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26. Juni 2012
Auch Zypern ruft nach Hilfe
Ein weiteres Euroland flieht unter den Rettungsschirm / Banken sind mit Griechenland verwoben.
ATHEN/NIKOSIA. Die Republik Zypern hat Montagabend angekündigt, dass sie Finanzhilfen der EU beantragen wird. Grund seien die Auswirkungen der Griechenlandkrise. Die Volkswirtschaften der beiden Nachbarländer sind eng verflochten. Vor allem zyprische Banken sind stark auf dem griechischen Markt engagiert und müssen wegen der Verluste beim griechischen Schuldenschnitt mit Milliarden rekapitalisiert werden.
Die Regierung von Staatspräsident Dimitris Christofias hatte die Flucht unter den Euro-Rettungsschirm bis zuletzt zu vermeiden versucht – wegen der damit verbundenen Auflagen. Zypern verhandelte deshalb über bilaterale Kredite, dem Vernehmen nach mit Russland ebenso wie mit China. Nachdem am Montagmorgen die Ratingagentur Fitch jedoch Zyperns Bonitätsnote von BBB- auf BB+ herabgesetzt und das Land damit auf Ramschniveau heruntergestuft hatte, blieb der Regierung offenbar keine andere Wahl. Staatschef Dimitris Christofias berief für den heutigen Dienstag ein Krisentreffen aller Spitzenpolitiker ein.
Die Finanzlage der Inselrepublik, die 2004 der EU beitrat und 2008 den Euro einführte, ist prekär. Schon seit dem Mai 2011 ist Zypern wegen seiner schlechten Kreditwürdigkeit praktisch von den Finanzmärkten ausgeschlossen. Ende 2011 besorgte Staatspräsident Dimitris Christofias, ein zu Sowjetzeiten in Moskau geschulter Kommunist, einen russischen Rettungskredit über 2,5 Milliarden Euro. Das Geld sollte bis Ende 2012 reichen. Aber jetzt tut sich ein neues Loch auf: Zypern braucht sofort 1,8 Milliarden Euro für die Rekapitalisierung der Laiki Bank, die sich mit griechischen Staatsanleihen verhoben hatte. Die Summe entspricht zehn Prozent des zyprischen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die Zeit drängt: Bis zum Samstag, dem 30. Juni, muss die Bank die Mindestkapitalanforderungen der Europäischen Bankenaufsicht erfüllen. Die EU hat Zypern zwar Hilfe angeboten. Ein Kredit des Rettungsfonds EFSF von rund zehn Milliarden Euro ist im Gespräch. Für die Euro-Staaten wäre dieser Betrag relativ leicht zu stemmen, und Zypern wäre damit für die nächsten zwei, drei Jahre aus dem Schneider.
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Autor: Gerd Höhler



