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10. Februar 2012

Öffnung der Kaserne zum Rhein bleibt umstritten

Basler Politik lässt die Öffnung zum Rhein, erneut prüfen / Denkmalpflege und Tattoo-Produzent mobilisieren gegen das Vorhaben.

  1. Während die einen die seitliche Öffnung des Kasernen-Areal und der Abbruch des Zwischenbaus als Zwischenschritt sehen, ist er für andere die einzige Option. Foto: gra

BASEL. Die Entwicklung und die Öffnung des Kasernen-Areals in Kleinbasel sorgt weiter für Diskussionen. Der große Rat nun zwar den Weg frei gemacht für eine seitliche Öffnung; zugleich hat das Gremium aber einen Architekturwettbewerb und die Prüfung einer großzügigeren Öffnung zum Rhein hin in die Wege geleitet. Die Initiativen "Kulturstadt Jetzt" und "Öffnung zum Rhein" begrüßen das zwar; auf der anderen Seite lehnen der Heimatschutz, die Freiwillige Denkmalpflege und die Verantwortlichen des Basel Tattoo das ab. Sie wollen das Thema nun mittels Referendum vor die Wähler und Wählrinnen zu bringen.

Der Große Rat hat den Vorschlag der Regierung für ein schrittweises Vorgehen und den Beginn mit der seitlichen Öffnung als erster, kleiner Lösung samt dem dafür beantragten Kredit über knapp 5,3 Millionen Franken am Mittwoch zugestimmt. Damit werden der Abriss des Zwischenbaus am Klingentalweg, die Aufwertung dieses Wegleins und die Einrichtung eines Gastrobetrieb konkret und könnten bis 2014 umgesetzt werden. Parallel hat die Basler Politik ihrer Verwaltung indes auch den Auftrag erteilt, bis September einen Kreditantrag für einen Architekturwettbewerb zum Umbau des Kasernenhauptbaus sowie für die Ausarbeitung eines Bauprojekts vorzulegen. Dieses soll großzügigere Öffnungen und Durchgänge zwischen dem Kasernenhof und der Rheinpromenade prüfen. Das sei ein ein erster, wichtiger "Schritt zur Aufwertung des Areals", kommentiert die Initiative "Öffnung zum Rhein" die Entwicklung. Stimme der Große Rat im September auch diesem Kreditantrag zu, ziehe das Komitee seine Initiative für eine Volksabstimmung zurück.

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Während die Befürworter der großzügigen Öffnung die Entwicklung als "weitsichtigen Entscheid" begrüßen, kritisieren der Basler Heimatschutz, die Freiwillige Denkmalpflege und die Verantwortlichen des Basel Tattoo diese in einer Mitteilung als "politisch höchst fragwürdig". Die Verknüpfung der seitlichen Öffnung mit dem Projekt einer großzügigeren Öffnung widerspreche nicht nur den demokratischen Gepflogenheiten, vielmehr unterlaufe dieses Vorgehen das Einvernehmen, das die Regierung laut Erik Julliard mit ihm gehabt habe. Nach dessen Darstellung hatte die Regierung die Tattoo-Verantwortlichen gebeten, nicht gegen die seitliche Öffnung vorzugehen und dafür versprochen, dass diese – vorbehaltlich eines anders lautenden Volksentscheids – abschließend sei.

Seine Vorbehalte gegen die "großzügige" Öffnung begründet Juilliard vor allem mit den Konsequenten für sein Militärmusik-Festival; schließlich benötige das Tattoo die Kaserne nicht nur als Kulisse sondern auch als Lärmschutz gen Großbasel. Mit einer seitlichen Öffnung könne das Festival zwar notfalls noch leben, die Öffnung zu Rhein aber verunmögliche es praktisch – obwohl es aus dem Basler Kulturkalender nicht mehr wegzudenken sei und eine Wertschöpfung von über 20 Millionen Schweizer Franken für Basel generiere. Die Freiwillige Denkmalpflege und der Basler Heimatschutz bemängeln zudem, dass sie nie in die Abklärungen der kantonalen Bau- und Raumplanungskommission (BRK) einbezogen worden seien – obwohl ihre Petition für den Erhalt der Kaserne in der aktuellen Form mit rund 10 000 Unterschriften deutlich mehr Resonanz hatte als die Initiative für eine "großzügige" Öffnung des Kleinbasler Denkmals mit ihren rund 3000 Unterschriften.

Die nun aufgegleiste Verknüpfung der seitlichen Öffnung mit dem Wettbewerb versuche, die Öffnung zum Rhein hin quasi über die Hintertüre am Stimmvolk vorbeizubringen. Dies sei intransparent, politisch fragwürdig und undemokratisch kritisieren die Verbände.

Autor: Michael Baas