China expandiert in Afrika

Kristin Palitza, Jörn Petring

Von Kristin Palitza, Jörn Petring (dpa)

Sa, 01. September 2018

Wirtschaft

Die Volksrepublik verändert mit massiven Investitionen und Megaprojekten den Kontinent.

KIGALI/PEKING. Malou Jontilano hat keine freie Minute. Sie beantwortet Textnachrichten per Handy, liest Mails auf dem Computer und gibt ein Interview – alles gleichzeitig. Die drahtige Geschäftsführerin der chinesischen Bekleidungsfirma G & H Garments kurbelt seit drei Jahren mit mehr als 1000 Angestellten die Produktion im ostafrikanischen Ruanda an. "Afrika ist ein sehr attraktiver Markt für uns", sagt Jontilano.

Nicht nur in Ruanda, sondern in ganz Afrika baut Peking seinen Einfluss aus und fordert damit auch den Westen heraus. Mit einem Handelsvolumen von zuletzt 170 Milliarden US-Dollar hat China sowohl die USA als auch Frankreich als wichtigste Handelspartner des Kontinents hinter sich gelassen.

Welche große Rolle Afrika in den Plänen der Chinesen spielt, wird der anstehende China-Afrika-Gipfel (FOCAC) unterstreichen, zu dem von Montag an viele afrikanische Staats- und Regierungschefs in Peking erwartet werden. China geht es bei seinem Engagement nicht mehr nur um die Sicherung von Rohstoffen. Als Antwort auf die steigenden Lohnkosten in der Heimat verlagern chinesische Firmen Teile ihre Produktion in afrikanische Länder. Ihr Ziel sei es, das Label "Made in China" in "Made in Afrika" umzuwandeln, sagt Geschäftsführerin Jontilano. Das G & H-Garments-Werk liegt in einer 300 Hektar großen Sonderhandelszone am Rande von Ruandas Hauptstadt Kigali, die nach dem Vorbild derer errichtet ist, die in den 80er Jahren zur wirtschaftlichen Öffnung Chinas beitrugen.

Hier investieren Dutzende private und staatliche chinesische Unternehmen. Nach Schätzungen der Unternehmensberatung McKinsey sind inzwischen mehr als 10 000 chinesische Firmen in Afrika tätig und beschäftigen mehrere Millionen Afrikaner.

Die Chinesen hoffen, dass die wachsende afrikanische Mittelschicht zu einem zuverlässigen Abnehmer der eigenen Produkte wird. Je mehr der Handelsstreit mit den USA eskaliert, desto mehr rückt für Peking die Suche nach neuen Handelspartnern in den Fokus. Nicht nur zwischen den Zeilen dürfte der Handelsstreit auch beim Gipfel in Peking eine Rolle spielen: "Interessant wird, wie stark sich China als Alternative zu den USA präsentieren wird, indem es rhetorisch Freihandel und Multilateralismus betont", sagt Sabine Mokry vom China-Institut Merics. Wahrscheinlich werde Peking den Gipfel nutzen, um auch seiner neuen Seidenstraße einen Schub zu geben und für neue chinesische Infrastruktur-Projekte in Afrika werben. Mit dem Projekt Neue Seidenstraße will die Volksrepublik die Handelsrouten mit dem übrigen Asien sowie Afrika und Europa ausbauen.

Während viele Afrikaner glauben, dass die Investitionen der Volksrepublik einen lange notwendigen Entwicklungsschub ermöglichen, beanstanden Kritiker die "neokolonialen Eroberung" Afrikas durch China. Peking habe keine Scheu, mit Autokraten zu arbeiten, solange es sich Zugang zu Afrikas Bodenschätzen sichern könne, sagt der südafrikanische Wirtschaftsexperte William Gumede.