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08. Februar 2012 20:05 Uhr
Energieverbrauch
Badenova: Kein Erdgasengpass in Südbaden in Sicht
Angesichts der Kälte ist der Erdgasverbrauch in Deutschland so hoch wie noch nie. Die Verbraucher in Südbaden müssen aber keine Engpässe fürchten. Das sagt Roland Weis, der Sprecher des Energieversorgers Badenova.
Am Dienstag sei der Erdgasverbrauch im Badenova-Netz 20 Prozent höher gewesen als beim bisherigen Rekordverbrauch im Winter 2010. "Die Lage ist angespannt, aber stabil", berichtet Weis. Am Mittwoch sei der Gasverbrauch wieder leicht gesunken. Die Nacht war nicht ganz so kalt und am Tag stieg das Thermometer in der Rheinebene beinahe auf den Nullpunkt. Alle Badenova-Kunden seien beliefert worden, sagt Weis. "Es hat keine Abschaltungen gegeben." Badenova versorgt ganz Südbaden von Sinzheim im Norden bis Lörrach und Waldshut-Tiengen mit Gas.
Prinzipiell haben Energieversorger das Recht, Kunden zeitweise nicht mehr zu versorgen. Das gilt allerdings nur für eine der beiden großen Kundengruppen, die Industriekunden. Haushaltskunden werden immer beliefert, deswegen muss niemand fürchten, im Kalten zu sitzen. Bei Industriekunden, seien es produzierende Unternehmen oder Kraftwerke, kann es jedoch Verträge geben, die zeitweise Lieferunterbrechungen erlauben, wenn der Gas- oder Stromverbrauch sehr hoch ist. Das gilt dann nicht als Vertragsbruch.
Solche Verträge gibt es auf allen Ebenen der Gasversorgung. Wenn der russische Gasriese Gasprom derzeit 25 Prozent weniger Erdgas durch die Pipeline nach Waidhaus in Bayern pumpt, ist das aus diesem Grund kein Vertragsbruch. Schließlich erreiche auch der Verbrauch in Russland Rekordwerte, sagt Mirco Hillmann vom Ferngasnetzbetreiber Open Grid Europe. Das ist mit 12 000 Kilometern Gasleitung Deutschlands größter Erdgastransporteur.
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Die Situation sei angespannt, aber stabil, sagt Hillmann ebenso wie Badenova-Sprecher Weis. Anders als der südbadische Versorger hat Open Grid aber einige Großverbraucher tatsächlich von der Versorgung abgehängt. So wurde schon am vergangenen Freitag das Karlsruher Gaskraftwerk der EnBW stillgelegt. Auch andere deutsche Gaskraftwerke werden nicht mehr versorgt. Um die Stromversorgung zu sichern, wurde deswegen in Mannheim ein Kohlekraftwerk, das als Reserve gehalten wurde, wieder in Betrieb genommen. Außerdem kann Strom aus Österreich importiert werden. Das ist von den vier großen deutschen Stromnetzbetreibern vereinbart worden, um die acht abgeschalteten Atomkraftwerke ersetzen zu können. In Italien sieht es ähnlich aus. Dort werden ebenfalls Gaskraftwerke abgeschaltet und alte Kraftwerke reaktiviert, allerdings sind das ölbefeuerte Anlagen, keine Kohlekraftwerke.
Open-Grid-Sprecher Mirco Hillmann betont allerdings, es herrsche keine Knappheit an Erdgas. Schließlich gibt es in Deutschland 47 Erdgasspeicher, in denen viele Millionen Kubikmeter Erdgas lagern. Diese Speicher sind nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft zu zwei Dritteln gefüllt. Sie haben aber einen Nachteil: Sie liegen im Norden und Westen der Republik. Baden-Württemberg hat nur einen Speicher im Allgäu, auch in Bayern ist nicht viel. "Zur Zeit schaffen wir Erdgas von der Nordsee nach Süden", sagt Hillmann. Diese Leitungen seien an der Grenze der Kapazität.
"Wir haben seit zwei Tagen ein Allzeithoch im Absatz", sagt Marc Pudlatz von der Gasversorgung Süddeutschland (GVS), nennt aber wie die anderen Unternehmenssprecher keine Zahlen. Die GVS hat rund 2000 Kilometer Gasnetz im Süden, übernimmt Gas von Open Grid und verteilt es weiter, unter anderem an Badenova. Die GVS hat laut Badenova ihre Kunden auf die schwierige Situation hingewiesen. Die Stadtwerke Schramberg, ebenfalls von der GVS versorgt, haben daraufhin ihre Haushaltskunden aufgefordert, die Zimmertemperatur zu senken. Dafür sieht Badenova-Sprecher Weis keinen Anlass. "Wir bitten die Kunden, nicht unnötig zu heizen. Aber das hat nichts mit Einschränkung zu tun."
Einen großen Vorteil haben die Erdgasverbraucher: Sie müssen trotz der Kälte für die Kilowattstunde Erdgas nicht mehr bezahlen als vorher. Wer in diesen Tagen den Heizöltank auffüllt, weil er zu lange auf sinkende Preise gehofft hat, muss dagegen deutlich tiefer in die Tasche greifen. Die Kältewelle hat den Preis auf den höchsten Stand seit dem Sommer 2008 getrieben. Für 100 Liter Heizöl müssen die Verbraucher in Südbaden rund fünf Euro mehr bezahlen als noch in der vergangenen Woche (siehe Heizöltabelle auf Seite 17).
Autor: Jörg Buteweg


