über sein Sexualleben Auskunft geben sollte, wurde die Öffentlichkeit auf Antrag der Verteidigung für diesen Teil nach Verlesung der Anklage ausgeschlossen. Ein Urteil könnte noch im Juni fallen. Für den Prozess sind zwei weitere Verhandlungstage Ende des Monats angesetzt. In direktem Zusammenhang mit dem Missbrauchsfall gibt es sieben Tatverdächtige.