Börse im Crash-Modus

dpa

Von dpa

Fr, 12. Oktober 2018

Wirtschaft

Kurse fallen überall kräftig / Steigende Zinsen und Angst vor schwachem Wachstum wirken.

FRANKFURT/WASHINGTON/NUSA DUA (dpa). Die Angst vor steigenden Zinsen und einer schwächeren Konjunktur hat den deutschen Aktienmarkt auch am Donnerstag in Atem gehalten und schwer belastet. Hinzu kamen erneut schwache US-Börsen.

Am Tag nach dem größten Kursrutsch seit mehreren Monaten büßte der Dax weitere 1,48 Prozent auf 11 539,35 Punkte ein. Im Tagestief hatte er phasenweise 1,7 Prozent eingebüßt und war auf den tiefsten Stand seit Anfang Februar 2017 gesackt. Martin Utschneider vom Bankhaus Donner & Reuschel sieht den Dax inzwischen im "Crash-Modus". Als Grund für die Talfahrt verweisen die Postbank-Experten auf den Mix aus Handelsstreit, Sorgen um den Brexit, auf den Streit zwischen der EU-Kommission und der italienischen Regierung über den geplanten Staatshaushalt mit vielen neuen Schulden, eine schwächer wachsende Weltwirtschaft sowie die zunehmend stärker steigenden Zinsen. In ganz Europa zeigten sich die Börsen im tiefroten Terrain: Der Euro-Stoxx 50, der Leitindex der Eurozone, verlor 1,77 Prozent auf 3209,19 Punkte. An den Aktienbörsen in Paris und London ging es um jeweils fast zwei Prozent abwärts. Unter Druck standen vor allem konjunkturabhängige Werte sowie die Banken- und Finanzbranche. In den USA gab der Wall-Street-Index Dow Jones Industrial bis zum frühen Abend erneut um 0,9 Prozent nach. Die Wall Street hatte am Mittwoch einen der schlechtesten Tage dieses Jahres erlebt. Der Index Dow Jones gab um 3,15 Prozent nach und sank auf 25 598,74 Punkte, nachdem er erst vor acht Tagen ein neues Allzeithoch erreicht hatte. Der Technologie-Index Nasdaq fiel sogar um 4,08 Prozent; das war das größte Minus seit mehr als zwei Jahren.

Daraufhin hatte US-Präsident Donald Trump erneut die Zinspolitik der US-Zentralbank kritisiert. Die Fed sei "verrückt geworden", sagte er am Mittwoch (Ortszeit). Die Zinserhöhungen kämen zwar den Sparern zugute, räumte er am Donnerstag ein. Doch die Notenbank gehe "zu aggressiv" vor. Auch in Asien brachen die Kurse ein, an europäischen Börsen fielen sie ebenfalls stark. An Jerome Powell, den Chef der US-Notenbank, den er selbst im Frühjahr ernannt hatte, will er jedoch festhalten. "Ich werde ihn nicht feuern", sagte Trump in Washington.

IWF-Chefin Christine Lagarde hat der Wirtschaftspolitik von Donald Trump und dessen Angriffen auf die eigene Zentralbank eine deutliche Abfuhr erteilt. Sie eröffnete die Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds und Weltbank am Donnerstag mit scharfer Kritik am Vorgehen des US-Präsidenten. Es sei gefährlich für die Weltwirtschaft. Im Hinblick auf Trumps Äußerungen zur Notenbank sagte sie, deren Chef Jerome Powell und der Fed-Vorstand wirkten sehr solide und seriös. "Ich würde ihn nicht mit Verrücktheit in Verbindung bringen", sagte die IWF-Chefin dem US-Sender CNBC.