27. März 2009

Die Krise lässt sich nicht wegfunkeln

BASEL. Auch die internationale Schmuck- und Uhrenindustrie leidet unter dem Abschwung – versucht aber dennoch auf der Branchenschau Baselworld mit viel Funkeln und Glitzern Optimismus zu verbreiten.

125000 Euro kostet diese Hello-Kitty-Katze mit einem Diamanten, 1939 weißen Topasen, 403 rosa Saphiren und tausenden Perlen. | Foto: afp
Die Messe versprüht noch bis kommenden Donnerstag im beschaulichen Basel internationales Flair. Im Inneren der Hallen ist auf den ersten Blick von Krise nichts zu sehen. Luxusmarken wie Tissot, Chopard, Swarovski und Patek Philippe stellen ihre neuen Kollektionen in und an den bis zu dreistöckigen Messeständen vor – in der "Hall of Dreams", der Halle der Träume. Die wertvollen Zeitmesser und verführerischen Schmuckkreationen laden, wenn schon nicht zum Kauf, doch zum Träumen ein.

Schaut man aber auf die nicht gerade funkelnden Prognosen für dieses Jahr, drängt sich der Eindruck auf, die Aussteller wollen die schlechten Zeiten mit poliertem Platin und funkelnden Brillianten überspielen. Die heimischen Schweizer Uhrenmacher rechnen in diesem Jahr damit, dass bis zu 20 Prozent weniger Bestellungen eingehen als im Vorjahr. "Die Branche wird im Krisenjahr zu ihren traditionellen Werten zurückkehren", meint der Schweizer Ausstellungschef François Thiébaud. Er prognostiziert den Umsatz aber dennoch auf ein ähnlich "ansehnliches Niveau" wie das der Jahre 2006 und 2007. So gut wie im vergangenen Jahr werde es aber nicht laufen. Die Preise für die Luxusartikel gehen etwas zurück, alles werde weniger extravagant. Das Vertrauen der von der Finanz- und Wirtschaftskrise gebeutelten Konsumenten müsse jetzt zurückgewonnen werden, rät Thiébaud.

Werbung


Einige Händler sprechen von Marktbereinigung, bei der nur die Stärksten überleben. Swarovski kündigte jüngst einen Stellenabbau von 600 Mitarbeitern aufgrund zunehmender Konkurrenz aus den Billiglohnländern an. Ein Abbau deutscher Arbeitsplätze sei aber nicht geplant, sagt die Pressesprecherin Agnes Biewer.

Der sächsische Uhrenmacher Glashütte übt sich in Basel in etwas mehr Bescheidenheit als früher und hat neben mechanischen Luxusuhren für bis zu 120 000 Euro auch vergleichsweise günstige Stücke in seinem Messestand liegen.

Selbst wenn die Messedirektorin Sylvie Ritter betont, dass die sechs Hallen der Baselworld gut gefüllt sind, kamen mit 1952 immerhin 135 Aussteller weniger als im vergangenen Jahr. Auch die Ausstellungsfläche fiel kleiner aus als 2008. Während mehr Uhrenmacher gekommen sind, fehlen zahlreiche Schmuckfirmen – laut Messedirektorin Ritter zumeist konkursbedingt. Auch die Delegationen fielen in diesem Jahr kleiner aus.

Wem schlägt die Stunde? Die Uhren- und Schmuckmesse in Basel kann sich der Krise nicht entziehen. Foto: afp



"Der Fachhandel hatte in den vergangenen Monaten einen guten Geschäftsverlauf", sagt Peter Rost vom Bundesverband Schmuck und Uhren. Aber die Erwartungen der Hersteller seien für das Jahr 2009 "eher von Zurückhaltung geprägt", wie er es ausdrückt.

Vor allem Händler aus den USA hielten sich mit den Bestellungen zurück, sagt die Sprecherin von Glashütte, Christina Murcek. "Uns geht es aber im Vergleich zu anderen Unternehmen noch relativ gut." Privatkunden kauften kaum noch Uhren mittlerer Preisklasse, hat sie beobachtet. Als solche bezeichnet Murcek Stücke im Wert zwischen 5000 und 16 000 Euro. Teurere Manufakturwerke und mechanische Uhren würden dagegen verstärkt von immer noch sehr wohlhabenden Kunden gekauft – als solide Anlageobjekte.  

Autor: Ann-Cathrin Jesch



0 Kommentare

Damit Sie Artikel auf badische-zeitung.de kommentieren können, müssen Sie sich bitte einmalig bei Meine BZ registrieren. Bitte beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.