Anleger zeigen Gold die kalte Schulter

Rolf Obertreis

Von Rolf Obertreis

Mi, 14. Februar 2018

Wirtschaft

Obwohl der Aktienmarkt stark schwankt, geht der Preis des Edelmetalls kaum nach oben.

FRANKFURT. In Pyeongchang bei den Olympischen Winterspielen sammeln die deutschen Sportler fleißig Goldmedaillen. Eigentlich sollte das Edelmetall auch hierzulande in diesen Tagen wieder hoch im Kurs stehen. Nicht weil es um Sieger geht. Im Gegenteil: Es geht um Verlierer. Die finden sich seit vergangener Woche am Aktienmarkt. In solchen Zeiten kaufen Anleger gerne Gold. Das Edelmetall gilt als Krisenwährung. Aber davon ist in diesen Tagen nichts zu sehen. Der Goldpreis ist nur leicht gestiegen und mit rund 1330 Dollar pro Feinunze (31,1 Gramm) weit von seinem Rekordhoch im September 2011 entfernt. Damals kostete die Feinunze fast 1900 Dollar.

Institutionelle Investoren wollen Gold

Experten sehen dafür vor allem einen Grund. Am Aktienmarkt habe es zwar eine deutliche Korrektur gegeben. Mehr aber nicht. "Wir haben bislang keine Panik am Markt, nichts, was groß genug wäre, um in Gold fliehen zu müssen", sagt Nico Baumbach von Hansainvest.

Es gibt einen zweiten Grund für die verhaltende Reaktion des Goldpreises: die langsam steigenden langfristigen Zinsen. Sie sind zwar immer noch niedrig und bewegen sich auch bei Bundesanleihen unterhalb der Prozentschwelle. Damit liegen sie real, also nach Abzug der Inflationsrate, immer noch im negativen Bereich. Aber in den USA hat die Zinswende längst eingesetzt. Die Notenbank Fed hat den Leitzins bereits mehrfach erhöht und wird ihn in diesem Jahr weiter anheben. Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte sich dagegen mit einer ersten Zinserhöhung Experten zufolge noch bis 2019 Zeit lassen. Aber der Trend zeigt nach oben, Hypothekenzinsen steigen derzeit wieder leicht.

Steigende Zinsen sind tendenziell aber schlecht für Gold. Denn Anleihen werden als Alternative wieder interessanter, weil sie Zinsen abwerfen (werden), heißt es etwa bei der Commerzbank. Gold hat einen entscheidenden Nachteil: Es gibt weder Zinsen noch Dividenden. Anleger können allein auf steigende Preise hoffen oder darauf, dass er zumindest stabil bleibt.

Auch in diesem Jahr sind nach Meinung von Experten keine großen Sprünge zu erwarten. Mitarbeiter des Edelmetall-Händlers Heraeus rechnen mit einem Anstieg auf maximal 1375 Dollar je Feinunze. Es könnten am Ende aber auch nur 1175 Dollar sein. Anders sieht es aus, wenn es zu politischen Krisen kommt.

Generell steht Gold bei Privatanlegern weiter hoch im Kurs. Degussa-Goldhandel verzeichnete im Dezember eine starke Nachfrage, als der Preis etwas nach unten zeigte. Beliebt waren, offenbar auch als Weihnachtsgeschenk, Krügerrand-Goldmünzen und 100-Gramm-Barren, sagt Geschäftsführer Wolfgang Wrzesniok-Roßbach.

Auch die Deutsche Börse erlebte 2017 eine hohe Nachfrage nach Gold. Sie bietet das Edelmetall über die Inhaberschuldverschreibung Xetra-Gold an. Sie unterlegt die verkauften Anteile mit realen Goldbarren. Im Insolvenzfall kann dann auf diese Barren zurückgegriffen werden. Der Bestand erhöhte sich 2017 um 57 Tonnen auf den Rekordwert von 175 Tonnen zum Jahresende. "Der Anstieg liegt vor allem an der hohen Nachfrage von institutionellen Investoren", sagt der zuständige Geschäftsführer Michael König. "Allerdings zeigen auch immer mehr Vermögensverwalter, Family Offices und Privatanleger Interesse an Gold als Anlageklasse".

Weltweit größter Goldkäufer war 2017 nach Angaben des World Gold Council die russische Zentralbank. Sie erwarb 223 Tonnen und erhöhte ihren Bestand auf 1838 Tonnen. Ähnlich viel Gold hält China. Deutschland hat über die Bundesbank mit 3374 Tonnen die zweithöchsten Goldreserven der Welt. An der Spitze stehen die USA mit 8133 Tonnen.