Ökonomen-Treffen

Bundesbankchef Weidmann fordert schnelles Internet für mehr Haushalte und "Weiterbildung für alle"

Ronny Gert Bürckholdt

Von Ronny Gert Bürckholdt

Mo, 03. September 2018 um 20:52 Uhr

Wirtschaft

Ist der technische Fortschritt ein Jobkiller? Bundesbankchef Jens Weidmann sieht in Freiburg keinen Grund für Schwarzmalerei. Deutschland solle lieber endlich die Chancen der Digitalisierung nutzen.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat einen raschen Ausbau des schnellen Internets in der Bundesrepublik gefordert. "Es ist wichtig, dass Deutschland seine digitale Infrastruktur nun konsequent ausbaut", sagte der Notenbankchef am Montagabend während der Ökonomen-Tagung des Vereins für Socialpolitik (VfS) in Freiburg. Nur dann könnten hiesige Unternehmen die Vorteile nutzen, die die Digitalisierung mit sich bringe.

Aber: "Beim schnellen Internet hinkt Deutschland vielen anderen Industriestaaten hinterher", sagte Weidmann. Vergangenes Jahr habe in Deutschland die maximale Verbindungsgeschwindigkeit im Schnitt bei 65 Megabit pro Sekunde gelegen, in Spanien seien es 85 gewesen, in Südkorea 120.

"Gerade der Ausbau des Glasfasernetzes kommt hierzulande nur schleppend voran", beklagte Weidmann. Nur zwei Prozent der Breitbandanschlüsse beruhten in Deutschland überwiegend auf Glasfaser und damit auf jener Technik, "die ein besonders schnelles Internet ermöglicht." Im Schnitt der in der OECD zusammengeschlossenen Industrieländer seien es 26 Prozent.

Doch kommen schnelle Internetleitungen und eine fortschreitende Digitalisierung tatsächlich vielen Menschen zugute? Gefährdet der technische Fortschritt nicht auch viele Arbeitsplätze in Deutschland? In den Augen Weidmanns haben die neuen, internetbasierten Technologien für die Arbeitswelt "eine schöpferische und eine zerstörerische Kraft".

Noch seien "fahrerlose Taxis oder Drohnen, die Pakete ausliefern, nicht in unserem Alltag angekommen." Aber die neuen Technologien stießen immer weiter in Aufgabenbereiche vor, "von denen man lange Zeit glaubte, sie seien allein den Menschen vorbehalten." Roboter helfen bereits Ärzten und Pflegern, "sie kriechen für uns durch schmale Röhren und Schächte", Algorithmen treffen Anlageentscheidungen und mancher Sportbericht werde maschinell erstellt, so Weidmann. Die OECD schätze, dass in den nächsten Jahren jeder zehnte Job automatisiert werden könnte.

Doch laut Weidmann "verschwanden zu allen Zeiten Berufe – oder wer kennt heute noch Kupferstecher, Küfer oder Stellmacher?" Trotz der Digitalisierung sei "uns die Arbeit nicht ausgegangen."

Die Erfindung der Eisenbahn habe zwar die Kutscher um ihre Arbeit gebracht. Dies habe aber auch neue Berufe geschaffen wie Gleisbauer, Lokführer und Zugbegleiter. Heute entstünden neue Berufe wie Social-Media-Manager, Roboteringenieur oder Drohnenpilot. "Derzeit werden wegfallende Arbeitsplätze wohl weitgehend durch neue kompensiert", bilanzierte Weidmann.

Weil aber der Automatisierungsdruck manche Berufsfelder und Ausbildungen stärker treffe als andere, verschöben sich Beschäftigungschancen und relative Löhne. "Ich halte es deshalb für entscheidend, allen Arbeitnehmern den Zugang zu Weiterbildung zu ermöglichen." Konkreter wurde der Bundesbankchef bei seiner Rede vor geladenen Gästen im Freiburger Konzerthaus nicht.