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12. Oktober 2017

Regio-Unis haben viel vor

Fünf Hochschulen am Oberrhein wollen zu einem europäischen Campus zusammenwachsen.

BRÜSSEL/FREIBURG. Die am Oberrhein im Modellprojekt Eucor zusammengeschlossenen fünf Universitäten aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz haben große Pläne. Sie wollen grenzüberschreitend zusammenrücken – und damit ein europäisches Vorbildprojekt werden.

Die Hochschulen wollen eine der mindestens 20 europäischen Universitäten werden, die Frankreichs Präsident Emmanuel Macron jüngst in seiner Europarede an der Pariser Sorbonne für das Jahr 2024 gefordert hat. Wenn möglich, wollen sie sogar die erste derartige Bildungseinrichtung werden. "Europäischer Campus" nennt sich schon jetzt selbstbewusst der Verbund von Uni Basel, Uni Freiburg, dem Karlsruher Institut für Technologie, der Université Haute-Alsace und der Uni Straßburg.

Am Mittwoch zog Eucor in Brüssel eine erste Bilanz der seit zwei Jahren geprobten grenzüberschreitenden Wissenschaftszusammenarbeit. Das Deckblatt der vorgelegten Werbebroschüre zieren fünf lachende Studenten aus aller Herren Länder. Doch so reibungslos, wie es sich die Beteiligten wünschen würden, läuft die Sache nicht. Der derzeitige Präsident von Eucor, der Freiburger Universitätsrektor Hans-Jochen Schiewer, forderte von der Politik "mehr rechtlichen Freiraum, um die Kooperation zu erleichtern." Auch die bislang streng national ausgerichteten Förderinstrumente seien ein Problem. "Unsere deutsche Exzellenzinitiative zum Beispiel richtet sich nur an deutsche Universitäten. Ich hätte so gern unsere europäischen Partner in die Bewerbung einbezogen, aber das ist nicht möglich. Mit ausschließlich nationaler Förderung lässt sich internationale Wissenschaftskooperation nur schwer realisieren", kritisierte der Rektor der Albert-Ludwigs-Universität.

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Studenten können Doppelabschlüsse erwerben

Der Badischen Zeitung sagte Schiewer: "Die Vorteile liegen auf der Hand. Die Studierenden werden mobiler. Sie können Doppelabschlüsse erwerben, sich Betreuer für ihre Doktorarbeit in drei Ländern suchen." Die beteiligten Universitäten könnten ihre finanziellen Mittel bündeln, sich in der technischen Ausstattung ergänzen und seien so attraktiver für junge Forscher. Bärbel Schäfer, Präsidentin des Regierungsbezirks Freiburg, ergänzte: "Wir setzen um, was Präsident Macron gefordert hat. Schön wäre gewesen, er hätte noch hinzugefügt: Und das alles gibt es schon, nämlich bei Eucor am Oberrhein."

Der drohende Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) und der damit verbundene Verlust der bedeutenden Wissensstandorte Oxford und Cambridge verstärkt in der Rest-EU die Bereitschaft zur Kooperation. In vielen Wissensbereichen laufen Asien und Amerika den Europäern den Rang ab.

Anne Sander, ostfranzösische Europaabgeordnete, erinnerte daran, dass 150 Millionen Europäer in Grenzregionen leben und mehr als zwei Millionen von ihnen täglich oder wöchentlich zur Arbeit in ein anderes EU-Land pendeln. "Eucor ist die erste echte europäische Universität", lobte sie. EU-Haushaltskommissar Günter Oettinger sagte für die nächste Finanzplanung ab 2020 seine Unterstützung zu – "natürlich im Rahmen unseres Haushaltsplanes". Oettinger regte an, nicht nur in nachbarschaftlichen Regionalkooperationen zu denken. "Es wäre spannend, wenn Sie in Bezug auf Warschau, Bukarest, Tallinn oder Vilnius prüfen würden, ob nicht auch dort ein Mehrwert für alle zu erreichen ist."

Autor: Daniela Weingärtner