Relevante Schätze der Vergangenheit

Annette Mahro

Von Annette Mahro

Do, 14. Juni 2018

Baselland

Ausstellung im Museum BL schlägt mit 50 bedeutenden Fundstücken aus dem Depot den Bogen über Archäologie im Kanton Baselland.

LIESTAL. Vom Faustkeil bis zum Ritterhelm reichen die Exponate, vom Münzschatz bis zur Schmiedeschlacke. Mit der Ausstellung "50 Jahre – 50 Funde" feiert das Museum BL in Liestal die Professionalisierung der Kantonsarchäologie, die 1968 mit einer ersten Anstellung startete. Im Europäischen Kulturerbejahr 2018 hat das Haus deshalb aus einer runden Million Fundstücke im Depot die 50 bedeutendsten zusammengestellt. "Wir wollten dabei aber nicht einfach schön sein, sondern vor allem relevant", erklärt Kurator Andreas Fischer die getroffene Auswahl.

Das älteste Stück ist der um die 300 000 Jahre alte Faustkeil von Pratteln, das bis heute älteste Werkzeug der Schweiz, das wertvollste die goldene und reich verzierte Filigranscheibenfibel von etwa 680 nach Christus, die 1991 bei Grabungen auf dem frühmittelalterlichen Friedhof von Aesch-Steinacker gefunden worden war. Zu den Highlights gehört für Fischer auch eine bronzene etwa acht Kilogramm schwere Brunnenfigur aus dem römischen Gutshof Munzach bei Liestal. Die Figur in Form eines etwas untypisch dargestellten Delfins gehörte zum Schmuck eines der prächtigen Höfe im Umkreis von Augusta Raurica und stammt wahrscheinlich aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus. Unter lokale Episoden buchen lassen sich zwei Glocken aus der Burgkapelle von Angenstein, die 1826 gegossen wurden, 1984 aber einem geheimnisvollen Diebstahl zum Opfer fielen und sich erst 2010 in einem Waldstück vergraben wiederfanden. Selbstverständlich darf auch der keltische Silbermünzenschatz von Füllinsdorf nicht fehlen, den die Kantonsarchäologie 2012 hob, nachdem ein Privatmann einzelne Münzen gefunden hatte. Mit 355 Silbermünzen gilt Füllinsdorf heute als der größte keltische Hort mit Edelmetallmünzen in der Schweiz, der nach Meinung der Forscher um 80 oder 70 vor Christus vergraben wurde. Da es zu keltischer Zeit keine Banken gab, sei es gar nicht so ungewöhnlich gewesen, Geld zum Schutz zu vergraben, erklärt Fischer.

Von einem weiteren Münzschatz, diesmal aus Gold, der einer Urkunde gemäß bereits 1448 beim Pflügen gefunden worden war, dann aber verschwand, fand möglicherweise ein Schüler 2003 in Pratteln eine einzelne Münze mit dem Bild des Kaisers Valentinian I. (um 321 bis 375) wieder. Auch sie ist jetzt in Liestal zu sehen. In ganz anderem Zusammenhang steht eine Schmiedeschlacke aus dem 9./10. Jahrhundert aus dem Röserntal. Bis ins 19. Jahrhundert wurden im Kanton Eisenerz und Kohle gefördert, ohne dass sich eine nennenswerte Industrie entwickelt hätte. Die Vorkommen waren nicht groß genug, wurden nach Bedarf dennoch ausgebeutet. Während in der Römerzeit noch beste Qualität importiert wurde, versiegte die Quelle später.

Ohne Diener konnte man sich nicht mal die Hände waschen

Und wurden in Zeiten der Knappheit etwa Waffen und Pflugscharen benötigt, gewann auch das lokale Erz wieder an Wert, wovon die Schlacke jetzt lokal relevant im Museum zeugt. Von der klassischen Archäologie weicht auch eine 40 Millionen Jahre alte Versteinerung von Tellerschnecken ab, die 1900 bei Lausen gefunden wurde. Zwar gehöre das Exponat in den Fachbereich der Paläontologie. "Wir haben aber keinen Kantonspaläontologen", erklärt Fischer, weshalb man sich am Rande auch mit diesem Gebiet befasse.

"50 Jahre – 50 Funde" ist chronologisch aufgebaut, die Besucher sind aber aufgerufen, sich völlig frei in der Ausstellung zu bewegen. Für Kinder gibt es zu einzelnen Exponaten kleine Schaukästen und einiges lässt sich auch anfassen. Besonders eindrucksvoll ist das bei einem bronzenen Handwaschgefäß von der Burg Scheidegg bei Gelterkingen, das bei einem Brand stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, aber noch einmal in einer 4,3 Kilogramm schweren Rekonstruktion gezeigt wird. Der Umstand, dass man sich damals ohne Hilfe eines Dieners nicht einmal die Hände habe waschen können, beeindrucke die Jüngsten erfahrungsgemäß immer, weiß der Kurator. Nicht nur Kindern kommt die Ausstellung aber entgegen. Sowohl die Texte im sehr übersichtlichen Katalog als auch auf den kurzen Beschriftungen im Saal sind unterhaltsam launig geschrieben, ohne den Wert der Exponate oder der Forschung unter den Scheffel zu stellen.

Info: "50 Jahre – 50 Funde", bis 14. Oktober, Di-So 10-17 Uhr, öffentliche Führungen bei freiem Eintritt: So 10./17./24. Juni 14-15 Uhr, Museum BL, Zeughausplatz 28