Nabu fordert, die Mengen der Pflanzengifte offenzulegen

dpa

Von dpa

Do, 06. September 2018

Südwest

Landwirtschaftsministerium lehnt die von Naturschützern verlangte Transparenz ab und verweist auf die Grundwasserüberwachung.

STUTTGART (dpa). Das Land muss aus Sicht des Naturschutzbundes Nabu die Landwirte Baden-Württembergs dazu verpflichten, die Mengen an ausgebrachten Pflanzengiften zumindest anonymisiert offenzulegen. "Wir Bürger haben ein Recht darauf, zu erfahren, wie viel Gift auf unsere Äcker kommt", sagte Nabu-Landeschef Johannes Enssle in Stuttgart.

Die Daten gebe es, doch selbst in einem Naturschutzgebiet bekomme der Nabu keine Einsicht. Die Offenlegung von Daten sei "rechtlich nicht gedeckt", erklärte eine Sprecherin von Agrarminister Peter Hauk (CDU). Die Grundwasserüberwachung zeige seit Jahren einen Rückgang der Pflanzenschutzmittel-Rückstände.

Wenn die Landesregierung wie angekündigt im Rahmen ihres Sonderprogramms für Artenvielfalt Pestizide reduzieren wolle, sollte sie wissen, wie viel davon in Baden-Württemberg ausgebracht werden, sagte Enssle. Hauk hatte die Offenlegung der Daten zuletzt vehement abgelehnt: "Hochwertige Lebensmittel wachsen nun mal nicht ohne den Schutz vor Krankheiten und Schädlingen", sagte seine Sprecherin. Auch der ökologische Landbau setze Pflanzenschutzmittel ein.

Der Nabu forderte am Mittwoch erneut die Halbierung des Pestizideinsatzes bis 2025 und begründete das mit einem massiven Insektensterben. Mit den Insekten stürben auch die Vögel, so Enssle: "Die Bruterfolge der Vögel hängen unmittelbar vom Angebot an Insektennahrung für den Nachwuchs ab. Bleibt das aus, hungern vor allem Insektenfresser wie Schwalben, Segler und Fliegenschnäpper, aber auch alle Jungvögel." Enssle forderte eine Agrarwende und ein Insekten-Monitoring. "Insektizide vergiften die Insektenwelt und machen selbst vor Naturschutzgebieten nicht Halt. Herbizide rauben Wildbienen und Schmetterlingen die Nahrungsgrundlage."

Der Naturschutzbund Nabu hat jüngst in seinem Stammland Baden-Württemberg die Marke von 100 000 Mitgliedern geknackt. Der Landesverband Baden-Württemberg bleibt damit bundesweit der mitgliederstärkste.