Bahnverkehr

TGV von Freiburg nach Paris hält ab Dezember nicht mehr in Müllheim

Nina Lipp

Von Nina Lipp

So, 26. August 2018 um 17:39 Uhr

Südwest

Der Sonntag Statt über Müllheim, Mulhouse und Dijon wird der TGV über Straßburg fahren. Die Abfahrtszeiten nach der Fahrplanänderung sind noch unbekannt – der Zug soll dann aber sieben Mal die Woche in Freiburg starten.

Wer mit dem Zug nach Paris reisen will, kann dafür bequem in Müllheim einsteigen. Ab Dezember, wenn der neue Fahrplan gilt, ist das nicht mehr möglich.

Was die Teilnehmer der nichtöffentlichen Fahrgastkonferenz längst ahnen, ist nun sicher: Der TGV, der seit 2013 von Freiburg aus einmal am Tag nach Paris und wieder zurück fährt, ändert mit dem Fahrplanwechsel auch seine Route: Statt über Müllheim, Mulhouse und Dijon fährt er über Straßburg nach Paris und zurück. Die genauen Abfahrtszeiten sind noch nicht bekannt, die Betreiberin des Zuges, die SNCF, kündigt aber an, dass er "wie bisher morgens in Freiburg startet und abends wieder zurückfährt" – und zwar ab Dezember an sieben Tagen der Woche.

Bis dahin fährt der französische Hochgeschwindigkeitszug nicht sonntags ab Freiburg, was daran liegt, dass er samstags nicht in Paris abfährt.

Große Freude in Müllheim 2015

Kein geringeres Musikstück als die Fanfarenklänge der Eurovisionsmelodie hatten die Müllheimer Stadtmusiker ausgewählt, als der TGV im Dezember 2015 auf seinem Weg von Freiburg nach Paris das erste Mal in Müllheim einen Stopp – Pardon: einen Passagierstopp – einlegte. Denn schon 2013 war die direkte Verbindung Freiburg-Paris auf deutscher Seite eingeweiht worden – allerdings hatten die Müllheimer davon nichts: Sie mussten zusehen, wie der TGV in Müllheim zwar einen Stopp einlegte – sie aber nicht ein- noch aussteigen konnten. Der Grund: Es handelte sich um einen sogenannten technischen Halt, weil der "Blauwal" genannte Regionalzug dem TGV vorausfährt, und der TGV warten muss, dass der Abschnitt freigegeben wird. Groß war dann die Freude bei Vertretern der Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz Markgräflerland (Agus), die sich dafür eingesetzt hatte, dass man nun auch aus Müllheim mit dem TGV nach Paris reisen konnte. Ein Argument, das die Betreiberin SNCF möglicherweise überzeugt hatte: In Müllheim und Umgebung sind französische Soldaten der Deutsch-französischen Brigade – also potenzielle Fahrgäste – stationiert. Der erwartete Fahrgastzuwachs hat sich aber offenbar nicht eingestellt.

Mit dem Fahrplanwechsel fährt der Zug über die im Juli 2016 in Betrieb genommene Neubaustrecke zwischen Straßburg und Paris. Damit, so die SNCF, "könne die Fahrzeit zwischen Freiburg und Paris deutlich verkürzt werden" – heute beträgt sie drei Stunden und vierzig Minuten. Durch die Fahrzeitverkürzung und "hoffentlich gute Anschlüsse", so die SNCF, "wird erwartet, dass sich die Reisezeit für Reisende aus Müllheim gegenüber der heutigen Verbindung zumindest unter der Woche nicht zu sehr verlängert." Für Reisende aus Bad Krozingen und Schallstadt kündigt die SNCF durch die neue Streckenführung unter der Woche sogar "gewisse Fahrzeitverkürzungen" an.

Unterhält man sich mit Detlef Schulz-Tavares von der Agus über die neue Strecke, spürt man sein tiefes Bedauern darüber, dass es den Müllheimer Halt bald nicht mehr geben wird. Er nutzt ihn regelmäßig, vor noch gar nicht so langer Zeit sei er mit seiner Frau von Müllheim nach Paris und von dort weiter nach Lissabon gereist.

Schulz-Tavares kennt die Gründe, warum es der TGV in Müllheim von Anfang an schwer hatte: Rund vier Wochen, bevor der Halt in Müllheim für Reisende freigegeben wurde, waren in Paris bei Terroranschlägen 130 Menschen getötet worden. Einen Tag später war im Elsass ein TGV von einer Brücke gestürzt.

Dazu kommt, dass es für deutsche Fahrgäste gar nicht so einfach ist, an ein Ticket zu kommen. Denn die Deutsche Bahn fühlt sich für den "Franzosenzug" nicht verantwortlich – er wird ausschließlich von der SNCF betrieben. Mit der Folge, dass man an den deutschen Fahrkartenautomaten keine Tickets bekommt. Und selbst für das deutsche Bahnpersonal am Schalter sei das französische Buchungssystem nur schwer zu durchschauen, so Schulz-Tavares.

Obendrauf punktet der Zug nicht mit Zuverlässigkeit: Verspätet er sich aus Paris kommend, kommt es vor, dass er schon in Mulhouse endet. Dass er nicht nach Müllheim kommt, erfährt man dort in solchen Fällen nicht. "Es gibt keine Anzeige, keine Durchsage, nichts", betont Detlef Schulz-Tavares. Ein Bus bringe die Reisenden dann zwar nach Müllheim und Freiburg. Wenn aber kein Zug in Freiburg ankommt, kann von dort auch keiner losfahren – das Problem der fehlenden Information wiederholt sich also am Folgetag.

Detlef Schulz-Tavares weiß sich zu helfen: Sein Französisch reicht aus, um die SNCF-App zu benutzen. Für die, die das nicht können, hat er – bis Dezember – einen anderen Tipp: Beim Stellwerk unweit des Müllheimer Bahnhofes könne man einfach nachfragen: "Kommt er oder kommt er nicht, der TGV?" Die Mitarbeiter dort wüssten Bescheid.