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15. Juni 2009 08:51 Uhr

Bio-Supermarkt

Alnatura bietet alles – und damit zu viel?

Fertigpizzen und Tütensuppen – das Sortiment des Biosupermarkts Alnatura unterscheidet sich kaum von dem des konventionellen Handels. Der in Freiburg geborene Alnatura-Gründer Götz Rehn sieht darin keinen Widerspruch.

  1. Alnatura-Gründer Götz Rehn verteidigt das umfassende Sortiment seiner Bio-Kette. Foto: Alnatura

FREIBURG. Von der Finanzkrise ist bei Alnatura nichts zu spüren. Das vor 25 Jahren gegründete Unternehmen wächst Rehn zufolge zweistellig. Im Geschäftsjahr 2007/2008 erwirtschafteten die etwa 1200 Mitarbeiter einen Umsatz von 304 Millionen Euro – knapp ein Viertel mehr als im Vorjahr. Angaben zum Gewinn macht das Unternehmen nicht. Alle zwei Wochen wird derzeit ein neuer Laden eröffnet. In ganz Deutschland gibt es 46 Alnatura-Märkte, zwei davon in Freiburg. Immer mehr Menschen schätzen Lebensmittel in Bioqualität – zumal, wenn sie wie bei Alnatura vergleichsweise preiswert angeboten werden. Möglich wird dies durch Alnatura-Eigenmarken, die inzwischen – analog zum konventionellen Handel – beim Bioladen-Marktführer viele Markenprodukte aus den Regalen gedrängt haben. Da diese auch bei Alnatura-Kooperationspartnern wie dem Drogeriemarkt dm angeboten werden, sinkt durch die größere Stückzahl der Preis.

Die Eigenmarken-Produkte erfüllen zumeist nur die Kriterien des sechseckigen EU-Biosiegels und nicht die – deutlich strengeren – Anforderungen von Verbänden wie Demeter oder Bioland. Außerdem sucht der Kunde den Hinweis auf den Herkunftsort dieser Waren meist vergeblich. Zukünftig möchte die Biosupermarktkette hier aber mehr Transparenz schaffen, verspricht Rehn.

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Angeboten wird bei Alnatura alles, was sich der Kunde wünsche. Wenn Bioschokoküsse oder Modegetränke wie Smoothies gefragt seien, nehme Alnatura diese Produkte ins Sortiment auf, sagt Rehn. Schließlich seien die Motive der Kunden, überhaupt in einem Biosupermarkt einzukaufen, nicht über einen Kamm zu scheren. Die einen wollen die nachhaltige Landwirtschaft fördern, andere möchten ihre Kinder gesund ernähren, viele finden Bioprodukte schlicht und ergreifend leckerer. "Das ist alles in Ordnung", sagt Rehn. Alnatura wolle die Menschen nicht erziehen. "Das ist nicht unsere Aufgabe." Deshalb umfasse das Angebot auch Produkte aus weit entfernten Ländern, die einen langen Transportweg hinter sich haben. "Jeder muss selbst entscheiden, ob er das kaufen will oder nicht", sagt Rehn. Ein schlechtes Gewissen, diese Lebensmittel anzubieten, hat der 59-Jährige nicht. Im Gegenteil: Die Frühkartoffeln aus Ägypten stammten beispielsweise aus einem Anbauprojekt, das vielen Menschen Arbeit gebe und inzwischen 70 Prozent seiner Waren im eigenen Land verkaufe. Rehn sagt: "Ohne uns gäbe es diese Arbeitsplätze gar nicht."

Ziel von Alnatura sei es aber vor allem, die ökologische Landwirtschaft in Deutschland auszubauen, sagt Rehn. Nachhaltigkeit umfasse bei Alnatura außerdem nicht nur die angebotenen Produkte. Die Biosupermärkte seien beispielsweise auch umweltfreundlich eingerichtet, mit viel Holz und Naturfliesen.

Marketing, Standortkonzepte, Wachstumsziele: Dies alles sind laut Rehn Fremdwörter in der Alnatura-Zentrale im hessischen Bickenbach nahe Darmstadt. Wo und wie viele neue Alnatura-Märkte zukünftig noch entstehen werden, hänge vom Bedarf ab, sagt Rehn: "Wir bauen da, wo die Kunden uns wollen." Wenn der entsprechende Menschenschlag vorhanden sei, eröffne Alnatura auch Läden in kleineren Gemeinden. Insgesamt konzentriert sich das Unternehmen aber auf größere Städte.

Autor: Beate Beule