Steiniger Weg für die Fahrradstraße

Dennis Kalt

Von Dennis Kalt

Mi, 12. Dezember 2018

Bad Säckingen

Die Routenplanung wird zur "Quadratur des Kreises" / Förderbeiträge für das grenzüberschreitende Projekt stehen weiter in Aussicht.

STEIN/BAD SÄCKINGEN. Rund zwei Jahre hat der Gemeinderat von Stein geplant, diskutiert und sich über die Routenführung den Kopf zerbrochen. Trotzdem hat die Steiner Gemeindeversammlung von Freitagabend die grenzüberschreitende Fahrradstraße zurückgewiesen (die BZ berichtete). Doch Beat Käser, Gemeindeammann von Stein, blickt bereits nach vorne.

"Die Mehrheit hat entschieden. Jetzt heißt es, den Auftrag des Souveräns wahrzunehmen." Mit der direkten Verbindung – mit Anschluss an Novartis – wollen die Gemeinden Stein und Bad Säckingen die Lücke im Netz des öffentlichen Verkehrs zwischen ihren Bahnhöfen schließen. "Gar nicht begeistert" war Alexander Guhl, Bürgermeister von Bad Säckingen, als er davon erfuhr, dass die Steiner Gemeindeversammlung das "Leuchtturmprojekt" zurückgewiesen hat. "In der grenzübergreifenden Zweiradverbindung stecken viele Stunden der gemeinsamen Arbeit." Klar ist für Guhl, dass der Bad Säckinger Gemeinderat nur grünes Licht für den Bau des Projekts geben wird, wenn dies auch der Steiner Souverän tut. "Eine halbe Fahrradroute macht keinen Sinn bei einem Vorhaben, das unter dem Namen "Von Bahnhof zu Bahnhof" steht."

Mit dem Rückweisungsantrag an der Gemeindeversammlung hat der Souverän
in Stein klar formuliert, dass er keine Route möchte, die durch die Schulstraße führt. Dies wegen der Kollisionsgefahr zwischen Schülern und Radfahrern. Für Käser gleicht dieser Auftrag der Quadratur des Kreises. "Unabhängig wie die Veloroute verläuft, werden die Angestellten von Novartis mit dem Velo durch die Schulstraße fahren, weil dies der kürzeste Weg vom Steiner Bahnhof aus ist", sagt er. Um dies zu vermeiden, müsse man schon ein Fahrverbot für Velofahrer in der Schulstraße erlassen.

Dies halten sowohl Käser als auch Gemeinderat Hansruedi Schlatter, verantwortlich für Fragen des öffentlichen Verkehrs, für eine falsche Maßnahme. Eine Alternativ-Route vom Bahnhofzu Novartis, die etwa gleich lang wie über die Schulstraße ist und dem Rhein entlangführt, verwerfen Käser und Schlatter unisono. Dies, weil der Rheinuferweg im nächsten Jahr aufgewertet werden und der Bevölkerung als Naherholungsort dienen soll. Neben der Frage, wie die Alternativroute verlaufen soll, beschäftigt den Gemeinderat die Frage, was nun mit den Beiträgen der Gemeinschaftsinitiative Interreg passiert. Diese hatte der Gemeinde Stein nur wenige Tage vor der Gemeindeversammlung Subventionen von gut 100000 Franken für die Realisierung des grenzüberschreitenden Zweiradwegs zugesagt.

Freuen dürfte es die Steiner Exekutive dass die Förderbeiträge für das Projekt mit der Rückweisung der Gemeindeversammlung nicht einfach verfallen, wie Petra Vogel, Leiterin der Außenbeziehungen des Kantons Aargau, erklärt. "Allerdings muss das überarbeitete Projekt dem zuständigen Interreg-Gremium nochmals zur Zustimmung vorgelegt werden", schiebt sie nach. Erst mit dieser Zustimmung erfolge die definitive Zuweisung der Mittel zum Projekt.

In Gefahr, die Beiträge zu verlieren, läuft die Gemeinde unter anderem, wenn das Projekt eine so große Verzögerung erfährt, dass die Umsetzung innert des Programmzeitraums bis 2020 nicht mehr vernünftig erfolgen kann. Doch zum jetzigen Zeitpunkt ist gemäß Vogel für die Veloverbindung noch keine entsprechende Frist definiert.

Dennoch will der Gemeinderat keine Zeit verstreichen lassen. Bereits am Montagabend traf sich das Gremium, um Alternativen für die nächste Gemeindeversammlung auszuloten.