Luftreinhaltung

China verbietet den Bau von Spritfressern

Finn Mayer-Kuckuk

Von Finn Mayer-Kuckuk

Di, 02. Januar 2018 um 22:00 Uhr

Wirtschaft

Die Regierung in Peking arbeitet auf eine Abkehr vom Verbrennungsmotor hin. Vorrangiges Ziel ist eine Verbesserung der Luftqualität.

Die chinesische Regierung erhöht den Druck auf Autohersteller, zur Luftreinhaltung beizutragen. Zum Jahresanfang hat sie die Herstellung von 553 Modellen verboten, die neue Vorgaben für niedrigen Spritverbrauch nicht erfüllen. Das teilte das Amt für Fahrzeugtechnik in Peking mit. Das Verbot gehöre zu einem Langfristplan, der die Emissionen deutlich verringern soll, berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Am Ende stehe die Abkehr vom Verbrennungsmotor.

In der Verlautbarung werden auch Typbezeichnungen von Audi und Daimler genannt. Staatsmedien führten Volkswagen als Beispiel für einen betroffenen Anbieter an. Die Hersteller sehen die Regelung jedoch gelassen. "Alle derzeit in China in Produktion befindlichen Modelle erfüllen die Vorschriften", sagte ein VW-Sprecher. Die Mitteilung beziehe sich vermutlich auf ältere Modelle, die früher in China auf dem Markt waren. Der Vorgang, Autos aus dem Verkehr zu ziehen, die neueren Normen nicht entsprechen, sei auch international nichts Ungewöhnliches. Die strengeren Verbrauchsvorgaben sind bereits seit September im Gespräch. Sie betreffen vor allem Anbieter, deren Technik sich nicht auf aktuellem Stand befindet. Nach Aussage eines Vertreters des Personenwagenverbands umfasst die Liste von 553 verbotenen Typen nur "einen winzigen Prozentsatz" der Autos, die sich in aktueller Produktion befinden.

Peking steht unter Druck, den Bürgern wieder bessere Luft zu bieten. Anfang Dezember hatte Präsident Xi Jinping eine Trendwende zur effektiven Umweltpolitik bekräftigt. Der Produktionsstopp für die Automodelle ist nur ein Teil des Vorhabenpakets, das die Regierung derzeit abarbeitet. In Nordchina mussten im Dezember viele Haushalte frieren, weil Peking das Heizen mit Kohle zum Teil verboten hatte. Die Autoindustrie müsse mit weiteren Verschärfungen der Vorschriften rechnen, sagte Wang Liusheng vom Wertpapierhaus China Merchants Securities der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Regierung werde in Zukunft weiter Listen mit unerwünschten Modellen veröffentlichen, ist der Analyst überzeugt.

Während Peking den Bau von Benzinfressern verbietet, steigert es die Anreize für den Kauf von sparsamen und sauberen Autos. Auch in den nächsten drei Jahren werde es Steuererleichterungen beim Kauf von Hybrid- und Elektroautos geben, berichtet Xinhua. Zuvor war ein Abschmelzen der Steuervorteile im Gespräch gewesen. Auf Druck der Autoindustrie bleiben sie nun erhalten.

In Großstädten wie Peking ist es jetzt schon fast unmöglich, einen reinen Benziner als Erstkäufer neu anzumelden. Elektroautos von Anbietern wie BYD oder Tesla sind daher schwer gefragt. Bis 2025 soll ein Fünftel aller verkauften Fahrzeuge an der Steckdose aufladbar sein. "Die Regierung arbeitet an einem Zeitplan für den Ausstieg aus Produktion und Absatz von benzingetriebenen Autos", sagte Xin Guobin, Vizeminister für Industrie und Informationstechnik, im Sommer.