Angst

Mitglieder jüdischer Gemeinden im Südwesten fürchten um ihre Sicherheit

dpa

Von dpa

Do, 24. Mai 2018 um 21:56 Uhr

Südwest

Bitte keine Briefumschläge mit Davidstern: Das wünschen sich einige Mitglieder jüdischer Gemeinden im Südwesten. Das Sicherheitsgefühl hat gelitten – aus mehreren Gründen.

Mitglieder von jüdischen Gemeinden fürchten im Südwesten zunehmend um ihre Sicherheit. "Wir wissen von Schülern, die Angst haben, den jüdischen Religionsunterricht zu besuchen", sagte die Vorstandssprecherin der Israelitischen Religionsgemeinschaft (IRG) Württembergs, Barbara Traub.

Sie hätten Angst, sich als Juden zu erkennen zu geben, sagte Traub am Donnerstag bei einem Besuch von Innenminister Thomas Strobl (CDU) im Gemeindezentrum in Stuttgart.

"Das Sicherheitsgefühl der Mitglieder ist nicht so gut." Rami Suliman


Es habe in den vergangenen Jahren einige Vorfälle gegeben, die die Gemeindemitglieder verunsichert hätten. Der Vorsitzende der IRG Baden, Rami Suliman, berichtete von Mitgliedern, die keine Post mehr von der Gemeinde bekommen wollten mit einem Davidstern auf dem Kuvert. "Das Sicherheitsgefühl der Mitglieder ist nicht so gut."

Das Gemeindezentrum der IRG Württemberg in Stuttgart wird nach den Worten von Vorstandsmitglied Michael Kashi gerade auch unter Sicherheitsaspekten umgebaut. In den vergangenen Jahren seien viele Muslime nach Deutschland gekommen, die keinen Unterschied machten zwischen Juden und Israelis.

"Sie haben in ihren Ländern gelernt, dass Israelis ihre Feinde sind und man sie vernichten muss. Sie kommen nach Deutschland und meinen, Juden seien wie Israelis und man müsse sie irgendwie bekämpfen." Daher müsse die IRGW in Sicherheit investieren. "Wir hätten das Geld lieber gespart oder für andere Sachen ausgegeben. Aber wir müssen es machen", sagte Kashi.

Die Devise: Wehret jeglichen Anfängen

Kashi betonte, dass die Zusammenarbeit mit der Polizei gut sei. Doch die Beamten könnten nicht rund um die Uhr physisch anwesend sein. Deswegen gebe es im Gemeindezentrum in Stuttgart eigene Mitarbeiter, die sich um die Sicherheit kümmerten. Minister Strobl sagte, er trete dafür ein, dass sich jeder in diesem Land frei bewegen könne - egal, welchen religiösen Glauben ein Mensch hat. Für Antisemitismus dürfe es keinen Raum geben. Es gelte die Devise: Wehret jeglichen Anfängen.

Im Jahr 2016 gab es in Baden-Württemberg 95 antisemitische Straftaten - im vergangenen Jahr waren es nach Angaben des Innenministeriums 99 Taten. Die Israelitischen Religionsgemeinschaften Württemberg und Baden haben zusammen rund 8000 Mitglieder.