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05. Januar 2010 00:02 Uhr
Stromsparen
Energieeffizienz-Skalen werden neu geordnet
Wie umweltfreundlich Kühlschränke, Wasch- oder Spülmaschinen sind, können Verbraucher seit 1996 an einem Ökolabel ablesen. Anfang 2010 will das EU-Parlament nun eine neue Kennzeichnung beschließen.
A bis G, A+ bis F, A++ bis E und A+++ bis D: Mit diesen vier verschiedenen Skalierungen wird sich der Verbraucher zukünftig herumschlagen müssen. Denn die EU hat sich nach 18 Monaten zähen Verhandelns dazu entschlossen, dass die bisherigen Stufen bei Bedarf um die Klassen A+, A++ und A+++ erweitert werden dürfen.
Dieses Prinzip kennen die Verbraucher bereits heute von den Kühlschränken. Weil hier der technische Fortschritt in den vergangenen Jahren besonders schnell vonstatten ging, reichte die Skalierung schon länger nicht mehr aus. Deshalb tragen die energieeffizientesten Kühlschränke mittlerweile das Label A++, ein Gerät der A-Klasse ist bestenfalls noch Durchschnitt. Kühlschränke mit der Energieeffizienzklasse B sind auf dem Markt praktisch nicht mehr vorhanden.
Auch andere Produktgruppen sind inzwischen an die Grenze der A-Klasse gestoßen. Deshalb soll auch hier die Skala zukünftig nach oben erweitert werden. Weil der technische Fortschritt jedoch nicht überall gleich ist, hat die energieeffizienteste Spülmaschine zukünftig eine andere Kennzeichnung als die umweltfreundlichste Waschmaschine. Neu eingeführt werden soll das Label außerdem für Produkte wie Fernseher oder Wärmefenster, für die es bislang noch keine Kennzeichnungspflicht gibt. Diese starten dann mit der bislang üblichen Skalierung von A bis G.
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"Das ganze ist für die Kunden absolut verwirrend", sagt Frauke Rogalla vom Bundesverband der Verbraucherzentralen: "Wir sind mit der Lösung sehr unzufrieden." Der Verbraucher halte A-Geräte für das Beste, A+ und A++ nehme der Kunde nur noch als Feinabstimmung war, sagt Frauke Rogalla. Diese Einschätzung bestätigt auch eine Untersuchung der Deutschen Energieagentur und der Universität St. Gallen. Demnach sind Verbraucher bereit, im Schnitt 132 Euro mehr zu bezahlen, wenn sie statt eines Geräts der Energieeffizienzklasse B ein Produkt mit der A-Kennzeichnung bekommen. Bei einer Differenzierung innerhalb der A-Klasse sind es indes nur noch 28 Euro – obwohl die Verbesserung zwischen B und A genauso groß ist wie zwischen A und A+.
Umweltschützer befürchten deshalb, dass die neue Kennzeichnung dazu führt, dass die Verbraucher nicht mehr die effizientesten Geräte kaufen, weil sie den Mehrwert nicht erkennen. Deshalb habe auch die Industrie keinen Anreiz mehr, umweltfreundlichere Produkte herzustellen. "Das ist aus Klimaschutzgründen fatal", sagt Christian Noll, Energieexperte der Umweltschutzorganisation BUND.
Sowohl Umwelt- als auch Verbraucherschützer hatten sich deshalb im Vorfeld dafür eingesetzt, dass die bisherige Skalierung von A bis G eingehalten wird. Alle paar Jahre hätten die Geräte dann neu eingestuft werden müssen, ein von der Technik überholtes Produkt wäre aus der A- in die B-Klasse zurückgesetzt worden. Doch hiergegen wehrte sich die Industrie. Sie argumentierte, dass dann in der Übergangsphase zwei identische Geräte mit verschiedenen Kennzeichnungen in den Läden gestanden hätten.
Ganz glücklich mit der jetzigen Lösung sind jedoch auch die Hersteller nicht. "Es ist nicht das, was wir uns vorgestellt hatten", sagt Werner Scholz vom Zentralverband Elektrotechnik und Elektroindustrie (ZVEI). Die Industrie hatte für eine nach oben offene Zahlenskala plädiert, mit der Ziffer eins als schlechtester Stufe. Die Aufregung um den Kompromiss kann Scholz indes nicht verstehen: "Ich glaube nicht, dass die Verbraucher das System nicht begreifen werden." Schließlich sei es nicht wichtig, Äpfel mit Birnen beziehungsweise Kühlschränke mit Waschmaschinen vergleichen zu können. Innerhalb einer Produktgruppe sei die Kennzeichnung absolut logisch, meint Scholz. Auch die Kritik an der Industrie weist er zurück. Selbstverständlich würden sich die Hersteller auch weiter darum bemühen, die Geräte energieeffizienter zu machen, sagt Scholz.
Die neue Kennzeichnung gilt zunächst bis 2014. Danach wird das Label bei der EU erneut auf den Prüfstand gestellt.
Schon jetzt kann der Kauf energieeffizienter Produkte aber nicht nur helfen, die Umwelt zu schonen, sondern entlastet auch den Geldbeutel. Das gilt insbesondere für Kühlschränke und Gefriertruhen, die 365 Tage im Jahr rund um die Uhr laufen. Die Mehrkosten für ein teureres Gerät haben sich schnell amortisiert.
Beispiel: Das Ökoinstitut hat berechnet, dass ein Kühlschrank mit der derzeit effizientesten Energieklasse A++ im Jahr zum Teil nur 20 Euro kostet. Typische am Markt befindliche Produkte der A-Klasse schlagen indes mit bis zu 100 Euro jährlich zu Buche. Sie verbrauchen fast dreimal so viel Strom und stoßen auch dementsprechend mehr klimaschädliches Kohlendioxid aus. Ähnlich sieht es bei Gefriertruhen aus. Hier unterscheiden sich die jährlichen Kosten für das energetisch günstigste und das Standardprodukt um fast 50 Euro. Einige der umweltfreundlichen Geräte sind dabei sogar noch nicht einmal teurer als die Stromfresser.
Weniger eindeutig sind die Ergebnisse für Waschmaschinen und Spülmaschinen. Laut Ökoinstitut unterscheiden sich die derzeit auf dem Markt befindlichen Produkte kaum noch nach ihrem Strom- und Wasserverbrauch. Bei Waschmaschinen hängt die Energieeffizienz deshalb vielmehr vom Verhalten des Nutzers ab. Wer seine Wäsche bei 90 statt bei 60 Grad wäscht, verbraucht doppelt so viel Strom.
Ebenso unsinnig ist es aus ökologischer Sicht, die Maschine lediglich für eine Jeans anzuwerfen. Aus diesem Grund empfiehlt das Ökoinstitut "intelligente" Waschmaschinen: Sie zeigen dem Verbraucher an, wie viel Waschpulver er benutzen soll und wie viel Wäsche noch fehlt, bis die Maschine ausgelastet ist. Diese Geräte sind noch relativ teuer.
Bei den Spülmaschinen lautet die gute Nachricht für Spülmuffel: Spülmaschinen sind umweltfreundlicher als ein Hand-Abwasch. Für eine Ladung verbraucht eine moderne Maschine weniger als 15 Liter Wasser. Für dieselbe Menge Geschirr benötigt der durchschnittliche Handspüler 50 Liter.
- Stromspar-Check: Arbeitslose als Energieberater
Autor: bbe
