Schlägerei im Zug

Vermisste Maria H. ist wieder daheim

Bernd Peters

Von Bernd Peters

So, 02. September 2018

Südwest

Der Sonntag Der Haftbefehl gegen ihren Begleiter bleibt bestehen.

Fast fünfeinhalb Jahre war sie weg: Die mittlerweile 18 Jahre alte Maria H. aus Freiburg ist seit Freitag wieder da. Die Polizei bestätigte am Freitag, dass es sich bei der überraschend aufgetauchten jungen Frau um die Vermisste handelte. Zuvor hatte Maria sich aus Mailand via Facebook bei ihrer Familie gemeldet, Freunde holten sie danach umgehend in Italien ab.

Der Fall des Teenagers, der mit einem alten Mann durchbrannte, hatte 2013 bundesweit für Schlagzeilen gesorgt: Maria hatte den 40 Jahre älteren Handwerker und ehemaligen Parteifunktionär der "Republikaner" Bernhard Haase aus Blomberg in Nordrhein-Westfalen als 12-Jährige in einem Chatroom für Kinder im Internet kennengelernt. Dort hatte der Mann sich als Bub namens "Karlchen" ausgegeben. Ein klassischer Fall von "Cyber Grooming", bei dem sich Pädophile im Netz mit falscher Identität an Kinder heranmachen. Eine ungleiche, heimliche Beziehung entspann sich, bis Haase aufflog und von seiner Ehefrau angezeigt wurde. Doch er und das Kind blieben in Kontakt und tauchten im Mai 2013 gemeinsam unter.

Die Spur verlor sich im Sommer 2013. Im polnischen Gorlice fand man den Skoda und den weißen Schäferhund Haases. Trotz zahlloser Hinweise, einer groß angelegten Suche im Internet und vieler Medienberichte blieben Haase und das Mädchen aber unauffindbar: 2016 aufgetauchte Fotos, die ihn und Maria angeblich in Spanien zeigten, erwiesen sich als Sackgasse, zuletzt erhielt die Polizei kaum noch Hinweise. Umso überraschender nun die Rückkehr der Verschwundenen am Freitag.

Wo Maria gesteckt hat, sei noch unklar, so Polizeispecher Jerry Clark. Auf den ersten Blick hätten die Ermittler den Eindruck, dass es der jungen Frau nicht schlecht gehe. Sie soll in der kommenden Woche vernommen werden. Über den Verbleib des mittlerweile 58 Jahre alten, per internationalem Haftbefehl gesuchten Bernhard Haase wisse man nichts.

Ihm falle spontan kein Fall ein, in welchem ein verschwundener Teenager nach so langer Zeit wieder wohlbehalten daheim aufgetaucht sei, so Clark weiter. Tatsächlich ist der Fall eine absolute Ausnahme: In Deutschland werden jährlich rund 100 000 Kinder vermisst gemeldet. Die allermeisten tauchen schnell wieder auf. Nur drei Prozent sind Experten zufolge mehr als ein Jahr weg. Maria ist eine von ihnen: 1944 Tage war sie verschwunden, schreibt ihre Mutter Monika Beisler in einer Facebook-Mitteilung an Freitag. Sie bittet darin "um Verständnis, dass wir und vor allem Maria etwas Zeit brauchen, bevor wir uns weiter äußern". Ihr Dank gilt den Medien und der Polizei im In- und Ausland für die Unterstützung. Es gebe an diesem Tag "keine glücklichere Familie als unsere", so die Freiburgerin. Bernd Peters