Maria H. lebte mit Bernhard H. auf Sizilien

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Mi, 12. September 2018

Südwest

18-Jährige ändert ihre Aussage.

FREIBURG. Der Vermisstenfall Maria H. nimmt die nächste Wendung: Die 18-jährige Freiburgerin hat ihre ursprüngliche Aussage bei der Kripo geändert und eingeräumt, bis zuletzt bei dem inzwischen festgenommenen Bernhard H. gewesen zu sein. Die beiden lebten in einer Wohnung auf Sizilien zusammen. Nach Italien waren sie bei ihrer gemeinsamen Flucht gekommen, die sie von Mai 2013 an über Polen und andere osteuropäische Länder geführt hatte.

Zunächst hatte die Rückkehrerin den Ermittlern eine andere Geschichte erzählt. Maria H. wollte sich schon Mitte 2013 von ihrem 40 Jahre älteren Begleiter getrennt haben und dann alleine weitergereist sein. Bei der Polizei gab es früh Zweifel an dieser Version. Diese verstärkten sich noch einmal, als Bernhard H. in Italien festgenommen wurde – in dem Land also, in dem auch die Langzeit-Vermisste, die als 13-Jährige untergetaucht war, offenbar über Jahre gelebt hatte. Am Montag meldete sich die junge Frau nun bei dem Ermittler, der sie schon vergangene Woche vernommen hatte, um eine neue Aussage zu machen.

Die Freiburger Polizei geht davon aus, dass die Verhaftung von Bernhard H. ein Zufallstreffer der italienischen Polizei war. Die Beamten dort überprüften ein leerstehendes Haus – und stießen auf den per Haftbefehl Gesuchten. Er hatte einen Rucksack, diverse Handys und mehrere tausend Euro bei sich. Die Festnahme erfolgte laut Polizeisprecherin Laura Riske in dem Ort, an dem Bernhard H. und Maria H. auch die gemeinsame Wohnung hatten. Auch in den italienischen Medien war über den Fall berichtet worden – es könnte sein, dass der Tatverdächtige befürchtete "enttarnt" zu werden und deswegen die Wohnung verlassen hatte.

Maria H. machte in Freiburg auch Aussagen zur Art ihrer Beziehung. Die Polizei will sich aus ermittlungstaktischen Gründen dazu nicht äußern. Bernhard H. soll vernommen werden, wenn er bis in etwa vier Wochen nach Deutschland ausgeliefert sein wird. Ihm droht wegen Kindesentziehung und sexuellem Missbrauch eine mehrjährige Haftstrafe.