Exportstärke

Deutschland wird Weltmeister – beim Leistungsbilanzüberschuss

Bernd Kramer,dpa

Von Bernd Kramer & dpa

Di, 21. August 2018 um 09:00 Uhr

Wirtschaft

Seine Exportstärke wird Deutschland nach Berechnungen des Ifo-Instituts auch in diesem Jahr den weltgrößten Überschuss in der Leistungsbilanz bescheren.

Seine Exportstärke wird Deutschland nach Berechnungen des Ifo-Instituts auch in diesem Jahr den weltgrößten Überschuss in der Leistungsbilanz bescheren. Zwar dürfte der Überschuss auf 7,8 Prozent der Wirtschaftsleistung leicht sinken, nach 7,9 Prozent im vergangenen Jahr, teilte das Münchner Forschungsinstitut mit. Dennoch dürfte Deutschland wie schon in den zwei Jahren zuvor das Land mit dem größten Leistungsbilanz-Überschuss werden.



Die Münchner Ifo-Forscher erwarten für 2018 einen Überschuss von 299 Milliarden Dollar (264 Milliarden Euro). Auf Rang zwei folgt Japan mit einem Überschuss von 200 Milliarden Dollar. Das entspricht vier Prozent der Wirtschaftsleistung. Auf dem dritten Platz befinden sich die Niederlande. Ihr Überschuss liegt bei 110 Milliarden Dollar, was zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht. Das größte Leistungsbilanzdefizit werden nach Einschätzung des Ifo-Instituts die Vereinigten Staaten aufweisen. Es werde voraussichtlich bei 420 Milliarden Dollar liegen, was allerdings für nur 2,2 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung steht. Die Volksrepublik China ist in diesem Jahr nicht mehr unter den ersten drei Ländern mit den höchsten Überschüssen zu finden.

Der deutsche Überschuss ist laut Ifo vor allem auf den Warenhandel zurückzuführen. Die Ausfuhr von deutschen Gütern werde vor allem von der Nachfrage in den Euroländern, den anderen EU-Staaten und den USA getrieben. Ebenfalls positiv zum Überschuss würden die Erträge aus dem Auslandsvermögen beitragen. Sie liegen bei 63 Milliarden Dollar. Bei den Dienstleistungen gab es jedoch ein Defizit: Es lag bei 18 Milliarden Euro.

Die anhaltend hohen deutschen Leistungsüberschüsse sorgen für Kritik. Der Vorwurf lautet: Deutschland exportiert seine Handelspartner kaputt. In Deutschland werde zu wenig konsumiert und investiert. Damit blockiere die Bundesrepublik die Entwicklung in anderen Staaten. Die Überschüsse im Außenhandel sind insbesondere US-Präsident Trump ein Dorn im Auge. Er wirft Ländern mit hohen Überschüssen im Handel mit den USA unfaire Praktiken vor.

Nun ist ein Leistungsbilanzüberschuss per se nichts Positives. Er besagt grob, dass ein Land in einem Zeitraum mehr Geld für seine Ausfuhren von Gütern und Dienstleistungen erhält, als es für seine Importe ausgibt. Wie die Kritiker zu Recht meinen, wird in Deutschland weniger konsumiert und investiert, als möglich gewesen wäre. Sie sagen auch, dass eine solche Strategie nur aufgeht, wenn andere Länder sich im Gegenzug verschulden und die deutschen Exporte abnehmen. Gleichzeitig wachsen wegen des Überschusses aber die deutschen Forderungen gegenüber dem Ausland. Es wird also Kapital in das Ausland exportiert. Aus diesen Forderungen resultieren die Erträge aus den Auslandsvermögen. Diese Erträge sind ein Zubrot, wenn die eigene Wirtschaft wegen des demografischen Wandels kaum noch zulegt.
Leistungsbilanz

Die Leistungsbilanz ergibt sich aus der Handelsbilanz (Export und Import von Waren), der Dienstleistungsbilanz (Export und Import von Dienstleistungen), die Übertragungsbilanz (Überweisungen von öffentlichen Institutionen ins Ausland, Überweisungen von Gastarbeitern) und die Bilanz von Erwerbs- und Vermögenseinkommen (zum Beispiel Zinszahlungen aus dem Ausland an Inländer). Das Gegenstück zur Leistungsbilanz ist die Kapitalbilanz, die die Kapitalbewegungen erfasst.