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11. August 2014

Die Schotten wollen nur noch Ökostrom

Die Volkswirtschaft will raus aus der Atomkraft und strebt 100 Prozent Erneuerbare bis zum Jahr 2020 an.

FREIBURG/EDINBURGH. Am 18. September blickt ganz Europa nach Schottland. An diesem Tag entscheiden die Bürger im Norden Großbritanniens in einem Referendum über ihre Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich. Dabei geht es auch um wirtschaftspolitische Fragen.

Dass viele Schotten in dieser Hinsicht anders denken als die Engländer, zeigt sich auch in der Energiepolitik. Schottland will aus der Atomkraft aussteigen und seinen Strombedarf im Jahr 2020 komplett aus erneuerbaren Energien decken – unabhängig vom Ausgang des anstehenden Referendums.

"Die erneuerbaren Energien sind ein zentrales Element unserer Strategie für ein erfolgreiches Schottland", sagt Energieminister Fergus Ewing. Und tatsächlich ist das Land in dieser Hinsicht schon weit gekommen. Im vergangenen Jahr deckte es seinen Stromverbrauch bereits zu 46,5 Prozent aus erneuerbaren Quellen. Der Anteil steigt seit Jahren, zuletzt um annähernd fünf Prozentpunkte jährlich. Der Schwenk zu den Erneuerbaren in Schottland ist auch der nüchternen Erkenntnis geschuldet, dass die Region wirtschaftliche Perspektiven für die Zeit nach dem Nordseeöl braucht, denn die Fördermengen sinken rapide. Vor allem setzt das Land aktuell auf die Windkraft, in einigen Jahren soll aber auch die Meeresenergie – vor allem die Wellenkraft – einen zunehmenden Beitrag leisten.

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Ende vergangenen Jahres waren in Schottland Windkraftanlagen mit 4,5 Gigawatt an Land und 190 Megawatt auf See installiert. An der schottischen Küste steht seit Herbst auch die größte Windkraftanlage der Welt, nämlich in Methil, rund 20 Kilometer nordöstlich von Edinburgh. Die Turbine von Samsung hat Rotorblätter von 83,5 Meter Länge und eine Leistung von sieben Megawatt.

11 700 Menschen arbeiten in Schottland in der Branche der erneuerbaren Energien. Auch Firmen aus Deutschland sind dort längst präsent, wie etwa der Projektierer Abo Wind aus Wiesbaden, oder die Anlagenbauer Nordex, Enercon und Senvion (ehemals Repower).

Aber Schottland will nicht nur die Ökostromerzeugung erheblich ausbauen, das Land will parallel auch weg von der Atomkraft. Schon Jahre vor der Fukushima-Katastrophe schrieb die Regierung das Ende der Kernspaltung im eigenen Land in ihr Programm. Aktuell laufen noch vier Blöcke: die beiden Reaktoren Hunterston B nahe Glasgow und die beiden Blöcke Torness nahe Edinburgh. Das Werk Hunterston soll als erstes im Jahr 2016 vom Netz gehen.

Neue Atommeiler, so viel ist für die schottische Regierung in Edinburgh klar, wird es nicht mehr geben, vor allem, weil es "keine klare, verlässliche Aussage über die Lagerung von Atommüll" gebe. Schottland sei "nicht bereit, solche hohen Kosten für diese und zukünftige Generationen zu tolerieren", erklärte die schottische Regierung bereits 2007 gegenüber London. Die britische Zentralregierung hingegen will noch neue Reaktoren bauen, wie sie zuletzt mit der Planung des Projekts Hinkley Point an der Südwestküste Englands demonstrierte.

Unterdessen soll es bei der Energiewende in Schottland aber nicht nur um umweltfreundliche Stromerzeugung gehen, sondern auch um den Aufbau dezentraler Strukturen. 500 Megawatt an Erzeugungskapazitäten sollen im Jahr 2020 im Besitz der Gemeinden und der örtlichen Bevölkerung sein. Auch das hat die schottische Regierung als Ziel vorgegeben. Und so machen auch die Bürger längst mit beim Umbau der Stromwirtschaft; vor allem auf den Inseln sind Kleinwindkraftanlagen mit zum Teil nur wenigen Kilowatt Leistung sehr populär. Ein Teil davon wird auf den landwirtschaftlichen Gehöften sogar netzautark betrieben – Unabhängigkeit steht bei den Schotten offensichtlich in jeder Hinsicht hoch im Kurs.

Autor: Bernward Janzing