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18. Juli 2012 11:39 Uhr
Stiftung Warentest
Bausparverträge: Beratung lässt oft zu wünschen übrig
Eigentlich ist Bausparen eine ausgezeichnete Idee. Doch in der Praxis zeigt sich: Gute Beratung ist häufig Fehlanzeige. Das ist das Ergebnis des "Praxistests Bausparen" der Stiftung Warentest.
Nur vier von 22 Instituten beraten gut – die Landesbausparkassen (LBS) Bremen, Nord, Baden-Württemberg sowie die Bausparkasse Wüstenrot.
Für ihre Untersuchung wurden Tester in jeweils sieben Filialen der 22 Bausparkassen geschickt. Sie sollten sich Angebote für einen einfachen Modernisierungsfall vorrechnen lassen. Der Testfall: Eine Immobilie sollte in vier Jahren für 50 000 Euro renoviert werden. Die monatliche Rate, mit der die Sparer Kapital ansparten, durfte 400 Euro nicht übersteigen.Beim Bausparen zahlen Bausparer am Anfang regelmäßig in einen Sparplan ein. Ist ein Mindestguthaben erreicht, erhalten sie ein Bauspardarlehen, das sie anschließend tilgen. Der Zinssatz für die Tilgung wird schon bei Vertragsabschluss festgelegt. Derzeit liegt er meist bei günstigen 2,75 bis 3,75 Prozent. In den 154 Beratungsgesprächen wurden die Tester häufig schlecht beraten. Fast jedes vierte Angebot war mangelhaft. "Gute Beratung wird so zum Glücksfall", urteilt Hermann-Josef Tenhagen, Finanzexperte der Stiftung. Oftmals hätten Berater die Raten zu hoch gewählt. In nicht wenigen Fällen sei die festgelegte Bausparsumme um bis zu 10 000 Euro zu hoch angesetzt gewesen. Einige Institute ließen den Kunden zudem viel zu lange sparen, bei der LBS Bayern bis zu zehn Jahre. Oft fehlte bei der Beratung auch ein Tilgungsplan. Jede fünfte Finanzierung hätte die Kunden deutlich zu viel Geld gekostet.
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Vier Angebote der Deutschen Bank waren so schlecht, dass eine Bankfinanzierung mit einem Zinsanstieg mit mehr als zehn Prozent noch günstiger gewesen wäre. So kam das private Institut nicht über das Gesamturteil mangelhaft hinweg – wie auch die Huk-Coburg, die LBS Ost und die LBS Rheinland Pfalz.
Für die Gesamtnote kam es den Warentestern vor allem darauf an, dass die Qualität des Angebots stimmte. Die Höhe der Sparrate musste genauso wie die Tilgungsraten zum Kundenwunsch passen. Außerdem sollte das Darlehen möglichst zum geforderten Zeitpunkt zuteilungsreif sein. Für jede der sieben Beratungen pro Bausparkasse, die mangelhaft war, gab es kräftig Punktabzüge in der Gesamtnote.
Der Verband der Privaten Bausparkassen, in dem auch die Deutsche Bank und die Huk-Coburg Mitglied sind, will mögliche Mängel bei der Beratung nun schnell beseitigen. "Die Bausparkassen werden die Hinweise genau analysieren", heißt es. Nicht nachvollziehen könne man allerdings die harte Bewertung der Zufallsstichproben. Diese Kritik lässt die Stiftung Warentest nicht gelten. "Jede Beratung muss stimmen", urteilt Finanzexperte Tenhagen. Von den Instituten fordern die Verbraucherschützer nun bessere Schulungen der Berater und eine Optimierung der Bausparprodukte. Am besten sollten auch die Produktinformationen standardisiert werden, damit ein Vergleich möglich sei.
Egal ob ein neues Dach oder eine moderne Heizung – Arbeiten am eigenen Hauses können teuer werden. "Für solche Fälle lohnt sich ein Bausparvertrag", sagt Hartmut Schwarz von der Verbraucherzentrale Bremen. Zwar seien die Guthabenzinsen niedrig. Doch am Ende der Laufzeit erhalte der Sparer nicht nur sein Guthaben, sondern auch einen günstigen Kredit.
Bedarf ermitteln: Bevor Kunden in die Filiale einer Bausparkasse gehen, sollten sie überlegen, welche Modernisierungsarbeiten in Zukunft anfallen könnten. Daraus ergibt sich in etwa der Bedarf. "Die Bausparsumme sollte auf jeden Fall passend sein", erklärt Schwarz. Angeboten würden häufig Bausparverträge über 50 000 Euro oder 80 000 Euro. "In vielen Fällen reichen aber schon 25 000 Euro aus."
Sparrate festlegen: Bausparverträge sind langfristig angelegt. "Man braucht mindestens sieben Jahre, um ein ansehnliches Guthaben anzusparen", sagt Finanzexperte Schwarz. Die Sparrate sollte immer so gewählt werden, dass sie in dieser Zeit nicht zu einer Belastung für die Haushaltskasse wird. "Die Kunden sollten sich selbst eine Höchstgrenze setzen."
Vorgaben machen: Die eigenen Überlegungen sollten dem Berater genau beschrieben werden. "Sonst bekommen Sie ein Angebot, dass sie gar nicht wollten", sagt Schwarz. Kunden sollten sich einen Spar- und Tilgungsplan erstellen lassen. "Darin muss aufgeführt sein, welche Sparrate die Bausparkasse empfiehlt, wie hoch der Guthabenzins ist und wann die Zuteilung in etwa erwartet wird."
Angebote vergleichen: Bevor Verbraucher sich entscheiden, sollten sie mehrere Angebote einholen. "Mindestens drei verschiedene Bausparkassen sollte man aufsuchen", empfiehlt Schwarz. "Allein bei den Guthabenzinsen gibt es große Unterschiede."
Autor: Mandy Kunstmann



