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DB-Navigator für das Smartphone macht Bahnreisen theoretisch komfortabler

Thomas Wüpper

Von Thomas Wüpper

Sa, 15. September 2018 um 12:11 Uhr

Wirtschaft

Der DB-Navigator für das Smartphone macht Bahnreisen komfortabler – wenn alles funktioniert. Auch RVF-Tickets sind buchbar.

Wer ein digitales Bahnticket nicht für sich selbst, sondern für Mitreisende kaufen will, muss aufpassen. Über das Onlineportal der Deutschen Bahn (http://www.bahn.de sind solche Buchungen möglich – über den DB-Navigator allerdings nicht.

Viele Reisende wissen das nicht – und warten bei der Buchung vergeblich auf die Frage, für wen das Ticket sein soll. Wer trotzdem weiterklickt, hat den Fahrschein am Ende für sich selbst gebucht. Dann helfen nur eine schnelle Stornierung und die Hoffnung, dass die Bahn die Rückgabe akzeptiert.

In der beliebten Anwendung für das Smartphone fehlen deutliche Hinweise darauf, dass eine Buchung für Dritte nicht möglich ist. Ein Bahnsprecher räumt auf BZ-Anfrage ein, dass die Hinweise "nicht gut genug gekennzeichnet" seien und von Kunden übersehen werden könnten. Bei schnell gemeldeten Fehlbuchungen zeige sich die Bahn aber kulant, so der Sprecher. Und von Oktober an würden die Hinweise in der mobilen Buchungsstrecke besser sichtbar platziert werden. Zudem prüfe man, ergänzt der Sprecher, ob die Buchung für Dritte auch mit der App ermöglicht werden kann.

Ausdruck auf Papier nicht mehr nötig

Der DB-Navigator gilt als eine der erfolgreichsten Reise-Apps in Deutschland. 957 Millionen Mal nutzten Reisende vergangenes Jahr nach Angaben der Deutschen Bahn allein die Auskunft nach Zugverbindungen. Der mobile Helfer liefert zudem Ankunfts- und Abfahrtzeiten einschließlich Verspätungs-Alarm, zeigt die Wagenreihung am Gleis, ermöglicht Sitzplatzreservierungen und natürlich Buchungen. Mit dem Handy lassen sich Fahrkarten binnen Minuten kaufen und aufs Display laden. Ein Ausdruck auf Papier ist nicht mehr nötig.

15 Millionen Tickets verkaufte die Bahn nach eigenen Angaben vergangenes Jahr über den Navigator – ein Zuwachs um 47 Prozent. Die digitalen Vertriebskanäle wachsen rasant, jede 20. Fahrkarte wird bereits mobil gebucht. Zusammen mit der Internetseite http://www.bahn.de brachte das Digitalgeschäft 2017 mehr als drei Milliarden Euro Umsatz und damit fast 40 Prozent der Einnahmen aus dem Fahrscheinverkauf.

Seit Juli ist ein Selbst-Check-In möglich

Knapp 17 Millionen Kunden haben sich digital registriert – ein riesiger Datenschatz für den Staatskonzern. Unter dem Stichwort Mobilität 4.0 will Bahnchef Richard Lutz die Vision einer voll vernetzten Reise verwirklichen. Schon Vorgänger Rüdiger Grube trieb den Umbruch voran und ließ 150 digitale Projekte anschieben. Ein Schwerpunkt: Mit dem Smartphone soll Bahnfahren komfortabler werden. Dazu wird besonders der DB-Navigator mit immer mehr Funktionen aufgerüstet. So können seit dem Frühjahr erste Auslandsverbindungen mit der ÖBB in Österreich und Trenitalia in Italien gebucht werden.

Seit Juli können Bahnreisende mit der App zudem in immer mehr ICE-Zügen selbst einchecken. Wer ein Handy- oder Online-Ticket mit Sitzplatzreservierung hat, kann im Zug eine Mitteilung auf dem Smartphone bestätigen. Die Fahrkartenkontrolle entfällt dadurch. Ebenso praktisch: die Schnellbuchung in vier Schritten, seit Juni im Navigator verfügbar. Wer Daten wie Zahlungsmittel und gewünschte Wagenklasse im System hinterlegt hat, kann so nun noch einfacher ein Handyticket kaufen.

Auch RVF-Tickets sind buchbar

Ein großer Fortschritt ist der rasante Ausbau des Ticketangebots für innerstädtische Fahrten. Der DB Navigator ermöglicht derzeit bereits den Fahrscheinkauf für Busse, Straßen-, U- und S-Bahnen in 26 Verkehrsverbünden, darunter der Regio-Verkehrsverbund Freiburg (RVF) sowie der VVS in Stuttgart, der VRN (Rhein-Neckar), der Heilbronner-Hohenloher-Haller Nahverkehr (HNV), der RMV (Rhein-Main) sowie der VBB (Berlin und Brandenburg).

Der Konzern erreicht mit seiner App inzwischen einen Großteil der 65 Millionen Bundesbürger, die innerhalb von Verkehrsverbünden leben. Das erklärte Ziel: Der DB-Navigator soll zum "Generalschlüssel" für den gesamten Nahverkehr werden. Schon 2017 wurden 1,3 Millionen Verbundtickets über die App verkauft, eine rasante Steigerung ist zu erwarten.
Der DB-Navigator

Die Anwendung gibt’s kostenlos unter http://www.bahn.de (Stichwort Navigator) oder in den App-Stores von Apple und Google. Gekaufte Handy-Tickets sind jederzeit abrufbar, unter "Meine Tickets" steht ein persönlicher Reiseplan. Umtausch oder Stornierung sind allerdings nur auf http://www.bahn.de oder in DB-Reisezentren möglich.