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06. Juni 2012 19:25 Uhr

Schweiz – Italien

Felsabbruch: Gotthard-Bahnstrecke bleibt einen Monat lang gesperrt

Nach dem Felssturz muss die Bahnlinie über den Gotthard länger gesperrt bleiben als angenommen. Ein Monat lang geht nichts mehr. Geologen befürchten, dass noch gut 500 Kubikmeter Gestein herabstürzen könnten.

  1. Felsabbruch am Gotthard. Foto: dapd

  2. Felsabbruch am Gotthard. Foto: dapd

  3. Felsabbruch am Gotthard. Foto: dapd

  4. Felsabbruch am Gotthard. Foto: dapd

Bevor die Steinmassen weggeräumt werden können und die Strecke wieder frei gegeben werden kann, müssten die Felswände gesichert werden. Das sagte ein Sprecher der Schweizerische Bundesbahnen (SBB) am Mittwoch. Bis die Gleise repariert seien, dauere es mindestens vier Wochen. Am Dienstag war noch von 14 Tagen die Rede.

Grund für die lange Sperrung sei die unsichere Lage nach dem Felssturz: "Es drohen weitere Abbrüche", heißt es in einer Pressemitteilung. Mit einem Geo-Radar werde die Felswand in den kommenden Tagen überwacht. Größere Abbrüche seien in der Nacht auf Mittwoch nicht festgestellt worden, dennoch bleibe die Lage angespannt. Geologen befürchteten, dass noch gut 500 Kubikmeter vom Felsen herabstürzen könnten.

Vermisster ist vermutlich tot

Am Dienstag waren in Gurtnellen im Kanton Uri 2000 bis 3000 Kubikmeter Gestein auf die Gleise gestürzt. Das Stück war rund 50 bis 70 Meter breit und etwa 80 Meter hoch. Dabei wurden drei Männer verschüttet, die mit Sicherungsarbeiten an der Strecke beschäftigt waren. Zwei konnten verletzt geborgen werden, der dritte wird noch vermisst. Suchhunde hatten ihn der Basler Zeitung zufolge am Dienstag geortet, allerdings gehen die SBB nicht davon aus, dass der 29-Jährige den Felssturz überlebt haben könnte. Wann sein Leichnam geborgen werden kann, ist offen. Derzeit ist den Experten zufolge die Gefahr eines erneuten Felssturzes zu groß.

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Am Mittwoch begannen die SBB mit der Sicherung der Felswand. Dafür ließen sie oberhalb der Abbruchstelle den Wald roden. Sprengungen seien erst möglich, sobald über mehrere Tage kein Gestein mehr abgegangen ist, so die SBB. Erst dann könne der Fels gesichert werden. Danach würden Experten die Schienen frei räumen und die Gleise erneuern.

SBB-Geologe von Felssturz überrascht

Der Felssturz ereignete sich just an der Stelle, an der es bereits Anfang März zu einem Erdrutsch gekommen war. Dennoch betonte SBB-Geologe Marc Hauser am Mittwoch, die seinerzeit "eingeleiteten Felssicherungsmaßnahmen an der Abbruchstelle haben funktioniert". Mit diesem Abbruch habe niemand rechnen können. "Es gab keinerlei Anzeichen und Felsbewegungen, die auf ein Abbrechen hindeuteten."

Nach dem Steinschlag wurde der Bahnverkehr umgeleitet. Die Fernzüge zwischen Zürich oder Basel und dem Tessin sowie die internationalen Verbindungen zwischen Arth-Goldau und Göschenen waren unterbrochen. Die SBB richteten einen Ersatzverkehr mit Bussen ein, man müsste aber mit einer Verlängerung der Reise von 60 bis 90 Minuten rechnen.Vor allem am Wochenende könne sich die Lage wegen des zunehmenden Reiseverkehrs noch verschärfen.

Erheblich behindert wird durch den Felssturz zudem der Güterverkehr. Etwa ein dutzend Güterzüge standen jeweils in der Schweiz und in Deutschland still. Derzeit suchen die SBB nach Ausweichrouten via Österreich und Frankreich.



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Autor: Alexandra Sillgitt mit AFP


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