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21. Juli 2012

Spanische Bankenkrise

Das Misstrauen der Investoren bleibt

Trotz des Hilfspakets für spanische Banken steigen die Renditen der Staatsanleihen des Landes.

  1. Die Rezession verschärft die Armut: ein Bettler in Barcelona Foto: DAPD

FRANKFURT. Die Euro-Finanzminister haben das Hilfsprogramm von bis zu 100 Milliarden Euro für marode spanische Banken freigegeben. Für die Geldhäuser stehen Soforthilfen von 30 Milliarden Euro bereit. In Deutschland warnen Ökonomen vor immer weiter steigenden Risiken für den Steuerzahler hierzulande und einer Vergemeinschaftung von Schulden ohne Kontrollmöglichkeiten.

Fließt Steuergeld aus Deutschland
direkt an spanische Banken?
Nein. Der spanische Staat hat die Hilfen aus dem EFSF beantragt, nicht die Banken. Er haftet. Die Mittel gehen an den spanischen Bankenrettungsfonds Frob. Zwar wurden auf dem jüngsten Euro-Gipfel die Weichen gestellt, damit der dauerhafte Euro-Krisenfonds ESM angeschlagenen Banken in Zukunft direkte Kapitalspritzen setzen kann. Doch Voraussetzung dafür ist eine gemeinsame Bankenaufsicht im Währungsraum, die mit starken Eingriffsrechten in die nationalen Finanzsektoren ausgestattet wäre. Selbst wenn diese Einrichtung steht, was Zeit braucht, könnte Berlin weiter darauf beharren, dass Krisenstaaten selbst und nicht die Euro-Gemeinschaft für marode Banken haften. Diese Sicht, wonach auch künftig die Staaten haften, ist aber in der Eurozone umstritten.

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Wie teuer kommt Berlin die
Bankenrettung zu stehen?
Wie bei den Hilfspaketen für die anderen Krisenländer handelt es sich bei den Rettungsgeldern für Spanien um Bürgschaften und verzinste Kredite. Unmittelbare Belastungen des Bundeshaushalts sollen sich nicht ergeben. Dennoch steigt mit jedem Patienten am Euro-Tropf die Höhe der potenziellen Verluste. Den deutschen Beitrag am EFSF beziffert die Bundesregierung auf 29,07 Prozent, beim Nachfolger ESM sollen es 27,15 Prozent sein. Deutschland geht mit der Euro-Rettung immer höhere Risiken ein. Allerdings sehen Experten auch bei einem Zerfall des Währungsraums große Gefahren für den Bund.

Welche Auflagen muss
Spanien erfüllen?

Die Überwachung des Finanzsektors in Spanien wird verstärkt, zudem muss eine Bad Bank für faule Immobilienkredite eingerichtet werden. Geldhäuser müssen nach EU-Regeln umgebaut werden, um Wettbewerbsverzerrungen zu verhindern. Neben diesen umfassenden Reformen im Bankensektor muss Spanien auch Sparvorgaben einhalten. Bis Ende 2014 will die konservative Regierung bis zu 65 Milliarden Euro einsparen. Madrid muss bis 2014 seine Neuverschuldung unter die Maastrichter Marke von drei Prozent der Wirtschaftsleistung drücken.

Bringen die Bankenhilfen den
erhofften Befreiungsschlag?
Viele Experten bezweifeln dies. "Wir erwarten trotz des Bailouts (Hilfen) nicht, dass spanische Banken wieder mehr Geld an Haushalte und Unternehmen verleihen werden", kommentiert Citigroup-Ökonom Ebrahim Rahbari das Rettungspaket. Vielmehr sei davon auszugehen, dass Spanien bis Anfang 2013 den kompletten Staatshaushalt unter den Rettungsschirm stellt, erwarten etliche Experten wie Rahbari. Spanien steckt in einer Abwärtsspirale aus Rezession, Haushaltseinschnitten und steigendem Zinsdruck bei der Geldaufnahme. Für die Schuldenaufnahme muss das Land an den Anleihemärkten immer höhere Zinsen zahlen. Derzeit beträgt die Rendite für spanische Staatsanleihen mehr als sieben Prozent. Da der Staat für die Bankenhilfen haften muss, wächst sein Schuldenberg, was das Misstrauen der Investoren noch erhöht. "Dieser Teufelskreis ist der Sprengsatz, der die Währungsunion in ihrem Kern bedroht", heißt es in einer Analyse von Adalbert Winkler, Professor der Frankfurt School of Finance.

Wer profitiert am meisten von
den Milliardentransfers?
Wie der Begriff Bankenrettung schon sagt: Banken. Und zwar nicht nur spanische Institute. So haben auch deutsche Geldhäuser den Immobilienboom fleißig mitfinanziert und laut Zahlen der Bundesbank immer noch mehr als 100 Milliarden Euro an ausstehenden Krediten in Spanien im Feuer. Das Argument dafür, die Banken nicht fallen zu lassen, sind Ansteckungsgefahren. Die Pleite einer Bank könnte auch andere Kreditinstitute in den Abgrund reißen und so zu einem Vertrauensverlust in der gesamten Wirtschaft führen.

NEUE MILLIARDENLÖCHER

Bei einer teilverstaatlichten Bank in Österreich gibt es wohl neue Milliardenlöcher. Die frühere Bayern-LB-
Tochter Hypo Alpe Adria könnte noch einmal zwei bis fünf Milliarden Euro Staatshilfe benötigen, schreibt das Magazin Format.  

Autor: dpa

Autor: Hannes Breustedt (dpa), Seite 4


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