Die Waschnuss ist auch nicht die Lösung

Sabine Metzger

Von Sabine Metzger (dpa)

Mi, 29. August 2018

Wirtschaft

Nicht jedes Öko- oder Bio-Waschmittel schont tatsächlich die Umwelt / Zwei Siegel geben Orientierung / Auf Weichspüler sollten Verbraucher möglichst verzichten.

DÜSSELDORF. Ökologische Waschmittel versprechen nicht nur saubere Kleidung, sondern auch ein reines Gewissen. Wer die Umwelt beim Wäschewaschen aber wirklich schützen will, sollte bei der Wahl des Mittels auf Details achten.

Die Begriffe "bio" oder "öko" seien in dem Bereich nämlich nicht definiert, sagt Marcus Gast vom Umweltbundesamt. "Üblicherweise beziehen sich die Hersteller damit auf die Herkunft der verwendeten Rohstoffe, und da kann jeder werben, wie er lustig ist." Hinzu kommt: Auch natürliche Rohstoffe können in heimischen Gewässern zur Belastung werden. Orangenschalen-Öl zum Beispiel "riecht gut und ist ein sehr gutes organisches Lösemittel. Es ist aber auch giftig für Wasserorganismen", betont Gast. "Wenn an Land eine Orange verschimmelt, ist das kein Problem. Aber in konzentrierter Form im Wasser wird es gefährlich."

Das klingt ernüchternd. Trotzdem ist es nicht egal, für welches Waschmittel man sich als Verbraucher entscheidet. Denn obwohl sich beim Umweltschutz schon viel bewegt hat, bleiben Probleme. Beispielsweise hat die EU den Einsatz von Phosphor mittlerweile streng reguliert, um übermäßiges Algenwachstum und daraus folgenden Sauerstoffmangel in den Gewässern einzudämmen. Auch Tenside (waschaktive Substanzen) müssen schon seit 2004 in Kläranlagen leicht abbaubar sein. Keine Beschränkungen gibt es bislang für Mikroplastik. "Das steckt oft in Flüssigwaschmitteln – nur für die Optik", sagt Gast. Winzige Plastikpartikel sorgen dafür, dass die Farbe des Waschgels je nach Lichteinfall changiert. Die Waschleistung verbessern sie nicht.

Als weiteres wesentliches Problem nennt Gast die Duftstoffe in den Waschmitteln. "Viele Komponenten sind giftig für Wasserorganismen", so der Experte. Außerdem seien sie schlecht biologisch abbaubar. "Deswegen riecht das Abwasser oft ganz hervorragend, wenn es aus der Kläranlage kommt. Bestimmte Moschusverbindungen findet man dann im Fettgewebe von Speisefischen." Für Verbraucher bergen Duftstoffe noch ein weiteres Risiko: Sie können Allergien auslösen. Rund 88 Prozent der Duftstoffe im Abwasser stammen laut Gast aus Haushaltswaschmitteln, Duftperlen oder Weichspülern.

Wer beim Einkauf darauf verzichten will, kann sich an Umweltsiegeln orientieren, allen voran dem EU-Ecolabel (auch Euroblume genannt) sowie dem Blauen Engel. "Das sind die einzigen Label, die wir bei Waschmitteln wirklich empfehlen", sagt Philip Heldt von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Mit diesen Siegeln gekennzeichnete Waschmittel enthalten kein Mikroplastik und entweder keine oder nur geringe Dosen von Konservierungs- und Duftstoffen.

So eindeutig sind aber nicht alle Siegel: Manche beziehen sich nicht auf Inhaltsstoffe und deren Umweltwirkung, sondern auf die Produktion der Waschmittel. Andere sind einfach intransparent. Heldt weist jedoch darauf hin, dass ein fehlendes Zertifikat nicht unbedingt heiße, dass das Produkt schlecht für die Umwelt sein müsse. "Es gibt auch Waschmittel, die man sogar im Bioladen kaufen kann. Manche dieser Anbieter gehen über die Anforderungen der Zertifikate hinaus und sparen sich genau deshalb das Geld für eine teure Zertifizierung, weil sie noch mehr leisten", sagt er.

Abgesehen von der Umweltfreundlichkeit dürfte das wichtigste Kaufkriterium die Waschkraft sein. Produkte mit dem EU-Ecolabel oder dem Blauen Engel müssen ebenso gut waschen wie ein Markenprodukt oder das führende No-Name-Produkt. Waschmittel, die diese Siegel nicht tragen, müssen Verbraucher im Zweifel zu Hause selbst testen. "Es haben nicht alle Öko-Waschmittel die gleiche Waschkraft", sagt Heldt.

Rosskastanien haben eine gute Waschleistung

Grund sei die unterschiedliche Zusammensetzung. "Manche Mittel sind sehr puristisch: Seifenflocken mit Wasserenthärter. Andere enthalten Enzyme, die sich sehr gut biologisch abbauen lassen. Allerdings können sie Allergien auslösen." Weil viele Enzyme durch gentechnisch modifizierte Organismen produziert würden, lehnten einige Bio-Hersteller sie ab, ergänzt Heldt. Aus Umweltsicht seien sie aggressiven Chemikalien trotzdem vorzuziehen.

Von den als besonders umweltfreundlich beworbenen Waschnüssen rät der Verbraucherschützer ab. "Die Nüsse werden in Indien und Umgebung angebaut", erläutert Heldt. Die große Nachfrage in Deutschland habe die Preise in den Erzeugerländern "so in die Höhe getrieben, dass die Menschen jetzt vermehrt auf industrielle Reiniger setzen. Man tut also der Umwelt hier vor Ort einen Gefallen, aber dadurch wird in einer Gegend mit schlechteren Kläranlagen die Natur verseucht."

Wer gerne mit natürlichen Inhaltsstoffen experimentiert, könne sich an heimische Pflanzen halten. "Aus Rosskastanien kann man Waschmittel selbst herstellen. Das ist ziemlich simpel, die Wäsche wird auch zufriedenstellend sauber." Der Umweltvorteil gegenüber einem gekauften Bio-Waschmittel sei aber relativ gering.

Grundsätzlich sparen sollten sich Verbraucher Weichspüler – sogar in der Öko-Version. "Weichspüler sind grundsätzlich überflüssig", betont Heldt. "Sie belasten den Geldbeutel, das Abwasser und – wenn man Allergiker ist – auch noch die eigene Gesundheit." Manche schwören auf Essig als Alternative, doch das Forum Waschen und Waschmaschinen-Hersteller warnen, dass die Säure synthetische Fasern angreifen und die Gummiteile in der Waschmaschine schädigen könnte.