Unternehmen in Südbaden

BZ-Wettbewerb: Das sind die Sieger des Jobmotors 2017

Jörg Buteweg

Von Jörg Buteweg

Fr, 20. April 2018 um 20:00 Uhr

Wirtschaft

58 Firmen haben an der jüngsten Runde des BZ-Wettbewerbs Jobmotor teilgenommen. Acht von ihnen hat eine Jury für besonders gute Ideen in Freiburg ausgezeichnet.

Südbaden steht wirtschaftlich glänzend da. Viele heimische Firmen wachsen und schaffen neue Stellen. Das ist kein kurzfristiger Boom, sondern ein stetes Wachstum. In zwölf Wettbewerbsrunden haben die Teilnehmer des Jobmotors der Badischen Zeitung und ihrer Partner fast 15.000 neue sozialversicherungspflichtige Stellen geschaffen. Die Region ist aber nicht unbedingt der Nabel der Welt. Wer nach Ausbildung oder Studium eine Anstellung sucht, den oder die zieht es oft in große Städte. Die heimischen Firmen müssen sich etwas einfallen lassen, wenn sie da mithalten wollen. Einige pfiffige Beispiele wurden am Freitagabend in der Sparkasse Freiburg prämiert.

Wirtschaftlich geht es der Bundesrepublik glänzend. Die Bundesbank spricht von einem "goldenen Jahrzehnt". Trotz aller Unsicherheiten in der Weltwirtschaft ist die deutsche Wirtschaft im Jahr 2017 erneut gewachsen und hat viele Stellen geschaffen. Mit 44,7 Millionen Erwerbstätigen zum Jahresende gab es einen neuen Rekordstand. Das widerlegt den oft geäußerten Verdacht, es würden mehr Arbeitsplätze ab- als aufgebaut. Das Gegenteil ist der Fall. Auch in der Region lief die Wirtschaft ausgezeichnet. Die 58 Firmen, die an der jüngsten Runde des Wettbewerbs Jobmotor teilgenommen haben, berichten von 1820 neu geschaffenen Stellen.

Welche Dynamik die Wirtschaft in Südbaden in den vergangenen Jahren entfaltet hat, zeigen die Zahlen des Jobmotors, der jetzt zum zwölften Mal veranstaltet wurde. Die teilnehmenden Firmen haben 14.716 neue Arbeitsplätze geschaffen. Dabei werden ausschließlich sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze gezählt, ob Teilzeit oder Vollzeit – auch Lehrstellen.

Während die Öffentlichkeit in erster Linie auf die Zahl der Arbeitslosen und die neu geschaffenen Stellen blickt, plagt viele Firmen das Problem, Stellen nicht mit geeigneten Bewerbern und Bewerberinnen besetzen zu können. Deswegen gibt es neben dem Preis für Firmen, die viele neue Stellen geschaffen haben, eine Auszeichnung für diejenigen, die mit guten Ideen neue Mitarbeiter gefunden und deren Kräfte an sich gebunden haben. Es ist allerdings ein Unterschied, ob ein kleiner Handwerksbetrieb neue Stellen einrichtet, oder ob ein großer Industriebetrieb seine Belegschaft aufstockt.

Damit nicht Äpfel mit Birnen verglichen werden, wird der Jobmotor in drei Kategorien vergeben: für Betriebe mit bis zu 19 Beschäftigten, für Betriebe mit 20 bis 199 Beschäftigten und für Betriebe mit 200 oder mehr Beschäftigten. Die Sieger werden auf dieser Doppelseite präsentiert. Ausführliche Porträts folgen im Wirtschaftsteil der Badischen Zeitung.

Die Jury hat die pfiffigsten Ideen ausgewählt

Die Entscheidung über die Preisvergabe hat eine Jury getroffen. Ausschlaggebend für die Platzierung waren absoluter und prozentualer Stellenzuwachs im vergangenen Jahr. Für die Preise für die besten Konzepte, Mitarbeiter zu finden und zu binden, hat die Jury die pfiffigsten Ideen ausgewählt.

Organisiert wird der Wettbewerb Jobmotor, der 2006 ins Leben gerufen wurde, von der Badischen Zeitung, den Industrie- und Handelskammern Freiburg, Schopfheim, Villingen-Schwenningen, der Handwerkskammer Freiburg und dem Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen Baden (WVIB).

Die wirtschaftlichen Perspektiven für das laufende Jahr sind hervorragend. Weder der näher rückende Brexit noch die protektionistische Haltung der US-Regierung haben die die Laune in der Wirtschaft nachhaltig trüben können. Der Ifo-Klimaindex, eines der aussagekräftigsten Konjunkturbarometer der deutschen Wirtschaft, ist trotz leichter Rückgang unverändert sehr hoch. Ein wichtiger Grund: Im Euroraum, alles in allem der wichtigste Absatzmarkt für deutsche Firmen, geht es wieder aufwärts. In Deutschland sind die Verbraucher außerordentlich optimistisch.

Dafür gibt es gute Gründe: Die Arbeitslosigkeit sinkt weiter, die Löhne steigen, der Stellenaufbau geht weiter. Nach vielen Jahren des Abbaus werden im öffentlichen Dienst neue Stellen geschaffen, ebenso im Dienstleistungsbereich – sofern denn Mitarbeiter zu finden sind. Da sind gute Ideen gefragt. Ein Blick auf die Sieger des Jobmotors kann Anregungen geben, wie man die begehrten Fachkräfte findet, sie auf sich aufmerksam macht und an sich bindet – wenn man sie denn gefunden hat.

