Mont-Blanc-Gebiet

Schlechtes Wetter könnte Absturz von Flieger aus Freiburg verursacht haben

Jürgen Schelling

Von Jürgen Schelling

Fr, 31. August 2018 um 13:39 Uhr

Freiburg

Das im Mont-Blanc-Gebiet abgestürzte Freiburger Flugzeug war eine Maschine, die es nur als Bausatz zu kaufen gibt. Man fliegt damit auf Sicht. Ob der Pilot in schlechtes Wetter geriet, wird noch ermittelt. Beide Insassen kamen beim Unfall ums Leben.

Ein zweisitziges Flugzeug, das am Flugplatz Freiburg stationiert war, ist am Mittwochabend im Montblanc-Gebiet abgestürzt. Ob die Maschine in schlechtes Wetter geriet, ein technischer Defekt vorkam oder der Pilot eine gesundheitliche Beeinträchtigung erlitt, versuchen jetzt die Ermittler der französischen Flugunfallkommission herausfinden. Da der Unfall über französischem Territorium stattfand, sind sie zuständig, auch wenn es sich um ein deutsch registriertes Flugzeug handelt.

Pilot aus Freiburg wählte Alpenstrecke

Laut italienischen Medien habe zum Unfallzeitpunkt schlechtes Wetter in der Absturzregion geherrscht, die nahe der italienisch-französischen Grenze liegt. Am Startflugplatz in Freiburg zog bereits am Mittwochnachmittag eine Schlechtwetterfront durch, die der laut Freiburger Polizei 53 Jahre alte deutsche Pilot und seine 34-jährige Passagierin, die Beide im Raum Freiburg lebten, anscheinend noch auf dem geplanten Flug in die Region Marseille abgewartet haben.

Falls der Pilot wie derzeit vermutet im Sichtflug in die Region Marseille fliegen wollte, wäre die gewählte Flugroute durch die Hochalpen angesichts nicht optimaler Wetterprognose nach Ansicht von Fachleuten eher unüblich. Denn im Hochgebirge muss immer mit ständigem Wetterwechsel und Turbulenzen gerechnet werden.

Eine Alternativroute für Sichtflieger führt von Freiburg durch das Rhonetal an Lyon vorbei nach Marseille und Südfrankreich. Der Vorteil ist, dass auf dieser Strecke keine Berge sind und die Sichtverhältnisse im Tal meist besser sind als im Hochgebirge, falls das Wetter sich plötzlich verschlechtern sollte. Bei geringerer Flughöhe besteht auch keine Gefahr, dass wie in den Hochalpen in Höhen über 3000 Meter die Sauerstoffversorgung durch die dünnere Luft nachlässt, falls die Insassen keine portablen Sauerstoffmasken mit an Bord haben.

Ob aber möglicherweise tatsächlich schlechtes Wetter mit zu dem Unfall beigetragen hat oder sogar die Ursache des Absturzes war, ist derzeit Gegenstand der Ermittlungen. Diese dauern meist mehrere Monate oder sogar über ein Jahr, bis ein Abschlussbericht vorgelegt wird.

Abgestürzte Marschine war eine RV-9

Bei der abgestürzten Maschine handelt es sich um einen Tiefdecker des Typs RV-9. Das Besondere an dieser zweisitzigen Propellermaschine ist, dass sie nicht als fertiges Flugzeug erworben werden kann. Es gibt sie lediglich als Bausatz beim US-amerikanischen Hersteller zu kaufen, sie muss dann eigenhändig aus Teilen zusammengesetzt werden. Die RV-9 ist trotz ihrer relativ geringen Motorleistung von 120 bis 160 PS mit einer Maximalgeschwindigkeit von über 300 Stundenkilometern sehr schnell. Allerdings darf in Deutschland mit Flugzeugen dieser sogenannten Experimental-Kategorie kein Instrumentenflug betrieben werden. Der Pilot muss also immer nach Sicht fliegen.