Arbeitsmarkt ist nach wie vor gespalten

dpa

Von dpa

Mi, 22. August 2018

Wirtschaft

Ostdeutsche arbeiten länger und verdienen weniger.

BERLIN (dpa). Für die Beschäftigten im vereinten Deutschland ist der Arbeitsmarkt immer noch geteilt: In den neuen Ländern mit Berlin wird im Schnitt weiterhin länger gearbeitet als im Westen – 67 Stunden mehr waren es im vergangenen Jahr. Zugleich lagen die Jahreslöhne in den alten Ländern im Schnitt um fast 5000 Euro höher als im Osten.

Das ergeben Daten der Statistischen Ämter von Bund und Ländern, die die Linke-Bundestagsfraktion ausgewertet hat. Dabei gibt es über die Jahre durchaus eine Annäherung. Aus Expertensicht sind regionale Unterschiede nicht ganz auszugleichen.

In den alten Ländern leisteten Arbeitnehmer im vergangenen Jahr im Schnitt 1279 Stunden. Im Osten einschließlich Berlins waren es 1346 Stunden. Am längsten gearbeitet wurde in Thüringen mit 1371 Stunden. Es folgen Sachsen-Anhalt mit 1362 und Mecklenburg-Vorpommern mit 1353 Stunden je Arbeitnehmer. Am wenigsten waren es in Nordrhein-Westfalen (1261 Stunden), im Saarland (1259) und in Rheinland-Pfalz (1255).

Linke-Sozialexpertin übt scharfe Kritik

Dem steht weiter ein Vorsprung West bei der Bezahlung gegenüber. In den alten Ländern lagen die Jahres-Bruttolöhne je Arbeitnehmer 2017 mit 35 084 Euro höher als in den neuen Ländern mit 30 172 Euro. Bundesweit Spitze war Hamburg mit 40 771 Euro, gefolgt von Hessen (37 832 Euro) und Baden-Württemberg (36 786 Euro). Am wenigsten verdienten Arbeitnehmer in Mecklenburg-Vorpommern (27 520 Euro), davor lagen Sachsen-Anhalt (28 607 Euro) und Brandenburg (28 715 Euro). Die Linke-Sozialexpertin Sabine Zimmermann sagte: "Die Bundesregierung hat sich offensichtlich mit einem Sonderarbeitsmarkt Ost abgefunden. Das ist nicht akzeptabel."

Wochenarbeitszeiten von 40 Stunden hatten im Westen noch acht Prozent der Tarifbeschäftigten, im Osten aber 40 Prozent, wie das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung ermittelte.