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13. März 2010

Unterm Strich

Breisgaumilch: Angeschmiert

Stefan Hupka über die Erkenntnis, dass "Schwarzwald" nichts mit Schwarzwald zu tun hat.

"Aus frischen Gräsern und Wiesenkräutern der Schwarzwälder Höhenlagen machen unsere Kühe die beste Schwarzwälder Milch, die wir schonend verarbeiten." Wenn man das liest – dann will man erst die Kuh sein, die auf diesen sattgrünen Wiesen weidet, und dann wieder der Mensch, der genießt, was aus der Milch dieser glücklichen Kuh gemacht wird. Solch heimatverliebte Stanniolpapierlyrik ist es, die manchen Lebensmittelkunden im Kühlregal gerade nach der "Schwarzwälder Butter" greifen lässt. Und wenn er im Schwarzwald wandern geht, dann kann er sie sehen, die Kühe und die Bauern, denen er das gerne abkauft, gerne auch ein bisschen teurer.

Abgekauft hat, muss man wohl sagen. Denn jetzt kommt heraus: In Milchprodukten mit dem Etikett "Schwarzwald" steckt nichts aus dem Schwarzwald. Der Lebensmittelkunde Werner Marek aus Freiburg hat es herausgefunden und Reportern des Südwestrundfunks erzählt. Er wollte sich beim Hersteller seiner "Schwarzwälder Butter", der Breisgaumilch, erkundigen, warum sich deren Geschmack geändert hat, und bekam die entwaffnende Auskunft: "Dafür können wir nichts." Weder die Butter noch die Milch für die Butter kommen aus dem Schwarzwald, wie Geschäftsführer Karl Laible zerknirscht bekennt, sondern aus dem Allgäu: "Es ist ein Ausrutscher."

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Hm. Das kann vorkommen bei hohem Fettanteil. Allerdings ist es schon 2006 vorgekommen, als die Genossenschaft das Outsourcing von Produkten nach Bayern beschloss, aus "Rentabilitätsgründen". Uns sind Ausrutscher bekannt, die schneller gebeichtet wurden. Freiwilliger auch. Nun hat man bei Etikettenschwindel zwei Möglichkeiten: Man passt das Produkt dem Etikett an oder das Etikett dem Produkt. Die Breisgaumilch tut das zweite und arbeitet, wie wir hören, schon an einem neuen Design. Wie wäre es mit "Made in Bayern"? Könnte aber Kunden kosten. Woraus man lernen kann, dass das Anschmieren der Kundschaft ein Rentabilitätsproblem nicht löst.

Autor: Stefan Hupka