Werke bedeutender Wissenschaftler leben neu auf

Richard Kaiser

Von Richard Kaiser

Fr, 07. Dezember 2018

Laufenburg

Alois Schmelzer und Franz Schwendemann tragen Interessantes zur Ausstellung "Der Hochrhein in historischen Landkarten" bei.

LAUFENBURG. Zur Ausstellung "Die Hochrheinregion in historischen Landkarten" im Museum Schiff in Laufenburg/Schweiz brachten Alois Schmelzer und Franz Schwendemann in Kurzvorträgen Werke bedeutender Wissenschaftler zum Vorschein.

In einem Bildvortrag befasste sich Schmelzer mit dem Schweizer Universalgelehrten, Arzt, Naturforscher, Physiko-Theologen und Kartographen Johann Jakob Scheuchzer (1672 bis 1733). Dessen 1712 erschienene Landkarte "Nova Helvetiae Tabula Geographica" war etliche Jahrzehnte die maßgebliche Schweizer Landeskarte. Schon 1694 hatte er die Rigi, den Pilatus und andere Voralpengipfel bestiegen und dabei als erster Wissenschaftler barometrische Höhenmessungen vorgenommen. Seine Handzeichnungen dienten als Vorlage für den Kupferstich der Nova Helvetiae Tabula Geographica aus vier Blättern, die zusammen 155 mal 112 Zentimeter groß waren. In der Folgezeit kam es immer wieder zu verbesserten Neuauflagen. So ist am Beispiel Säckingen zu ersehen, dass die Fridolinstadt in der Erstausgabe von 1712 nur rechtsrheinisch, in der Fassung von 1765 auf der damaligen Rheininsel lag, Auch der Brückenübergang von der Schweiz her wurde dargestellt.

Schmelzer steuerte zur historischen Landkartenausstellung vier Faksimile-Blätter der Scheuchzer-Karte bei, die er als Geschenk dem Museum Schiff vermachte. Das Museum war schon vorher in Besitz zweier Porträts von Wilhelm Rudolf und Johann Caspar Scheuchzer, die beide mit dem Universalgelehrten Johann Jakob Scheuchzer verwandt waren.

Franz Schwendemann befasste sich mit dem Wettlauf europäischer Mathematiker und Astronomen des 18. Jahrhunderts bei den Vermessungen für exakte Landkarten. Zwei gebürtige Italiener stehen für einen bedeutenden Schritt zur heutigen Kartographie. Es sind die Familiennamen Cassini (vier Generationen) und Marinoni.

Der Astronom Giovanni Domenico Cassini (1625 bis 1712) wurde vom französischen König Ludwig XIV. beauftragt, erste Vermessungen für die Herstellung einer Landeskarte in die Wege zu leiten. Wegen zahlreicher Kriege wurde das gigantische Projekt mehrfach unterbrochen, und erst 1744 konnte César Francois Cassini de Thury (Cassini III) die Frankreichkarte seines Großvaters und seines Vaters ergänzen und verbessern. Jean Dominique Compte de Cassini (Cassini IV) vervollkommnete 1748 die auf einer Triangulation beruhende Landesvermessung, die zur ersten wissenschaftlich vermessenen genauen Landeskarte führte. Doch erstreckte sich die Erstellung und Veröffentlichung der Einzelblätter bis 1818.

Anders entwickelte sich das Habsburg-Österreichische Vermessungswesen, das den Franzosen ob des mathematischen und astronomischen Wissens von Giovanni Jacobo de Marinoni (1676 bis 1755) zeitlich ein wenig voraus war. Marinoni promovierte an der Universität Wien und wurde in Wien zum Hofmathematiker ernannt. Mit kaiserlichem Patent vom 24. Dezember 1717 bewilligte Karl VI. auf Vorschlag Marinonis die Errichtung der ersten Akademie für militärische und zivile Ingenieure in den Erblanden und ernannte den Antragsteller zum ersten Direktor der Akademie.

1719 berief der Gouverneur des damals österreichischen Mailands Marinoni in die Lombardei, um dort zur Steuererhebung ein Liegenschaftskataster einzurichten, für das ein topographisches Kartenwerk benötigt wurde. Die Vermessungsarbeiten begannen 1721. Zahlreiche Männer hatten mehr als 19 000 Quadratkilometer aufzumessen. 1729 war die Karte des Staates Mailand, bestehend aus 16 großen Blättern im Maßstab 1:72 000, fertiggestellt.

Ausstellung: Die Jahresausstellung "Die Hochrheinregion in historischen Landkarten" im Museum Schiff in Laufenburg/Schweiz ist bis einschließlich Sonntag, 6. Januar 2019, jeweils mittwochs von 14 bis 16 Uhr
sowie samstags und sonntags in der Zeit von 14 bis 17 Uhr geöffnet.