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01. Februar 2012

Deutschland hängt die Eurozone ab

Während die Erwerbslosigkeit anderswo stark steigt, bleibt der hiesige Arbeitsmarkt robust / Aber Sorge um Langzeitarbeitslose.

NÜRNBERG. Der Arbeitsmarkt ist mit Volldampf ins Jahr gestartet. Mit 3,09 Millionen lag die Zahl der als erwerbslos Registrierten im Januar zwar um 300 000 über dem Niveau des Vormonats. Der Grund für dieses Plus ist laut Bundesagentur für Arbeit (BA) aber die kalte Jahreszeit. So kommt es, dass die Behörde die niedrigsten Erwerbslosenzahlen seit dem Wiedervereinigungsboom vor 20 Jahren registrierte. Wegen dieses Erfolgs rücken verstärkt die Langzeitarbeitslosen in den Fokus.

BA-Chef Frank-Jürgen Weise räumte am Dienstag ein: "Wir sind von dieser positiven Entwicklung auch überrascht." Was die weitere Entwicklung angeht, gibt sich Weise zurückhaltend. Er geht allerdings tendenziell davon aus, dass der deutsche Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten weiter rund läuft – ganz anders als der in vielen anderen Staaten Europas. Durch die Krise der Eurozone hat sich die Arbeitslosigkeit in den Euroländern zum Jahreswechsel auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt erhöht. So hängt Deutschland derzeit viele große Wettbewerber weiter ab.

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Je länger der Boom auf dem deutschen Jobmarkt dauert, desto stärker geraten Langzeitarbeitslose in den Blick. Ihre Zahl lag im Durchschnitt des vergangenen Jahres bei 1,056 Millionen. Kritiker sagen, das seien noch immer viel zu viele – und sie fordern für diese Gruppe mehr Aus- und Fortbildung. Nur so lasse sich die immer weiter auseinanderklaffende Schere zwischen Fachkräftemangel und Langzeitarbeitslosigkeit schließen. Derzeit ist jeder dritte Erwerbslose länger als ein Jahr arbeitslos – und dies trotz eines nie dagewesenen Stellenangebots. Allein im Januar waren bei der Bundesagentur mehr als 450 000 freie Stellen gemeldet.

Die BA sagt, die Zahl der Langzeitarbeitslosen sei 2011 immerhin um sechs Prozent gesunken. Die Behörde räumt aber ein: Nicht jeder Arbeitslose, der aus der Arbeitsmarktstatistik verschwindet, hat eine Arbeit gefunden. So hätten von den Jobsuchern, "die sich 2011 aus Arbeitslosigkeit abmeldeten", nur wenige einen neuen Job gefunden. Tatsächlich waren es 2011 gut 30 Prozent. Weitere 20 Prozent starteten eine Ausbildung oder begannen eine von der Arbeitsagentur vermittelte Aus- und Fortbildung. Die Mehrzahl der Erwerbslosen wurde aus der Statistik gestrichen, weil sie erkrankten, sich wegen Kindererziehung nicht vermitteln ließen oder sich gegen eine Jobvermittlung sträubten.

Autor: Klaus Tscharnke (dpa) / BZ