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09. Februar 2010

Ein schwarzes Börsenjahr

Über 2009 können Aktionärsschützer nicht jubeln.

MÜNCHEN. Eine moralische Erneuerung in Wirtschaft und Finanzwelt tut unverändert Not. Diese Erkenntnis drängt sich angesichts des "Schwarzbuchs Börse" 2009 auf, das die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) in München vorgestellt hat. Kritisch aufgelistet werden dort im Vorjahr spektakulär "gestürzte Helden" wie der ehemalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, Kapitalvernichter wie die Pleitefirma Arcandor und eine zum Schaden von Anlegern unbelehrbare Zertifikatebranche. "Für die meisten Anleger war es trotz allgemeiner Kursgewinne ein schwarzes Börsenjahr", bilanzierte SdK-Chef Klaus Schneider.

Seien 2008 erst 18 börsennotierte Firmen pleite gegangen, sei deren Zahl im Vorjahr auf 29 gestiegen. "Das hohe Niveau wird uns 2010 erhalten bleiben", fürchtet der Aktionärsschützer. Vielfach seien dafür Managementfehler verantwortlich. Nur im Kreis der 30 Dax-Konzerne sieht er eine Tendenz zur Besserung. Negative Ausnahme sei die Commerzbank, deren Börsenwert 2009 um ein Fünftel gefallen ist, während jener der Deutschen Bank um vier Fünftel wuchs.

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Unter den gefallenen Helden sieht SdK-Vorstand Lars Labryga den Ex-Porsche-Chef Wiedeking als Prototyp eines falsch, weil nach kurzfristigen Maßstäben bezahlten Managers. Nach Milliardengewinnen 2008 habe er 60 Millionen Euro eingestrichen und Monate später Porsche an den Rand der Pleite manövriert.

Hart mit den Banken ins Gericht ging SdK-Vorstand Daniel Bauer wegen "Dreistigkeiten" bei Fondsgebühren und Zertifikaten. Nach desaströsen Erfahrungen mit Lehman-Zertifikaten hätte er erwartet, dass die Finanzbranche daraus lernt und mehr Vorsicht oder Fairness im Umgang mit diesen oft komplizierten Finanzprodukten an den Tag legt. Das Gegenteil sei der Fall.

Neu entdeckt hätten Finanzmanager Gebühren als neues Mittel zur Anlegerschädigung. Bei Zertifikaten würden neuerdings oft Zahlungsansprüche von Anlegern um kaum nachvollziehbare Kosten gemindert und so vielfach zu noch größeren "Geldvernichtungsmaschinen", an denen nur die Bank verdiene. Diese Unsitte greife verstärkt auch auf Aktienfonds über. Dort würden Banken bei angeblich gutem Abschneiden verstärkt eine Erfolgsgebühr berechnen, die zwischen fünf und 25 Prozent liegt.  

Autor: Thomas Magenheim-Hörmann