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05. Januar 2009

Die Gentechnik ist schon fast überall

Tofu-Hersteller will mit einer Aktion darauf aufmerksam machen, dass es hundertprozentige Gentechnikfreiheit nicht mehr gibt.

FREIBURG. Fast zehn Jahre lang hat der Freiburger Bio-Tofu-Hersteller Life Food seine Produkte mit dem Label "Ohne Gentechnik" ausgezeichnet. Damit ist Schluss. Allerdings nicht, weil das Unternehmen nun gentechnisch veränderte Organismen einsetzen möchte. Im Gegenteil: Life Food will mit der Aktion darauf hinweisen, dass inzwischen auf der Welt so viele gentechnisch veränderte Pflanzen wachsen, dass kein Produkt mehr vor deren Einflüssen sicher ist.

In Baden-Württemberg wiesen im vergangenen Jahr 39 Prozent der amtlichen Sojaproben Spuren von gentechnisch veränderten Organismen auf – so viele wie noch nie. Auch die Firma Life Food hat bei eigenen Kontrollen ihrer Sojabohnen einige Male Verunreinigungen gefunden. Und dass, obwohl das Unternehmen eigentlich akribisch darauf achtet, dass keine gentechnisch veränderten Organismen in ihre Produkte gelangen. So bezieht der Bio-Tofu-Hersteller nur Soja von Vertragsbauern am Oberrhein und aus einem Kooperationsprojekt in Südbrasilien.

"Aber auch Bioprodukte sind nicht im Glashaus", sagt Gert Wodtke, Assistent der Geschäftsleitung. Auch sie seien den Einflüssen der konventionellen Landwirtschaft ausgesetzt. Mit seiner Kampagne wolle das Unternehmen auf die schleichende Veränderung in der Umwelt aufmerksam machen. Bei den aufgetretenen Verunreinigungen handelte es sich um gentechnisch veränderte Stäube. Diese ließen sich durch Waschen der Waren wieder entfernen. Außerdem lagen sie lediglich im Bereich der Nachweisgrenze, also unter 0,1 Prozent. Rechtlich gar kein Problem. Produkte mit der Aufschrift "Ohne Gentechnik" dürfen sogar bis zu 0,9 Prozent gentechnisch veränderte Organismen enthalten Auch der Gesetzgeber hat klar erkannt, dass trotz aller Bemühungen hundertprozentige Gentechnikfreiheit nicht mehr garantiert werden kann.

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Life Food spricht von Etikettenschwindel

Diese Vorgehensweise hält Life Food für Etikettenschwindel – den die Firma nicht länger unterstützen möchte. Viele Kunden kauften Bioprodukte, weil sie gentechnisch veränderte Lebensmittel gänzlich ablehnten, sagt Wodtke. Aber genau dies sei nicht mehr möglich.

Life Food zeichnet seine Produkte seit einigen Wochen statt mit dem offiziellen Label nun mit der Aufschrift "Gegen Gentechnik" aus. "Damit wollen wir dem Kunden deutlich machen, dass wir grundsätzlich gegen den Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen sind", sagt Wodtke. Die Kampagne sei bei den Verbrauchern gut angekommen. Er erwartet durch den Verzicht auf das offizielle Label keine Wettbewerbsnachteile für das Unternehmen.

Rechtlich ist allerdings noch nicht klar, ob Life Food tatsächlich seine Produkte mit "Gegen Gentechnik" auszeichnen darf. Laut europäischem Gentechnik-Durchführungsgesetz sei nur die offizielle Bezeichnung "Ohne Gentechnik" erlaubt, sagt Hans-Ulrich Waiblinger vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg. Er kündigte an, den Fall zu prüfen.

Label "Ohne Gentechnik"

Label "Ohne Gentechnik"

Das Label "Ohne Gentechnik" gibt es in neuer Form seit Mai 2008. Die Auflagen sind nun nicht mehr ganz so streng wie früher. Sowohl Bioprodukte als auch konventionelle Lebensmittel dürfen Verunreinigungen bis zu 0,9 Prozent enthalten. Außerdem gelten bei Tierfutter Fristen. So darf ein Schwein bis zu vier Monate vor seiner Schlachtung noch gentechnisch veränderte Futterpflanzen fressen. Trotz der geringeren Auflagen setzen nach wie vor nur sehr wenige Unternehmen das Label ein – hauptsächlich, weil der Handel nicht mitzieht. Drei Viertel der Verbraucher sprechen sich für gentechnikfreie Lebensmittel aus.  

Autor: bbe

Autor: Beate Beule