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27. Juni 2015 18:49 Uhr

Rheintalbahn

Kommentar: Die Region ist begeistert

  1. Ein ICE auf der Rheintalstrecke in Müllheim. Foto: Andrea Drescher

In der Ortenau herrscht einerseits große Freude: Im Projektbeirat ist beschlossen worden, dass der Offenburger Stadttunnel für die Güterzüge kommt und dass die neuen Gleise nicht neben der alten Bahnstrecke, sondern an der Autobahn verlegt werden. Doch dieser zweite Punkt, der alle Kommunen längs der bestehenden Bahnstrecke erfreut, sorgt andererseits für Empörung: Die in der sogenannten Grafenhausener Erklärung zusammengeschlossenen Gemeinden, die gegen die Autobahnparallele waren, "missbilligen", wie sie mitteilen, "den Weg der Entscheidungsfindung". Denn solche Entscheidungen sollten "rechtlich normierten Verfahren vorbehalten" bleiben.

Deshalb wollen sie in ihrem Widerstand nicht nachlassen – und behalten sich vor, zum entsprechenden Zeitpunkt "souverän und eigenständig" den Rechtsweg zu beschreiten. Rückhalt finden sie beim Naturschutzbund (Nabu), dessen Landesvorsitzender Andre Baumann bezweifelt, dass die Autobahnparallele vor Gericht Bestand haben werde: "Flächenverbrauch und Natureingriffe" seien entlang der vorhandenen Strecke "deutlich geringer". Andere Naturschutzverbände hatten sich allerdings ihrerseits für die Autobahnparallele ausgesprochen.

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Der Landrat des Ortenaukreises, Frank Scherer, der ebenfalls für die Autobahnparallele eingetreten ist, versprach den davon betroffenen Kommunen in seiner Erklärung nach dem Projektbeirat, dass durch ergänzenden Schallschutz sichergestellt werde, dass auch die Kommunen, die die jetzt beschlossene Trassenführung ablehnen, in den Genuss der "besten Lösung" kommen. Darin stimmt Scherer mit seinem Emmendinger Kollegen Hanno Hurth überein.

In Müllheim ist man dagegen enttäuscht, dass die Tieflage nicht kommt. Immerhin aber, sagt Otto Neideck, Vorsitzender des Regionalverbands Südlicher Oberrhein, investierten Bund und Land 50 Millionen zusätzlich in diesen Abschnitt, um den Lärmschutz zu verbessern – da sollte man sich genau überlegen, welche Chancen weitergehende Forderungen vor Gericht haben.

Neideck ist selbst aber überzeugt, dass die Sitzung des Projektbeirats ein voller Erfolg war: "Der Satz ,Die Region plant um‘ ist dadurch bestätigt worden." Vor fünf Jahren habe er nicht geglaubt, dass sich die Region mit ihren Änderungswünschen gegenüber der Bahn durchsetzen würde. Auch seitens der Bundes- und Landtagsabgeordneten in der Region war über alle Parteien hinweg die Begeisterung über die Einigung zum Ausbau der Rheintalbahn groß. Sie gehen alle davon aus, dass der Bundestag den Mehrausgaben zustimmen werde.

Beste Stimmung herrscht bei den Bürgerinitiativen: Den Beschluss des Beirats verdanke man auch den 172 000 Einwendungen gegen die Bahnpläne, sagte Manfred Wahl von der IG Bohr.

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Autor: Wulf Rüskamp