Erneuerbare Energien

Die Ökostromgruppe will 8 neue Windräder in Südbaden bauen

Barbara Schmidt

Von Barbara Schmidt

Fr, 24. August 2018 um 18:30 Uhr

Wirtschaft

Bei Biederbach im Kreis Emmendingen könnte noch dieses Jahr mit dem Bau von drei neuen Windrädern begonnen werden. Auch bei Seelbach in der Ortenau ist ein Windrad geplant, bei Hausach im Kinzigtal sind es sogar vier.

Neue Standorte in Südbaden

"Wir gehen davon aus, dass wir noch dieses Jahr die Genehmigungen erhalten", sagte Andreas Markowsky, Geschäftsführer der Ökostromgruppe, am Freitag in Freiburg in einem Pressegespräch. Die drei Rotoren auf dem Höhenzug Rotzel zwischen Biederbach, Freiamt und Schuttertal könnten nächstes Jahr in Betrieb gehen und laut Markowsky zusammen etwa 20 Millionen Kilowattstunden im Jahr erzeugen – Strom für zirka 6500 Haushalte. Die Projekte auf dem Höhenzug Kallenwald bei Seelbach und auf dem Hohenlochen bei Hausach seien ebenfalls "schon auf der Zielgeraden", so Markowsky. Die jeweiligen Gemeinderäte hatten – zum Teil nach langer Diskussion – keine Einwände. Proteste kamen allerdings von einigen Anwohnern.

Neue Rotoren an alten Orten

Etliche Anlagen der Ökostromgruppe laufen bereits seit Anfang des Jahrtausends. Seither hat sich die Technik rasant weiterentwickelt. Heutige Anlagen sind größer und leistungsstärker. Deshalb baut die Ökostromgruppe alte Windräder ab und setzt an ihre Stelle neue; in der Branche heißt das "Repowering". Geschehen ist das bisher in Lahr und Schuttertal. Solche Standorte seien bereits erschlossen, ans Netz angebunden und von der Bevölkerung akzeptiert, nannte Markowsky als Vorteile des Repowerings. Außerdem genügten von den neuen Anlagen weniger, um dieselbe Menge an Strom zu erzeugen. So bringe zum Beispiel eine neue, 138 Meter hohe Windmühle mit 2,3 Megawatt Nennleistung mehr als zwei alte, 85 Meter hohe mit jeweils 1,8 Megawatt.

Deshalb könnten sich auf dem Rosskopf bei Freiburg irgendwann nur noch zwei statt vier Rotoren drehen, vielleicht mit 70 statt 35 Meter langen Flügeln. Auch für die Holzschlägermatte gibt es Austauschpläne: "Wir werden die Voraussetzungen schaffen, dass wir Anfang des nächsten Jahrzehnts repowern können", so Markowsky. "Ob wir dann wirklich bauen, hängt aber natürlich davon ab, ob es sich rechnet."

Rechnen soll es sich auch für die Anleger, die Anteile an den Anlagen gekauft haben. In den ersten Jahren, wenn noch Kredite abbezahlt werden müssen, bekommen sie weniger Geld ausgeschüttet als später, wenn keine Schulden mehr auf dem Windrad lasten. Wird das schuldenfreie Rad dann jedoch abgebaut und durch ein neues ersetzt, für das wieder neue Kredite aufgenommen werden, "müssen wir natürlich dafür sorgen, dass Gesellschafter der alten Anlage nicht schlechtergestellt werden", betonte Markowsky.

Wertvoller Strom aus dem Süden

Wer meint, Windstrom sollte nur an der Küste oder auf See (Offshore) produziert werden, bekommt von Markowsky folgende Rechnung präsentiert: Wenn es in Norddeutschland oder sogar bundesweit stürmt, gibt es Windstrom im Überfluss. Die Börsenpreise gehen in den Keller, die Stromhändler müssen billig verkaufen. Stürmt es aber nur in Süddeutschland und im Rest des Landes nicht, können die Händler den im Süden erzeugten Strom an der Börse teuer verkaufen. "Windstrom aus dem Schwarzwald ist im Schnitt wertvoller als Windstrom aus dem Norden", meinte Markowsky. "Das trifft sicherlich auf ein Viertel der von uns erzeugten Strommenge zu."

Unter dem Dach der Ökostromgruppe mit Sitz in Ebringen sind knapp zwei Dutzend Beteiligungsgesellschaften vereint, hinter denen rund 2500 Anteilseigner stehen. Sie betreiben in der Region bisher 28 Windkraftanlagen, die zusammen etwa 60 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugen. Hinzu kommen 143 Solar- und sieben Wasserkraftanlagen. "Etwa 70 Prozent unserer Gesellschaften laufen so, wie wir es uns gedacht hatten, 20 Prozent laufen besser, zehn Prozent schlechter", zog Markowsky Bilanz. Wie hoch am Ende die Rendite für die Anleger sein wird, ist offen.

Kritik an der Bundespolitik

Die Breisgauer sehen sich als Vorkämpfer für die Energiewende – und fühlen sich dabei durch Berlin gebremst. Das neue Ausschreibungsverfahren etwa, das seit Anfang 2017 für alle größeren Windkraftanlagen verpflichtend ist, führe zu einer Konzentration auf Großkonzerne und Norddeutschland, kritisierte Markowsky. Leider werde nicht berücksichtigt, dass es rund vier Cent pro Kilowattstunde teurer sei, Strom von der Küste in den Schwarzwald zu transportieren, als ihn vor Ort zu produzieren. "Die verbrauchsnahe Produktion ist mit Abstand die volkswirtschaftlich Sinnvollste, daher sollte die Politik die Voraussetzungen schaffen, dass sie möglich ist", forderte er. Die Landesregierung setze sich bereits dafür ein. In Baden-Württemberg sei der Artenschutz die größte Hürde, doch trotz aller Hemmnisse komme der Ausbau der Windkraft voran. "Wir sind hartnäckig."