Arbeitsdruck und Überstunden belasten Azubis

dpa

Von dpa

Di, 04. September 2018

Wirtschaft

Aber 70 Prozent sind zufrieden.

BERLIN (dpa). Regelmäßige Überstunden und ständige Erreichbarkeit setzen einer Umfrage zufolge Hunderttausende Auszubildende in Deutschland unter Druck. Zwar ist mit 70,2 Prozent die große Mehrheit der Azubis mit ihrer Lehre zufrieden, doch ist dies der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebungen vor 13 Jahren. Das geht aus dem Ausbildungsreport 2018 der Jugend-Abteilung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) hervor, der am Montag in Berlin vorgestellt wurde.

Mehr als ein Drittel der knapp 15 000 Befragten musste nach eigenen Angaben regelmäßig Überstunden leisten (36,3 Prozent) – wobei 13 Prozent die Mehrarbeit weder bezahlt noch zeitlich ausgeglichen bekamen. Von 54,4 Prozent wurde erwartet, außerhalb der Ausbildungszeiten mobil erreichbar zu sein. Viele Azubis klagten über Schichtarbeit ohne zusammenhängendes Wochenende oder mangelnde Zeit für die Prüfungsvorbereitung, wie DGB-Ausbildungsexperte Daniel Gimpel sagte. Bei jedem Dritten fehle der gesetzlich vorgeschriebene Ausbildungsplan. Probleme gebe es vor allem bei kleineren Betrieben und im Handwerk. Laut DGB-Report bewerten angehende Hotelfachleute, zahnmedizinische Fachangestellte, Einzelhändler, Tischler und Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk ihre Ausbildung überdurchschnittlich schlecht. Besonders gute Noten vergaben angehende Verwaltungsfachangestellte, Mechatroniker, Industriemechaniker und Elektroniker für Betriebstechnik. Verbessert habe sich die Situation bei Kochlehrlingen.

DGB-Vize Elke Hannack forderte die Bundesregierung auf, die angekündigte Novelle des Berufsbildungsgesetzes auf den Weg zu bringen. Nötig sei unter anderem eine Mindestvergütung (im ersten Ausbildungsjahr mindestens 635 Euro im Monat). Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) unterstrich, dass die meisten Jugendlichen mit ihrer Lehre zufrieden seien. Zu Überstunden, Schichtarbeit oder Erreichbarkeit sagte DIHK-Vize Hauptgeschäftsführer Achim Dercks: "Eine Ausbildung führt an das Berufsleben heran." Kein Gastwirt oder Hotelier könne es sich leisten, um 18 Uhr sein Haus zu schließen.