Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

06. August 2012 14:22 Uhr

Ortsnamen in Südbaden

Warum heißt Auggen Auggen?

Ob Sumpfohren oder Yach – in der Region gibt es viele kuriose Ortsnamen. Die BZ erklärt in ihrer Serie die Bedeutung der skurrilen Bezeichnungen. Heute: Auggen.

  1. Warum heißt Auggen Auggen? Foto: BZ/cmfotoworks/fotolia.com

Das Winzerdorf Auggen nahe Müllheim ist eine der ältesten Gemeinden im Markgräflerland. Schon im Jahr 752 taucht das Dorf in Urkunden erstmals als "Anghoma" auf. Doch altrömische Münzfunde lassen es wahrscheinlich erscheinen, dass Auggen bereits im ersten Jahrhundert nach Christus besiedelt war.

Mindestens ebenso erstaunlich wie die frühe Besiedelung Auggens sind seine unterschiedlichen Namen, die sich in Urkunden finden. Bei all den Variationen reibt man sich fürwahr die Augen. Eine Auswahl: Villa ougheim 1048, Oucheim 1155, Öcheim 1179, Oughen, Ouckein 1481, Auggenam, Aughen, Aucken und noch viele mehr*.

Ein solch üppiger Variantenreichtum an Namenschreibweisen öffnet dem findigen Namenforscher natürlich Tür und Tor. Eine zumindest im vorletzten Jahrhundert geläufige Herleitung begibt sich zunächst ins Reich der Zoologie. Aus unerfindlichen Gründen sei Auggen, so unkt man, der Ort, an dem sich Kröten aufhalten. Auggen auf gut Neudeutsch also Krötenheim? Das mittelhochdeutsche "uche", "ouke", "auk" – die Kröte – lässt zumindest lautsprachlich eine gewisse Verwandtschaft erkennen.

Werbung


Für wahrscheinlicher hält der Germanist Albert Krieger hingegen die Verbindung zu "Owe", Au, die Wiese also, "da ’w’ zwischen Vokalen vor Palatallaut gern zu ’g’ wird", wie der Sprachforscher befindet.

Vielleicht erinnert sich noch der eine oder andere an die Mittelalter-Folkgruppe "Ougenweide", die in diesem Zusammenhang noch genannt werden könnte. Das mittelhochdeutsche "Ouge" für Auge dürfte dabei auch für Auggen geradezu augenfällig sein. In puncto mittelalterlichem Minnesang kann Auggen überdies mit dem aus dem hiesigen Dorfadel stammenden Ritter und Minnesänger Brunwart von Augheim punkten, der im 13. Jahrhundert seine Liebeslieder vortrug.

Hingegen lassen die angesprochenen römischen Münzfunde natürlich auch eine sprachliche Verbindung mit dem römischen Kaiser Augustus vermuten, der in unserer Gegend als Namenspatron schon durch die alte Römerstadt Augusta Raurica bei Augst beziehungsweise Kaiseraugst zugange war.

Ob Krötenheim, Minnesang oder Cäsarenherrlichkeit – für eines ist Auggen zumindest auch heute noch bekannt: den Auggener Schäf. Denn der Weinbau wird in Auggen bereits seit der Zeit Karl des Großen betrieben.

Mehr zum Thema: *Ögheim 1184, Ouhem 1185, Ouken 1194, Ochen 1237, Ögheimer banne 1317, Öghein 1333, ze Oykein in dem dorf 1367

Autor: Hans Jürgen Kugler