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09. Juli 2010 15:49 Uhr
Katholische Kirche
Zollitsch räumt persönliche Fehler im Missbrauchsskandal ein
Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch hat persönliche Fehler im Missbrauchsskandal eingeräumt – und die Opfer um Verzeihung gebeten. Insgesamt stehen mehr als 40 Mitarbeiter des Erzbistums Freiburg unter Missbrauchsverdacht.
Zollitsch, der Vorsitzender der katholischen deutschen Bischofskonferenz ist, räumte am Freitag ein, dass das Erzbistum früher als bisher bekannt von Missbrauchsfällen in Oberharmersbach erfahren habe: Als damaliger Personalreferent hätte er den Hinweisen schon 1992 mit größerem Nachdruck nachgehen und intensiver nach weiteren Opfern und das Gespräch mit Zeugen suchen sollen.
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Inzwischen sei auch nicht mehr auszuschließen, dass es mehr seien, sagte ein Sprecher auf Nachfrage. Zollitsch zeigte sich schockiert über das Ausmaß des Missbrauchskandals in Oberharmersbach: "Damals war uns allen nicht bewusst, wie groß die Zahl der Betroffenen in der Gemeinde ist."
Zollitsch bedauerte auch eine Stellungnahme des Erzbistums vom März 2010: Das Ordinariat sei irrtümlich zunächst davon ausgegangen, es habe erst 1995 einen Hinweis auf Missbrauch in Oberharmersbach gegeben. Zollitsch hatte im März gegen ihn erhobene Vertuschungsvorwürfe zurückgewiesen.
Im ersten Halbjahr 2010 sind dem Erzbistum Freiburg Hinweise und Missbrauchsvorwürfe gegen 44 Priester, Ordensleute und kirchliche Mitarbeiter aus den Jahren 1950 bis 2000 bekanntgeworden. In vier Fällen betreffen die Vorwürfe Ordenspriester, jeweils zweimal werden Ordensbrüder beziehungsweise Erzieher im Dienst der Erzdiözese beschuldigt. Von den beschuldigten 36 Diözesanpriestern seien 16 gestorben, 12 im Ruhestand. 4 Priester seien zur Zeit beurlaubt, 2 Anzeigen würden derzeit geprüft, 2 weitere Hinweise ließen sich bislang nicht einer Person zuordnen. In 10 Fällen sei die Staatsanwaltschaft eingeschaltet worden.
Gegen Zollitsch selbst ermittelt seit Anfang Juni die Staatsanwaltschaft Konstanz wegen des Verdachts der Beihilfe zum sexuellem Kindesmissbrauch. Es geht um Vorfälle in Birnau am Bodensee zu der Zeit, als Zollitsch Personalreferent des Erzbistums Freiburg war. Nach Ansicht der Erzdiözese entbehrt der Vorwurf jeder Grundlage.
Autor: dpa
