Universität Tübingen

Land will Lehrstuhl für alternative Heilverfahren einrichten

Jens Schmitz

Von Jens Schmitz

So, 14. Oktober 2018 um 20:10 Uhr

Südwest

Das Land will an der Universität Tübingen eine Professur für Komplementärmedizin einrichten und damit mittelfristig in Deutschland zum Vorreiter werden.

Partner des Landes ist die Robert-Bosch-Stiftung. Komplementärtherapien sind Verfahren, die sich nicht als Alternative zur wissenschaftsbasierten Schulmedizin sehen, sondern sie ergänzen. Es geht dabei um Methoden aus der Naturheilkunde. "Diese Verfahren unterscheiden sich von der konventionellen Therapie jedoch durch den niedrigeren Evidenzgrad aufgrund noch fehlender Studien beziehungsweise wissenschaftlich anerkannter Wirkungsnachweise", heißt es in einer Vorlage des Wissenschafts- und Sozialministeriums für die Kabinettssitzung am Dienstag.

Von Seiten der Patienten gebe es großes Interesse; auch die Ärzte stünden dem Thema offen gegenüber. Ohne Evidenz, also den wissenschaftlichen Nachweis der Wirksamkeit, sei zudem eine Kostenerstattung durch die gesetzlichen Krankenkassen kaum möglich.

Um das zu ändern, soll nun ein Versprechen aus dem grün-schwarzen Koalitionsvertrag umgesetzt werden: Ein Lehrstuhl für Naturheilverfahren und Integrative Medizin soll Transparenz, Qualitätssicherung und Patientensicherheit schaffen. Als Partner haben Wissenschaftsministerin Theresia Bauer und Sozialminister Manfred Lucha (beide Grüne) unter anderem die Robert-Bosch-Stiftung gewonnen.

Diese wird 1,8 Millionen Euro für eine fünfjährige Anschubfinanzierung bereitstellen, sie soll die Basis für einen Lehrstuhl an der Medizinischen Fakultät der Uni Tübingen gewährleisten. Die Forschung soll am Zentrum für Tumorerkrankungen des Robert-Bosch-Krankenhauses in Stuttgart stattfinden. Bedingung: Die Professur muss nach der Anlaufphase durch das Land weitergeführt werden.

Die Kabinettsvorlage, die der Badischen Zeitung vorliegt, sieht jedoch eine vorherige Evaluierung vor. "Abhängig vom Ergebnis der Evaluation wird über die Verstetigung der Professur entschieden", heißt es in dem Papier. Vom sechsten Jahr an sei sie gegebenenfalls der erste Lehrstuhl für Komplementärmedizin in Deutschland, der nicht von einer Stiftung gefördert werde. "Baden-Württemberg würde insoweit eine Vorreiterrolle einnehmen." Die Professur soll 2019 besetzt werden.