Tote bei Angriff in Straßburg

afp

Von afp

Mi, 12. Dezember 2018

Südwest

Frankreichs Behörden gehen nach Schüssen auf dem Weihnachtsmarkt von Terrorhintergrund aus.

STRASSBURG (AFP/BZ). Ein Schütze hat am Dienstagabend bei einem mutmaßlichen Terroranschlag auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt das Feuer eröffnet und mindestens zwei Menschen getötet. Elf weitere Menschen seien verletzt worden, hieß es. Soldaten hätten den Tatverdächtigen angeschossen, er habe sich daraufhin verschanzt. Der mutmaßliche Schütze war den französischen Behörden als potenzieller Gefährder bekannt.

Bei der Verfolgung des flüchtigen Verdächtigen sei es zu einem Feuergefecht bekommen, teilte die Polizei mit. Die sogenannte "Operation Sentinelle", die seit den Anschlägen vom Januar 2015 agiert, soll die Militäroperation im Straßburger Stadtteil Neudorf geleitet haben. Eine Patrouille habe den Angreifer getroffen, ihn aber nicht an der Flucht hindern können, teilte die Polizei weiter mit. Er habe sich "verschanzt". Die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft leitete noch am Abend eine Untersuchung wegen des Verdachts auf "Mord und Mordversuch im Zusammenhang mit einer terroristischen Unternehmung" ein.

Die Polizei kannte nach eigenen Angaben die Identität des Mannes. Für ihn war eine Gefährderakte – eine so genannte "Fiche S" – angelegt. Darin verzeichnen die Sicherheitsbehörden potenzielle Verdächtige wie etwa gewaltbereite Islamisten, von denen eine Gefahr für den Staat ausgehen könnte. Nach Angaben des Innenministeriums war der Mann auch wegen gewöhnlicher krimineller Delikte aktenkundig. Der französischsprachige Nachrichtensender BFMTV berichtete, dass der Täter 29 Jahre alt sein soll und in Straßburg geboren wurde.

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron schickte Innenminister Christophe Castaner in die elsässische Metropole. Castaner sprach zuvor von einem "ernsthaften Sicherheitsvorfall" und forderte die Bewohner in Straßburg auf, zu Hause zu bleiben.

Der Straßburger Weihnachtsmarkt ist einer der ältesten und größten in Europa. Er zieht viele Besucher in die elsässische Stadt. Er gilt seit längerem als potenzielles Ziel für eine Terrorangriff in Frankreich und wird deswegen verstärkt von Polizeikräften bewacht.

Nach den Schüssen riegelte die Polizei zeitweise Teile der Innenstadt und das Gebäude des Europäischen Parlaments in Straßburg ab. Dort finden in dieser Woche Plenarsitzungen des EU-Parlaments statt, hunderte Abgeordnete und ihre Mitarbeiter halten sich deshalb in der Stadt auf.

Die deutsche Bundespolizei Baden-Württemberg teilte am Dienstagabend auf Twitter mit, sie verstärke wegen des Großeinsatzes in Straßburg in diesem Bereich die Kontrollen an der deutsch-französischen Grenze. Die Bundespolizei war am Grenzübergang Kehl gemeinsam mit der Offenburger Polizei im Einsatz, der Straßenbahnverkehr über die Grenze wurde eingestellt.