Mit dem E-Trotti durch Basel brausen

sda

Von sda

Mi, 05. September 2018

Basel

Seit Montag können die elektrisch angetriebenen City-Roller an vier Bahnhöfen gemietet werden.

BASEL (sda). Mit der Vermietung von Strom-Trottinetts will die Swisscom-Tochter Cablex in Basel mittelfristig Geld verdienen. Der Pilotversuch mit zunächst 50 sogenannten E-Trottis in fixen Ladeboxen an vier Bahnhöfen ist am Montag vorgestellt worden.

Das Modell mit fixen Garagenboxen (alias "ScooBox"), worin das E-Trotti aufgeladen wird und sicher ist, sei neu, sagte Cablex-Chef Daniel Binzegger vor den Medien. So sei Vandalismus zu vermeiden und so seien die Trottis besser fit zu halten als bei Modellen mit Parkplätzen im öffentlichen Raum, sagte Projektleiter Mirko Woetzel. Von den ersten Ibion-Trottiboxen stehen 22 in Basel, zwölf in Pratteln (Baselland) und sieben in Muttenz (Baselland). Weitere kommen dieser Tage am Badischen Bahnhof Basel noch dazu, und bis Ende Jahr sollen idealerweise 100 E-Trottis bereitstehen, sofern gute Boxen-Standorte zu haben sind. Zielpublikum sind Einheimische, Pendler und Touristen. Nutzen kann man die bis 20 Stundenkilometer schnellen Trottis mit Scheinwerfer und Scheibenbremsen seit Montag. Bezahlt wird per App oder Kreditkarte. Die erste Stunde ist als Test gratis; danach beträgt der Grundtarif samt erster halber Stunde einen Franken. Jede weitere Minute kostet tagsüber zehn Rappen, nachts einen Rappen. Weil die Miete bis zur Rückgabe in der Box läuft, ist das Modell indes etwa für Arbeitspendler wegen Standzeiten nicht ganz billig.

Die samt angebautem Schloss 15 Kilo schweren Trottis im Wert von je 1200 Franken haben eine Reichweite von etwa zehn Kilometern. Für diese Kategorie nicht nötig sind ein Helm oder ein Führerschein. Man darf damit auf Fahrradwegen und Straßen fahren, nicht jedoch auf Trottoirs. Reputationsrisiken durch Nutzerfehlverhalten will Ibion mit klaren, simplen Anleitungen vermeiden. Woetzel hofft auf den Ausbau mit weiteren Boxen-Standorten, sodass ein Modell mit günstigeren reinen Fahrtkosten möglich würde; auch Abos würden geprüft.

Im Visier hat das Unternehmen neben Firmen auch Gemeinden, welche die Infrastruktur und den Unterhalt bei Cablex/Ibion kaufen sollen. Das Geschäftsmodell der Ibion-E-Trottis baut demnach nicht auf reiner Werbung, sondern sie sollen ihren Alltagsnutzen beweisen, der lokal sehr unterschiedlich sei. Die Pilotprojektkosten beziffert Woetzel auf eine halbe Million Franken; er hofft, die Gewinnschwelle in rund zwei Jahren zu erreichen. Nutzerdaten stehen nicht im Vordergrund: Zwar werden die Trottis zur Diebstahlsicherung im Zehnminutentakt geortet, doch das lasse mangels Tracking keine Bewegungsanalyse zu.

Für Elektromobilitäts-Konzepte hatte die schweizweit tätige Cablex – eine 100-prozentige Swisscom-Tochter mit rund 1400 Angestellten – im Mai 2017 die Start-up-Tochter Ibion mit zehn Angestellten gegründet. Die SBB, die Bahnhofsflächen beisteuern, sind mit im Boot, weil sie ihrer Kundschaft die Tür-zu-Tür-Mobilität einfach gestalten wollen, wie SBB-Regionenleiter Michel Berchtold sagte. Sie seien interessiert an Erfahrungen mit neuen Konzepten.