Zweifel am Ausbau der Ganztagesschule

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Von dpa

Di, 13. Februar 2018

Südwest

Eisenmann zu Koalitionsplänen.

STUTTGART (dpa). Für Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) ist das von Union und SPD in ihrem Koalitionsprogramm vorgesehene Ausbauprogramm für den Ganztagesunterricht an Grundschulen mit vielen Fragezeichen versehen. "Der Bund muss vor allem erklären, wie der Rechtsanspruch auf einen Platz an einer Ganztagesschule umgesetzt werden soll", sagte Eisenmann in Stuttgart. Viele konkrete Fragen seien noch unbeantwortet. "Ich bekenne mich zu einer gehörigen Portion Skepsis."

Den Rechtsanspruch für alle Grundschüler bis 2025 anzuvisieren, sei ein ambitioniertes Ziel. "Das in der gebotenen Qualität gewährleisten zu können, ist eine riesengroße organisatorische und finanzielle Herausforderung." Und der Weg dahin sei noch unklar. Das beginne schon mit dem Begriff Ganztagesschule: Dieser umfasse sowohl die gebundene Form mit über den Tag verteilten Phasen der An- und Entspannung als auch die auf die individuellen Wünsche der Eltern zugeschnittene Betreuung am Nachmittag. Je nachdem seien Fragen nach möglicher Mitfinanzierung von Ländern und Kommunen und nach zusätzlichen Lehrkräften und Erziehern zu beantworten. Es sei zu hoffen, dass die auf zwei Milliarden Euro für 16 Bundesländer angesetzte Finanzierung zum Konzept des Bundes passe.

Eisenmann sieht keinen großen Bedarf

Im Südwesten werde der Ganztag so ausgebaut, wie er von den Schulgemeinschaften beantragt werde. "Wir bremsen den Ausbau nicht." Baden-Württemberg hat nach Berechnungen der Bertelsmann-Stiftung eine Quote von 23,7 Prozent der Schüler (Schuljahr 2015/16) im gebundenen Ganztag und liegt damit bundesweit auf dem vorletzten Platz. Eisenmann sieht die Erhebung kritisch und betonte, der Bedarf an dieser Form des Ganztages sei im ländlich strukturierten Baden-Württemberg nicht sehr stark ausgeprägt.

Ein bedarfsgerechter und qualitativ hochwertiger Ausbau der Ganztagesschulen sei aber ein zentrales Ziel, erklärte Eisenmann. Die Wahrnehmung, das Land hinke beim Ausbau im Bundesvergleich hinterher, sei falsch. Es gebe kaum einen Schulstandort im Südwesten, der nicht flexible Angebote bereitstelle. "Wir tun gut daran, die Eltern nicht zwangsbeglücken zu wollen."