Zwischen lebenslang und Freispruch

sda

Von sda

Mi, 12. Dezember 2018

Basel

Im Prozess vor dem Basler Strafgericht gegen einen 42-Jährigen sind die Plädoyers gehalten.

BASEL (sda). Wegen mehrfachen und versuchten Mordes will die baselstädtische Staatsanwaltschaft einen heute 42-Jährigen lebenslänglich hinter Gitter bringen. Die Verteidigung plädierte hingegen auf Freispruch, da keinerlei Beweise vorlägen und er die Tat abstreite.

Der Angeklagte hatte sich im März 2017 einen Tag nach einer Bluttat in einem Kleinbasler Lokal gestellt, in dem zwei Männer erschossen und ein dritter schwer verletzt worden waren. Die Brutalität und die Vorgeschichte der vorbestraften Beteiligten ließen rasch einen Drogendealer-Hintergrund vermuten. Der Angeklagte widerrief jedoch drei Tage später sein Geständnis und sagte, er habe mit der falschen Selbstbeschuldigung einen älteren und so ranghöheren Verwandten geschützt. Dabei blieb er auch vor dem fünfköpfigen Strafgericht. Den Namen des angeblich richtigen Täters, den er als Freund Cousin bezeichnete, nannte er weiterhin nicht.

Für den Staatsanwalt ist der Widerruf des Geständnisses eine Finte. Der Angeklagte habe in seinen Aussagen "Täterwissen" bewiesen. Trotz oft vagen Angaben sei die "Indizienkette" samt Videos klar – und falls doch ein anderer geschossen hätte, sei er mit gemeinsamem Willen und aktiv beteiligt auch verantwortlich. Der Verteidiger erklärte das Auf-sich-Nehmen von Schuld für einen älteren Blutsverwandten als kulturell plausibles Motiv für das falsche Geständnis. Das angebliche Täterwissen sei bloß gut geraten und gut instruiert durch Verwandte. Das Überwachungsvideo sei völlig unscharf und erlaube keine Identifikation. Das Urteil wird am Donnerstagnachmittag bekannt gegeben.