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15. März 2010 21:29 Uhr

Etikettenschwindel-Affäre

Breisgaumilch nimmt Butter vom Markt

Die Schwarzwälder Butter ist bald Vergangenheit. Die Freiburger Molkerei Breisgaumilch verzichtet weitgehend auf den Vertrieb von Butter und einigen anderen Milchprodukten. Das gab das Unternehmen nach einer Aufsichtsratssitzung bekannt.

  1. Erinnerungsstück: Schwarzwälder Butter wird es bald nicht mehr geben. Foto: rock

Nur Biobutter und lactosefreie Butter bleiben im Sortiment. Sie würden zwar im Lohnauftrag hergestellt, aber mit Rahm der hiesigen Milchbauern, sagte Breisgaumilch-Geschäftsführer Karl Laible. Für die restlichen Produkte gelte: Die Ware, die sich noch in den Lagern befinde, werde verkauft, man bestelle aber nicht mehr neu. "In spätestens drei Wochen gibt es die Produkte nicht mehr im Handel", sagte er.

Dieser Rückzug ist die Folge eines großen Wirbels um die irreführende Darstellung auf der Verpackung der Butter. Dort wird der Eindruck vermittelt, die Milch, aus der die Butter hergestellt wird, stamme aus dem Schwarzwald. Tatsächlich machte die Molkerei Allgäuland in Wangen diese Butter mit dortiger Milch – und zwar schon seit dem Jahr 2006. Damals stieg die Breisgaumilch aus der Butterproduktion aus. Was für die Butter gilt, gilt auch für Kaffeesahne, Buttermilch, Frischkäse und Schichtkäse. Deswegen verzichtet die Molkerei jetzt auf diese Produkte.

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"Wir haben einen radikalen, scharfen Schnitt gemacht", sagte Gottfried Hermann, der Aufsichtsratschef der Molkerei, nach der Sitzung am Montag. Das sei bitter, denn es koste Ertrag. Aber es sei die einzige Möglichkeit, das verlorene Vertrauen der Verbraucher zurückzugewinnen: "Glaubwürdigkeit ist wichtiger als Ertrag."

95 Prozent des Sortiments sind nicht betroffen

In den vergangenen Tagen hatte es heftige Proteste von Verbrauchern gegeben, die sich von der Molkerei getäuscht fühlten. Tatsächlich hat die Breisgaumilch in den vergangenen Jahren verstärkt mit der Regionalität ihrer Produkte geworben. Weil das für die konventionelle Butter (und die genannten anderen Produkte) nicht zutrifft, prüft die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, ob sie juristische Schritte gegen die Molkerei einleitet. Auch aus Sicht des Regierungspräsidiums Freiburg handelt es sich "aus juristischer Sicht um eine falsche Kennzeichnung eines Produkts", wie Pressesprecher Joachim Müller-Bremberger sagte. Er sagte jedoch, die Breisgaumilch-Produkte seien aus hygienischer und qualitativer Sicht einwandfrei.

Die wirtschaftlichen Folgen für die Molkerei sind noch nicht abzuschätzen. Den voraussichtlichen Umsatzausfall konnte Breisgaumilch-Chef Laible nicht beziffern. Wenn man zugrunde legt, dass 95 Prozent des Sortimentes nicht betroffen sind, wie die Molkerei mitteilte, geht – bezogen auf das Jahr 2008 – Umsatz von etwa fünf Millionen Euro verloren. Das werde sich auch im Auszahlungspreis für die Milchlieferanten bemerkbar machen, sagte Laible. Für Januar und Februar hat die Breisgaumilch 29 Cent pro Liter gezahlt. Ob und in welchem Umfang Verbraucher auch bei Milch und Joghurt zu Konkurrenzprodukten greifen, ist erst in einigen Wochen feststellbar. "Wenn man derart Vertrauen verspielt, kann das nicht spurlos vorbei gehen", glaubt Richard Bruskowski vom Badischen Bauernverband. "Wir können nur hoffen, dass sich der Schaden in Grenzen hält."

Noch eine Baustelle: Streit um Tariferhöhung

Zu allem Überfluss hat die Breisgaumilch Streit mit der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten wegen einer Tariferhöhung. Eine Übernahme des Tarifabschlusses der württembergischen Molkereien – 132 Euro Einmalzahlung, 2,8 Prozent Lohnerhöhung rückwirkend zum September 2009, eine weitere Erhöhung von einem Prozent zum September 2010 – lehnt die Breisgaumilch ab. Die Schlichtung ist gescheitert. Die Gewerkschaft kündigte an, eine Urabstimmung über einen Streik unter den 283 Mitarbeitern einzuleiten. Breisgaumilch-Chef Laible sagte, eine Tarifsteigerung dieser Höhe "ist nicht nachvollziehbar". Die Milchbauern hätten 2009 massive Einbußen hinnehmen müssen, da könnten die Löhne nicht so stark steigen. Die Molkerei hatte laut Gewerkschaft eine Einmalzahlung von 140 Euro für Januar und Februar sowie eine Entgelterhöhung von 1,5 Prozent von März an angeboten.

Eine gute Nachricht immerhin gab es gestern für die Molkerei. Die Handelskette Edeka Südwest, größte Abnehmerin von Breisgaumilch-Produkten, sieht keine Veranlassung, Waren der Molkerei aus dem Sortiment zu nehmen.

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Autor: Jörg Buteweg