Jobmotor 2017: Das sind die acht Sieger

  • PGK Software, Denzlingen
Software für unternehmenskritische Anwendungen entwickelt PGK in Denzlingen. Damit sind Programme gemeint, deren Daten sensibel sind oder deren Ausfall enormen Schaden anrichten würde – ein Art Meisterklasse der Softwareentwicklung. Dazu kommen die Beratung von Firmen und das Geschäft mit der Cloud. Das Unternehmen, 2003 von Patrick A. Lorenz und Partnern gegründet, gehört zu den Digitalisierungsgewinnern. 2017 schuf PGK neun neue Stellen – Sieger in der Kategorie "Arbeitsplätze" für kleine Unternehmen.

 
 
  • Leaserad, Freiburg
Ein Fahrrad als Dienstfahrzeug? Das ist erst seit 2012 steuerlich möglich. Seither floriert das Geschäft der Freiburger Firma Leaserad – und zwar so stark, dass Leaserad zum Seriensieger im Wettbewerb Jobmotor avancierte. Das Unternehmen bietet Firmen an, Fahrräder für ihre Mitarbeiter zu leasen. Die Beschäftigten müssen – wie beim Dienstauto – nur ein Prozent des Listenpreises versteuern, ein gutes Geschäft. Zum wiederholten Mal Sieger in der Kategorie "Arbeitsplätze" für mittelgroße Firmen.

 
 
  • Zalando, Lahr
Der Versandhändler Zalando hat sein Versprechen gehalten: 1000 Arbeitsplätze sollten am Lahrer Flugplatz entstehen, versprach das Berliner Unternehmen bei der Grundsteinlegung. Nach eineinhalb Jahren Betrieb ist der Plan übererfüllt. Das brachte dem Unternehmen den Sieg in der Kategorie "Arbeitsplätze" für große Unternehmen. Am Ende sieht Personalchef Thomas Wilm die Entwicklung nicht: "Wir haben noch Luft nach oben." 10.000 Pakete verschicken die Mitarbeiter in Lahr – jeden Tag.

 
 
  • EOM, Offenburg
Wenn es Fahrradrahmen oder Maschinengehäuse zu beschichten gilt, ist die Firma EOM zur Stelle. Als Lohnfertiger sorgt das Unternehmen für Farbe auf Metallteilen. Weil gerade kleine Firmen nur schwer Mitarbeiter finden, sorgt Firmenchef Peter Pilgram für eine familiäre Atmosphäre. Vertrauensarbeitszeit, individuelle Leistungsprämien, Gemeinschaftsgefühl – EOM ist Sieger in der Kategorie "Fachkräfte finden und binden" für kleine Firmen.

 
 
  • Müller Systems & Handling, Rheinfelden
Wie findet man in Rheinfelden Mitarbeiter und bindet sie an den Betrieb, wo doch jenseits des Rheins die Schweiz mit höheren Löhnen lockt? Müller-Personalleiterin Sonja Krebs hat gelernt: "Das Unternehmen muss sich beim Mitarbeiter bewerben, nicht andersherum" – die Firma Müller trägt den Sieg davon in der Kategorie "Mitarbeiter finden und binden" für mittelgroße Firmen.

 
 
  • Straub, Bräunlingen
Ohne die Wellpappe von Firmen wie Straub gäbe es wahrscheinlich keinen Boom des Versandhandels. Aber wie findet das Bräunlinger Unternehmen seine Mitarbeiter? Nun, die Firma bietet nicht nur Prämien, wenn man gesund bleibt, sie zahlt auch Leistungsprämien von bis zu 25 Prozent eines Monatslohns, steuert etwas zur betrieblichen Altersversorgung bei – auf fast 90 Sonderleistungen summiert sich die Zahl der freiwillign Leistungen. Das bringt einen ersten Platz in der Kategorie "Mitarbeiter finden und binden" für große Firmen.

 
 
  • Funke Plastics, Teningen
Nachwuchs wird knapp in Deutschland, namentlich im technischen Bereich. Ein Grund: Viele junge Frauen meiden dieses Feld. Dagegen kämpft die Teninger Firma Funke Plastics an. Sie hat ein freiwilliges technisches Jahr für Schulabgängerinnen eingerichtet und lässt ihre Tochterfirmen von einem Team von Uni-Absolventinnen beraten – junge Frauen als interne Unternehmensberaterinnen. Der Name: das Tiger-Team. Das bringt einen ersten Platz in der Kategorie "Mitarbeiter finden und binden" für große Firmen.

 
 
  • Integrierte Dienste, Offenburg
Menschen mit Behinderung haben ein großes Handicap bei der Suche nach einem Arbeitsplatz. Viele Betriebe kaufen sich lieber frei von der Verpflichtung, behinderte Menschen zu beschäftigten. Die Firma Integrierte Dienste tritt mit Behinderten auf dem ersten Arbeitsmarkt gegen die Konkurrenz an und ist erfolgreich – dafür gibt es einen Sonderpreis.

 
 


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