Ein altes Konzept lockt wieder

Rolf Obertreis

Von Rolf Obertreis

Mi, 22. August 2018

Wirtschaft

Man mietet Schreibtische zeitweise und teilt die Teeküche – Co-Working ist im Kommen.

FRANKFURT. Nachgefragt werden die Flächen bei Weitem nicht nur von Start-ups, sagt José Martinez, Geschäftsführer der Immobilienfirma BNP Paribas Real Estate. "Es ist auch die Old Economy. Anwälte, Wirtschaftsprüfer, Transportunternehmen oder Finanzdienstleister. Alle Branchen erfinden sich irgendwie neu und schauen auf solche Möglichkeiten." Damit sind kleine Büroflächen gemeint, gemietet für ein paar Wochen oder Monate, vielleicht auch für ein oder zwei Jahre, in größeren Einheiten mit anderen Mietern. Mit denen teilt man die Teeküche, Sanitäranlagen oder auch den Kopierer. Co-Working ist in Deutschland am Kommen. 2016 war die Nachfrage noch überschaubar, sagt Martinez. "Mittlerweile starten das Konzept und damit auch die Umsätze mit solchen Flächen durch."

An der Spitze liegen dabei Berlin und Frankfurt vor Hamburg und München. In der Hauptstadt wurden 2017 rund 60 500 Quadratmeter an Co-Working-Anbieter vermietet, in Frankfurt gut 50 000. In diesem Jahr erwartet Martinez mindestens das identische Volumen. Hauptabnehmer der Flächen ist jeweils der weltgrößte Anbieter, das US-Unternehmen "Wework", das allein 2017 in Frankfurt 21 000 Quadratmeter angemietet hat. Mit Design Offices tummelt sich auch ein deutsches Unternehmen in diesem Markt. Im Schnitt werden Flächen von gut 3300 Quadratmetern angemietet. Das ist viermal so viel wie bei üblichen Büros. An den gesamten Neuvermietungen von Büroflächen in Frankfurt hat Co-Working mittlerweile einen Anteil von fast zehn Prozent. Ähnlich sieht es in Berlin und München aus. "2016 waren es gerade mal 0,4 Prozent", sagt Martinez.

Dabei sei die Idee eigentlich nicht neu, solche Flächen gebe es schon seit mehr als 20 Jahren. "Aber Wework und Co haben das Thema neu erfunden, mit mehr Flexibilität, schicken Designs, oft in Lofts, die auch Rückzugsmöglichkeiten bieten". Dafür sind die Co-Worker dann auch bereit, höhere Mieten zu zahlen. In Frankfurt sind es derzeit im Schnitt rund 29 Euro pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Der Durchschnittsmietpreis für klassische Büros lag im ersten Halbjahr bei 18,30 Euro.

Trotz der zuletzt rasanten Entwicklung ist Co-Working aber noch eine Nische. Der Anteil am gesamten Büroflächenbestand in Berlin liegt nach Berechnungen von BNP bei 0,6 Prozent oder nicht einmal 115 000 Quadratmetern. In Frankfurt sind es 75 000 oder 0,5 Prozent des Bestandes. In München kommt Co-Working auf 0,3 Prozent des Bestandes, was etwa 60 000 Quadratmetern entspricht.

Hohe Auslastung der Co-Working-Flächen

Martinez sieht einen weiter wachsenden Markt, zumal in neuen Hochhäusern in Frankfurt und neuen Bürogebäuden auch in Berlin und München Flächen für Co-Working reserviert würden und große Unternehmen für einzelne zeitlich befristete Projekte eine solche Option im Blick hätten. Trotzdem sei eine Prognose schwierig. Zumal sich das Geschäft natürlich auch für Anbieter wie Wework oder Design Offices rechnen müsste. Derzeit sieht es rosig aus: Die Auslastung der Flächen, sagt Martinez, liege zwischen 82 und 86 Prozent. Neuvermietungen wegen des Brexit spielen dabei nach Angaben von Martinez keine Rolle. Dazu gebe es immer noch zu viele Unklarheiten. Die gute Nachfrage treibt auch die Mietpreise: An der Spitze rangiert dort Frankfurt mit 43 Euro pro Quadratmeter, in München sind es 37,50 und in Berlin mittlerweile auch 34 Euro.