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06. März 2010

Oswald Metzger will es wissen

Die Oberbürgermeisterwahl in Ravensburg strahlt über die Stadt hinaus und bereitet den Christdemokraten ein wenig Sorgen.

  1. Will Oberbürgermeister in Oberschwaben werden: Oswald Metzger Foto: DPA

RAVENSBURG. Am Anfang waren die selbstbewussten Ravensburger fast ein bisschen beleidigt, weil sich die Bewerber nicht um die frei werdende Stelle des Oberbürgermeisters rissen. Jetzt haben sie die Qual der Wahl: Eine Frau und sechs Männer wollen am 14. März Oberhaupt der knapp 50 000 Einwohner zählenden Stadt in Oberschwaben werden.

Die Bewerberriege ist prominent besetzt, doch das bereitet der CDU in diesen Tagen eher Kopfschmerzen. Gleich drei Kandidaten haben das CDU-Parteibuch, lassen es aber tunlichst in der Tasche. Der Finanzexperte Oswald Metzger, 55, der Sigmaringer Bürgermeister Daniel Rapp, 37, und der Ravensburger Jurist Klaus Guggenberger, 58 (der 1980 in Freiburg gegen Amtsinhaber Rolf Böhme kandidierte), wollen nicht auf dem Parteiticket antreten, sondern betonen ihre Unabhängigkeit.

Und die CDU, in Oberschwaben seit Jahrzehnten die dominierende Partei, hält sich mit offiziellen Empfehlungen zurück. Die Vorsicht hat ihren Grund: Im nahen Weingarten verlor 2008 der CDU-Kandidat Markus Raab die OB-Wahl bereits im ersten Wahlgang gegen den parteilosen Markus Ewald. Raab wollte in Weingarten, bekannt durch seinen Blutritt, mit seinem Katholizismus punkten. Die Wahl gewann aber ein Protestant, der aus seiner Homosexualität keinen Hehl machte. In Friedrichshafen verpasste 2009 der Freie Wähler Andreas Brand den importierten CDU-Mann Peter Kienzle eine Niederlage.

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"Eine Mitgliedschaft in der CDU schadet in Oberschwaben zwar nicht", sagt der Tübinger Politikprofessor und Oberschwaben-Kenner Hans-Georg Wehling. "Doch von einem Oberbürgermeister erwarten die Bürger Distanz zur Partei." In Mittelstädten wie Ravensburg sei die Wahl des Oberbürgermeisters vor allem eine Persönlichkeitswahl. "Ein Stadtoberhaupt darf nicht abgehoben sein. Er muss mit den Leuten können."

Eine Blaupause gibt es in Ravensburg: Der beliebte Amtsinhaber Hermann Vogler, 65, ein "grüner Schwarzer", der nach 23 Jahren in den Ruhestand geht. Das Interesse an der Wahl ist nach einer so langen Amtszeit enorm: Zu den ersten beiden Podiumsdiskussion kamen fast 4000 Zuhörer.

Junger ehrgeiziger Bürgermeister oder erfahrener Finanzexperte?

Gut eine Woche vor dem ersten Wahlgang glauben die meisten Beobachter an einen Zweikampf zwischen Daniel Rapp und Oswald Metzger. Rapp verkauft sich sich als netter, sympathischer Bürgermeister, seine Aussagen bleiben aber stets etwas vage. Metzger präsentiert sich als akribisch vorbereiteter und leidenschaftlicher Politikprofi, der keine Antwort schuldig bleibt. Beide haben ein Handicap: Der ehemalige Grüne Metzger, seit 2008 Mitglied bei der CDU, muss gegen das Argument kämpfen, es gehe ihm nur um einen Posten, nach dem es mit dem CDU-Bundestagsmandat in den Wahlkreis Biberach und Bodensee nicht geklappt hat. Er wolle zurück zu seinen "kommunalpolitischen Wurzeln", erklärt Metzger seine Bewerbung. Vor seiner bundespolitischen Karriere war Metzger lange Mitglied im Gemeinderat in Bad Schussenried und im Kreistag von Biberach. Sein Mitstreiter Daniel Rapp muss erklären, warum er nach nur vier Jahren als Bürgermeister in Sigmaringen schon wieder wechseln will.

Die grüne Landtagsabgeordnete Brigitte Lösch hat es bislang nicht geschafft, sich jenseits der Parteibasis ein Standing zu verschaffen. Ihr Auftreten wirkt nervös. Die Ravensburger scheinen mit der burschikosen Stuttgarterin ohnehin nicht warm zu werden. Die restlichen vier Kandidaten gehören eher zur Kategorie politisches Leichtgewicht.

Inhaltliche Unterschiede sind kaum zu erkennen. Alle fechten für den Ausbau der B 30, die Elektrifizierung der Südbahn und die Konsolidierung des Etats. Auch Ravensburg, eine Stadt, der es lange Zeit blendend ging, muss sparen. Einig sind sich alle – auch die Kandidaten mit CDU-Zugehörigkeit – in der Kritik am dreigliedrigen Schulsystem. Ravensburg, die Heimat der Schulrebellen um Rektor Bosch, will eine Modellstadt für längeres gemeinsames Lernen werden; die Einführung der neuen Werkrealschule hat der Gemeinderat bereits einstimmig abgelehnt.

Strittigstes Thema ist das geplante Museum für die Kunstsammlung Selinka, das vielen Bürgern zu ambitioniert und zu teuer erscheint. Mit dem 2009 eröffneten Humpisquartier und dem an Pfingsten an den Start gehenden Museum der Ravensburger Spiele will die Oberschwaben-Metropole zur Museumsstadt werden. Der Unmut mag noch so groß sein. Klar ist aber auch: Der Bau wird nicht gestoppt.



Autor: Petra Kistler